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Attentäter ist der Sohn eines nigerianischen Ex-Ministers

Aktualisiert am 27.12.2009

Nach dem vereitelten Terroranschlag auf ein Passagierjet hat die US-Regierung die Sicherheitsvorschriften für Flüge in die USA verschärft. Inzwischen gibt es erste Ermittlungsergebnisse.

1/17 Will sich selber verteidigen: Polizeifoto von Umar Farouk Abdulmutallab.
Bild: Reuters

   

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Das sagen Passagiere am Flughafen in Amsterdam. (Quelle: Reuters)



(Quelle: Reuters)

Was die neuen Sicherheitsbestimmungen für die Passagiere genau bedeuten, ist nicht bekannt: Die Massnahmen sind laut US-Behörden «unvorhersehbar». Die Massnahmen würden «unverzüglich» gelten, sowohl für Inlands- als auch für internationale Flüge, «um die Sicherheit der Reisenden weiterhin sicherzustellen».

Heimatschutzministerin Janet Napolitano rief die Fluggäste auf, mehr Zeit für das Check-In an den Flughäfen einzuplanen. An zahlreichen Flughäfen wurden die Sicherheitsvorkehrungen bereits verschärft, darunter in Paris, London, Brüssel und Rom. In Zürich gelten die neuen Bestimmungen für Flüge in die USA ab morgen Sonntag.

Attentäter besass gültiges US-Visum

Der mutmassliche Attentäter, der am Freitag einen Sprengsatz in einer vollbesetzten US-Passagiermaschine zünden wollte, verfügte nach Angaben der niederländischen Anti-Terror-Behörde NCTB über ein gültiges Visum für die USA.

Der 23-jähriger Nigerianer namens Abdul Faruk Abdulmutallab sei von Lagos nach Amsterdam geflogen und habe dort einen Anschlussflug nach Detroit genommen. Vor dem Abflug habe die Fluglinie Northwest Airlines vorschriftsmässig eine Liste mit den Angaben der Passagieren an die US-Behörden weitergeleitet. Diese hätten daraufhin die Erlaubnis zum Start erteilt. Laut NCTB erfolgte am Flughafen Amsterdam-Schiphol zudem eine Sicherheitskontrolle, die «nach ersten Ermittlungen den Vorschriften entsprechend durchgeführt wurde».

Sohn eines Ex-Ministers

Inzwischen identifizierte ein früherer nigerianischer Minister und Bankenchef den Terrorverdächtigen bei der Polizei in Nigeria als seinen Sohn. Sein Sohn habe in London studiert, aber die britische Metropole verlassen, um zu reisen, sagte er. Die geplante Reiseroute seines Sohnes kenne er nicht. «Ich glaube, er hätte im Jemen sein können, aber wir kümmern uns darum, das festzustellen.»

Die britische Polizei durchsuchte am Samstag seine Wohnung im Londoner West End in der Nähe von Oxford Circus. Der Terrorverdächtige hatte zwischen 2005 und 2008 Maschinenbau am University College London studiert.

«Pulvrige Substanz»

Der Zwischenfall ereignete sich am 25. Dezember kurz vor Mittag (18 Uhr MEZ) an Bord eines Airbus A330 der Northwest Airlines mit 278 Passagieren und elf Besatzungsmitgliedern.

Rund 20 Minuten vor der Landung in Detroit versuchte Abdul Faruk Abdulmutallab nach Zeugenaussagen, eine «pulvrige Substanz», die er offenbar unter seiner Hose versteckt am Körper getragen hatte, zur Explosion zu bringen.

Dabei geriet seine Kleidung in Brand, dann stürzte sich einer der Passagiere auf den Terroristen und überwältigte ihn. Dieser erlitt Verbrennungen dritten Grades, zwei weitere Passagiere wurden leicht verletzt. Die Maschine landete unbeschadet auf dem Flughafen von Detroit.

Fluggast Syed Jafri, ein US-Bürger, der aus den Emiraten heimflog, sagte gegenüber Reportern, er habe drei Sitze hinter dem Mann gesessen und ein Glühen gesehen. Es habe nach Rauch gerochen, «dann sprang ein junger Mann auf ihn». Als nächstes habe es «sehr viel Panik gegeben». Als Abdulmutallab überwältigt wurde, habe er sich kaum gewehrt: «Er schien fassungslos, eher überrascht.»

Anderen Zeugen zufolge eilten Flugbegleiter mit Feuerlöschern heran, ein Mann versuchte, Flammen an Abdulmutallabs Fuss mit einer Decke zu löschen. «Es war schrecklich», sagte Richelle Keepman, die ebenfalls an Bord war. «Ich glaube, wir alle dachten, dass wir nicht landen würden, dass wir es nicht schaffen würden.» Der Nigerianer erlitt schwere Verbrennungen, einige Passagiere wurden leicht verletzt.

Verbindungen zur Qaida?

US-Medienberichten zufolge gab Abdulmuttalab in einem Verhör an, er habe auf Befehl des Terrornetzwerks al-Qaida gehandelt. Demnach sagte der Nigerianer den Ermittlern, den Sprengsatz und genaue Anweisungen im Jemen erhalten zu haben.

Die Ermittler schliessen eine Alleintäterschaft jedoch nicht aus. Aus US-Regierungskreisen hiess es, der Vorfall werde als Anschlagsversuch gewertet. Demnach stand Abdulmutallab auf einer Beobachtungsliste, nicht jedoch auf einer Terrorliste.

Chemikalien vermischt

Unklar war zunächst auch, welche Art von Sprengsatz Abdulmutallab benutzte. Wie US-Medien unter Berufung auf die Ermittlungen berichteten, sagte der 23-Jährige beim Verhör, er habe Pulver an seinem Bein festgeklebt, das er mit Hilfe einer mit Chemikalien gefüllten Spritze zur Explosion bringen wollte. Dabei geriet jedoch seine Kleidung in Brand.

Der Zwischenfall erinnert an den Fall des britischen «Schuh- Bombers» Richard Reid. Dieser hatte kurz vor Weihnachten 2001 auf einem US-Flug von Paris nach Miami versucht, in seinen Schuhen versteckten Sprengstoff zu zünden. (bru/sam/sda/ap)

Erstellt: 27.12.2009, 00:17 Uhr

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