Ausland

Affäre Polanski: Kopfschütteln in US-Medien

Aktualisiert am 13.07.2010 61 Kommentare

Während in den Schweizer Medien ein gewisses Verständnis für die Freilassung des Regisseurs geäussert wird, hat der Entscheid in den US-Medien grossen Unmut hervorgerufen.

1/9 «Time Magazine»
Das amerikanische Magazin schreibt auf ihrer Online-Seite von einem «Schock» und einer «überraschenden Wende» in der Affäre Polanski. «Polanski wird am Montag als freier Mann ins Bett gehen.»

   

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So titelte das Nachrichtenmagazin «Time» auf seiner Webseite: «Schock: Die Schweizer lassen Polanski frei». Der Entscheid garantiere Polanski fast, dass er der Gefängnisstrafe für den Rest seines Lebens ausweichen könne. Ein weiteres Mal werde der Regisseur durch «legalen Unsinn» gerettet, schrieb die «Los Angeles Times». Auch der Kolumnist der Tageszeitung «Washington Post» zeigte sich erbost. Er schlägt den Amerikanern vor, die Filme des polnisch-französischen Filmemachers von nun an zu boykottieren.

Im Fernsehsender CNN nahm Polanski als «flüchtiger Kinderschänder» am Montagabend den ersten Rang ein auf der «Liste, auf die man nie kommen will». Die «New York Times» weist auf den kulturellen Graben zwischen Europa und den USA hin, der sich durch das Auslieferungsgesuch aufgetan habe. Die Frage dabei sei, ob Polanski bereits Strafe genug geleistet habe oder ob seine Berühmtheit und sein Talent die Schwere des Verbrechens verschleierten.

«Nicht alle gleich»

Die Kommentatoren der Schweizer Tageszeitungen ihrerseits bewerten die Freilassung von Star-Regisseur Roman Polanski mehrheitlich als einen politischen Akt. Kritisiert wird vor allem der «Sonderfall Polanski».

«Es sind nicht alle gleich», titelt etwa die «Neue Luzerner Zeitung». «Wäre die Hauptperson in diesem Drama nicht Roman Polanski gewesen, sondern ein unbekannter Laienschauspieler – er würde jetzt vor einem US-Gericht stehen», glaubt der Kommentator. Ähnlich tönt es bei der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Letztlich geht es um das Eingeständnis, dass bei übergeordnetem Interesse vor dem Recht nicht immer alle gleich sind. Einige sind etwas gleicher», heisst es in der Online-Ausgabe.

Von einem «juristisch wackeligen Urteil», schreibt der «Tages-Anzeiger». Zu hoffen sei nun, dass die neue Praxis, Auslieferungsgesuche auch inhaltlich zu prüfen, in Zukunft auch Inhaftierten zugute komme, «die eine weniger gute Lobby haben als der weltberühmte Regisseur».

Verständnis und Erleichterung

Als ein «letztlich logischer Entscheid» bezeichnet die «Südostschweiz» die Freilassung Polanskis. Da «von US-Seite getrickst wurde», sei Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nichts anderes übrig geblieben, als das Auslieferungsbegehren abzulehnen – «getreu dem Grundsatz: ‹im Zweifel für den Angeklagten›».

Viel Verständnis für die Freilassung Polanskis zeigt der «Bund» und spricht von einem «guten» Entscheid. Widmer-Schlumpf habe juristisch, statt politisch entschieden, und «das könnte erfreuliche Folgen zeitigen: Alle Beteiligten, die Schweizer Behörden, aber auch die Amerikaner, können so ihr Gesicht wahren.»

Ähnlich argumentieren die Westschweizer Medien. Die Schweiz habe sich erhobenen Hauptes aus der Affäre gezogen – «dank der Unabhängigkeit von Eveline Widmer-Schlumpf», schreibt etwa «Le Matin». «24 Heures» spricht von einer «doppelten Demonstration der Unabhängigkeit», einmal durch die Verhaftung Polanskis und dann durch die Nicht-Auslieferung. (jak/sda)

Erstellt: 13.07.2010, 06:23 Uhr

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61 Kommentare

Guido Biland

13.07.2010, 08:56 Uhr
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Kurz nach der Genehmigung des Staatsvertrags mit den USA wird Polanski freigelassen. Bisher hat niemand einen Zusammenhang zwischen den beiden USA-Geschäften gesehen. Wurde er als "diplomatisches Zückerchen" zurückgehalten für den Fall, dass das Parlament den Staatsvertrag zu Fall bringt? Antworten


julian gerber

13.07.2010, 08:50 Uhr
Melden

gut und warum war er jetzt 10 monate lang in haft? wegen einem abkommen mit den USA? ich würd hier in diesem fall gern die ganze geschichte wissen und nicht nur das offizielle statement aus bern ... Antworten



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