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Acht Stimmen mehr für Romney – Überraschungserfolg für Santorum

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 04.01.2012 29 Kommentare

Der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, hat die ersten Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner im Bundesstaat Iowa hauchdünn gewonnen.

1/6 Gewinnt dank acht Stimmen: Der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney gestern Abend in Iowa. (3. Januar 2012)
Bild: AFP

   

Alles deutet auf ein Patt hin: In Iowa liegen Mitt Romney und Rick Santorum gemeinsam vorn. (Video: Reuters)

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Nach einem langen und gegen Ende mit harten persönlichen Attacken gewürzten Wahlkampf verzeichnete der ehemalige Senator Rick Santorum am Dienstagabend in den USA einen noch vor Wochen undenkbaren Erfolg bei den republikanischen Parteiversammlungen in Iowa, wo der Reigen der parteiinternen Wettbewerbe um die republikanische Präsidentschaftsnominierung eröffnet wurde. Nur wenige Stimmen trennen den ehemaligen Senator aus Pennsylvania vom Favoriten Mitt Romney, dem früheren Gouverneur von Massachusetts. Beide Kandidaten liegen mit knapp 25 Prozent nahezu gleichauf. Nach Parteiangaben vom frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) lag Romney aber mit 30'015 Stimmen vor dem christlich-konservativen Ex-Senator Rick Santorum, der auf 30'007 Stimmen kam.

Den dritten Rang belegt der texanische Kongressabgeordnete und Libertarier Ron Paul mit 21 Prozent, gefolgt von Newt Gingrich, dem ehemaligen Sprecher des Washingtoner Repräsentantenhauses, mit 13 Prozent. Abgeschlagen folgen der texanische Gouverneur Rick Perry mit zehn Prozent, die Kongressabgeordnete Michele Bachmann mit fünf sowie Jon Huntsman, der Ex-Gouverneur von Utah, mit lediglich einem Prozent.

Gleich viel Stimmen wie 2008

Der überraschende Erfolg Santorums, dem es sowohl an Geld wie Organisation gemangelt hatte, dürfte beim Washingtoner Establishment der Partei für gehörige Unruhe sorgen: Obwohl Mitt Romney, dem die republikanischen Strategen die besten Siegeschancen gegen Barack Obama einräumen, mehr Geld als alle andere Kandidaten ausgab und sich in den Tagen vor den Parteiversammlungen bereits als sicherer Gewinner wähnte, reichte es nicht zu einem klaren Sieg.

Schlimmer noch: Romneys bescheidene 25 Prozent signalisieren, dass ein Gutteil der republikanischen Basis weiterhin nicht gewillt ist, dem als zu moderat empfundenen Mormonen zu folgen, und deshalb weiter nach einer Alternative sucht. Kommentatoren vermerken insbesondere, dass Romney gestern den gleichen Stimmanteil erzielte wie bei den Parteiversammlungen 2008, als er gegen Mike Huckabee, den sozialkonservativen ehemaligen Gouverneur von Arkansas, verlor. Romney gewann bei Senioren und in den Vorstädten der Bevölkerungszentren, während Jungwähler überwiegend für Ron Paul stimmten.

Ein «Massachusetts-Gemässigter»

Santorums Erfolg verdankt sich hingegen vor allem religiösen Wählern sowie Kleinstädtern und Angehörigen der unteren Mittelklasse. Auch bei Anhängern der Tea Party erzielte der Ex-Senator unerwartet gute Ergebnisse. Der dritte Platz des Kongressabgeordneten Ron Paul widerspiegelt den Enthusiasmus jüngerer Wähler, die Pauls isolationistische Aussenpolitik und libertarisches Denken schätzen. Newt Gingrich, der mit dem vierten Platz vorliebnehmen musste, machte ein Bombardement negativer TV-Spots aus Romneys Lager für seine Niederlage verantwortlich und kündigte noch in der Wahlnacht an, künftig mit harten Bandagen gegen seinen Konkurrenten kämpfen zu wollen.

So schaltete Gingrich bereits in der heutigen Ausgabe der führenden Zeitung im neuenglischen Staat New Hampshire, wo am kommenden Dienstag republikanische Vorwahlen anstehen, eine ganzseitige Anzeige gegen Romney, der laut Umfragen in New Hampshire klar führt. Hatte Gingrich den ehemaligen Gouverneur bereits vor dem Wahltag in Iowa als «Lügner» bezeichnet, der sich einen konservativen Anstrich gebe, so schob der Sprecher gestern Nacht nach: Romney sei ein «Massachusetts-Gemässigter», der im Präsidentenamt lediglich «den Niedergang Amerikas» verwalten werde.

McCain unterstützt Romney

Auch Rick Santorum wird Romney in den verbleibenden Tagen bis zum Urnengang in New Hampshire scharf angreifen und versuchen, sich nach seinem Erfolg in Iowa als konservative Alternative zu Romney und als Kandidat der kleinen Leute zu profilieren. Allerdings verfügt der Schwulengegner und Befürworter eines Totalverbots der Abtreibungsfreiheit über weitaus weniger Ressourcen als sein Widersacher. Mit Spannung wird überdies verfolgt werden, ob einer der unterlegenen Kandidaten, etwa Bachmann oder Perry, in den kommenden Wochen aufgeben wird. Senator John McCain, der republikanische Präsidentschaftskandidat von 2008, kündigte unterdessen an, er werde Mitt Romney unterstützen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.01.2012, 07:29 Uhr

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29 Kommentare

Markus Siegenthaler

04.01.2012, 08:14 Uhr
Melden 36 Empfehlung

Isolationistische Aussenpolitik von Ron Paul? Ah ja, isolationistisch wie Kanada, China oder die Schweiz! Er will nicht Weltpolizei spielen die denkt sie müsse allen sagen was richtig oder falsch ist. Er will erst in Kriege ziehen wenn der Kongress dem zustimmt so wie es die Verfassung verlangt. Er will mehr auf Diplomatie setzten statt zuerst zu bomben, dann reden. Ist das "isolationistisch"? Antworten


Ralpf Keller

04.01.2012, 09:05 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Das ist auch so ein obskures Element amerikanischer Politik: Eine wenige erzkonservative Hinterwäldler treffen bei der Präsidentenwahl Vorentscheidungen von landesweiter politischer Tragweite: Es ist eine Art Tyrannei der wenigen. Doch das spielt bei diesen ebenso obskuren politischen Figuren ohne Format ja wohl ohnehin keine grosse Rolle. Antworten



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