Ausland

«Als wären es Kätzchen»

Von Fabienne Riklin. Aktualisiert am 02.02.2010

Der Kinderhandel in Haiti erreicht einen Höhepunkt, seit das Land nach dem Erdbeben im Chaos versinkt. Menschenhändler wittern das grosse Geld.

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Zehn Bürger der USA haben am Wochenende versucht, 33 haitianische Kinder ausser Landes zu bringen,ohne die Zollbehörden zu informieren. Kein Einzelfall, wie sich zeigt: Nach Angaben der haitianischen Behörden erreicht der Kinderhandel einen Höhepunkt. Zahlreiche Kinder hätten das Land ohne Genehmigung verlassen, Jeanne-Bernard Pierre, Direktorin des Wohlfahrtsinstitutes in Port-au-Prince. In den letzten Tagen habe sich ein regelrechtes Netzwerk von Kinderhändlern gebildet, die illegal Kinder aus Haiti auf den Adoptionsmarkt brächten, sagt er.

Auch Organisationen wie Terres des hommes und Unicef schlagen Alarm. Für Menschenhändler sei es ein Leichtes, Kinder aus den überfüllten Kindergärten und Krankenhäuser zu entführen, sagt Eléonore Chiossone, Direktorin von Terres des hommes Haiti gegenüber «Le Matin». «Wir versuchen deshalb so schnell wie möglich von ihren Eltern getrennte Kinder zu identifizieren», sagt sie. Es sei bereits eine gebührenfreie Telefonnummer in Betrieb. Anrufen könne, wer ein allein umherirrendes Kind findet, so Chiossone.

Haiti stoppt Adoptionen

Spanien will mit der Bereitstellung eines DNA-Test-Systems einen Beitrag im Kampf gegen Kinderhandel leisten. Mit dem System soll in Haiti das Erbgut von Kindern, die den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben, sowie von Eltern, die nach ihren Kindern suchen, erfasst werden, erklärte das Aussenministerium in Madrid.

Der Kinderhandel blüht aber nicht zuletzt, weil rund um die Welt Leute sofort ein Kind aus Haiti adoptieren wollen. «Bei uns melden sich enorm viele Leute, die ein Kind adoptieren möchten», sagt Ginette Dubosclard, Präsidentin der Ti-Malice, einer französischen Adoptionsvermittlungsstelle. «Als wären die Kinder kleine Kätzchen, die man kurz entschlossen bei sich aufnimmt, melden sich bei uns Leute, die sagen: ‹Wir nehmen drei, wir haben Platz›», erzählt sie. So einfach gehe das aber nicht.

Geduld zeigen

Die US-Regierung hat ihre Bürger aufgerufen bei Adoption haitianischer Kinder Geduld an den Tag zu legen und sich Zeit für transparente Verfahren zu nehmen. Und die haitianischen Behörden haben alle Adoptionen gestoppt, die nicht schon vor dem Beben am 12. Januar eingeleitet worden waren.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2010, 13:44 Uhr

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