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170'000 Erdbeben-Tote geborgen

Aktualisiert am 28.01.2010

Zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti befürchten die Behörden bis zu 200'000 Tote. Ausserhalb von Port-au-Prince plant die Uno Camps für etwa eine halbe Million Obdachlose.

1/39 Bei der Verteilung von Lebensmitteln gibts chaotische Szenen.
Bild: Keystone

   

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Haiti

IWF gibt 114 Millionen Dollar

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährt Haiti einen grosses Darlehen zur Bewältigung der Folgen des schweren Erdbebens vor gut zwei Wochen: Der Exekutivrat der Organisation billigte am Mittwoch einen Notkredit in der Höhe von 114 Millionen Dollar. Das zinslosen Darlehen sei die grösste Summe, die der haitianischen Regierung nach dem Beben zur Verfügung gestellt worden sei, teilte die in Washington ansässige Organisation mit. Die Mittel sollten bis Ende der Woche ausgezahlt sein. Damit solle Haiti dringend benötigte Importe finanzieren und die Banken mit Bargeld versorgen. (sda)

Seit dem schweren Erdbeben in Haiti vor gut zwei Wochen sind fast 170'000 Tote geborgen worden. Dies teilte Haitis Präsident René Préval am Mittwoch in Port-au-Prince mit. Bislang hatten die Behörden die Zahl der Toten mit mindestens 150'000 angegeben, befürchtet werden bis zu 200'000 Tote. Das Beben am 12. Januar hatte den armen Karibikstaat verwüstet, die Hauptstadt Port-au-Prince liegt in Trümmern.

Zwei Wochen nach dem Jahrhundert-Beben der Stärke 7,0 ist der Karibikstaat Haiti erneut von einem Erdstoss erschüttert worden. Wie die US-Geologiebehörde USGS berichtete, erreichten die Erschütterungen am Dienstagabend (Ortszeit) die Stärke 4,9. Das Zentrum habe in etwa zehn Kilometer Tiefe rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen. Über neue Schäden oder Verletzte war zunächst nichts bekannt.

Die andauernden Nachbeben versetzen die Menschen weiterhin in Panik. «Wir können uns nicht daran gewöhnen», sagte ein Händler in Port-au-Prince, «jedes Nachbeben ist furchterregend und alle haben Angst». Nach Erwartung der USGS müssen die Haitianer noch vier Wochen lang mit Nachbeben rechnen.

Überlebender geborgen

Ein Mann, der von einem Nachbeben verschüttet worden war, konnte am Dienstag gerettet werden: US-Soldaten fanden den Mann unter den Resten eines Hauses in Port-au-Prince. Dort hatte er seit zwölf Tagen gelegen. Er sei ausser Lebensgefahr und zu Ärzten gebracht worden. Wie die US-Armee mitteilte, war der 31-Jährige nicht während des ersten gewaltigen Erdbebens vor zwei Wochen verschüttet worden, sondern durch eines der zahlreichen Nachbeben. Einsatzkräfte haben inzwischen mehr als 130 Menschen lebend aus den Schuttbergen geholt.

Auch die Nothilfe für die Überlebenden geht weiter. Unicef gab am Mittwoch eine Impfkampagne bekannt. 600'000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren sollen gegen Masern, Tetanus und Diphtherie immunisiert werden, teilte das Uno-Kinderhilfswerk in Paris mit. Erste Erfolge meldete Unicef im Kampf gegen illegalen Kinderhandel. In Abstimmung mit dem Kinderhilfswerk habe die haitianische Regierung die Präsenz an den Grenzen verstärkt, hiess es.

Warnschüsse auf Plünderer

Die Überlebenden bedrängten weiter zu Tausenden die Ausgabestellen der internationalen Helfer. Überall in der Stadt wurden Schilder und Plakate aufgestellt, auf denen in Englisch oder Französisch «SOS», «Wir brauchen Hilfe» und «Wir brauchen Essen und Trinken» geschrieben stand.

Bei der Ausgabe von Wasser und Nahrungsmitteln vor dem Präsidentenpalast mussten Uno-Friedenstruppen aus Brasilien Tränengas einsetzen, um dem Andrang der Menge Herr zu werden. «Sie sind nicht gewalttätig», sagte UNO-Einsatzleiter Fernando Soares. «Sie sind einfach verzweifelt. Sie wollen nur etwas zum Essen ergattern. Das Problem ist: Es gibt nicht genug für alle.»

Uno plant grosse Camps

In Port-au-Prince gibt es derzeit über 300 wilde Camps von Obdachlosen auf Strassen, freien Flächen und in Parks. Insgesamt sollen so eine halbe Million Menschen leben. Die Uno will nun rund Hunderttausend von ihnen ausserhalb der Hauptstadt in zehn grossen Camps unterbringen.

Wie die Sprecherin der Uno-Mission für Migration, Njurka Pineiro, sagte, haben die Arbeiten an einem der Standorte im Osten bereits begonnen. Beobachter vor Ort gehen davon aus, dass die Mehrzahl der Menschen die Stadt nicht verlassen wird, sondern es vorzieht, dauerhaft in den provisorischen Lagern zu bleiben.

Nach dem Erdbeben der Stärke 7,0 am 12. Januar sind bislang 170'000 Tote geborgen worden, wie Präsident René Préval am Mittwoch mitteilte. Die Zahl der Toten dürfte noch steigen. Hunderttausende wurden obdachlos und sind seither auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen. (vin/sda)

Erstellt: 28.01.2010, 07:02 Uhr

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