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«Auch Jesus war HIV-positiv»
Von Johannes Dietrich, Johannesburg. Aktualisiert am 04.11.2010 1 Kommentar
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Gleich zu Beginn seiner jüngsten Predigt liess Pastor Xola Skosana eine Bombe platzen. «Jesus Christus war vom HI-Virus infiziert», teilte der südafrikanische Gottesmann seinen im Kapstädter Township Kayelitsha versammelten schwarzen Schäfchen mit: Danach herrschte erst einmal betretenes Schweigen. Schon am nächsten Tag brach am Kap der Guten Hoffnung allerdings ein Sturm der Entrüstung aus: «Wie kann ein berufener Geistlicher mit gesundem Menschenverstand den Namen Christi nur dermassen in den Schmutz ziehen?», wollte Bapistenpfarrer Mike Bele aus dem Nachbartownship Gugulethu wissen.
Dass Jesus von Nazaret in Wahrheit eine Frau, ein antirömischer Rebell oder gar homosexuell gewesen sein soll, müssen sich gläubige Christen immer wieder anhören. Doch dass er sogar an der erst zweitausend Jahre später in Erscheinung tretenden Immunschwächekrankheit Aids erkrankt gewesen sein soll, das ist schon wissenschaftlich mehr als eine blosse Zumutung.
Gott steht auf eurer Seite
Allerdings will Pastor Skosana gar nicht wörtlich verstanden werden. «Natürlich gibt es keinerlei Indizien dafür, dass Jesus das Virus in seinem Blut hatte», stellt der Prediger der charismatischen «Hoffnung fürs Leben»-Gemeinde klar: «Es geht vielmehr darum, dass sich Jesus stets in die Schuhe der Verzweifelten stellte.» Ob es sich um Aussätzige, um Ehebrecherinnen oder korrupte Zöllner handelte, konnten sich die Ausgestossenen der Unterstützung des jüdischen Propheten sicher sein: Nicht weniger seien die noch immer stigmatisierten HIV-Infizierten auf die Solidarität des Erlösers angewiesen. «Das beste Geschenk, das wir HIV-Positiven geben können, ist, sie wissen zu lassen, dass Gott weder gegen sie ist noch sich ihrer schämt», meint der Pfarrer, dessen zwei leibliche Schwestern der Pandemie zum Opfer gefallen sind.
In dem ausgebrochenen Streit kommt wieder einmal ein uralter theologischer Konflikt zum Vorschein: ob nämlich Jesus als gebrechlicher Mensch oder als fehlerlose Gottheit zu verstehen ist. «Der Pastor muss erklären, warum er Christus auf unser Niveau zerrt», schimpft Bapistenpfarrer Bele: «Wo er doch ganz unangefochten und Gott ist.» Die Frage, ob Jesus Gott oder Mensch war – und ob in seiner Person Gott zum Menschen oder der Mensch Gott wurde, sorgte bereits in der frühen Kirchengeschichte für endlose Debatten: Daran zerbrach nicht zuletzt die Einheit der byzantinischen Kirche.
Zum Schisma ist es in Südafrika bislang noch nicht gekommen: Auffallenderweise kann sich der vermeintliche Häretiker sogar der Unterstützung der verfassten Kirche sicher sein. Skosanas Standpunkt sei «theologisch korrekt», urteilte der Direktor des Kirchenrates in der WestkapProvinz, Siyabulela Gidi. Ferner habe der Pastor ausser Südafrika «die ganze Welt» zum Reden gebracht: «Und darauf kommt es in der Theologie schliesslich an.»
Aids-Test statt Abendmahl
Mit blossem Reden liess es der Prediger allerdings nicht bewenden: Statt am Ende seines Gottesdienstes das Abendmahl zu feiern, liess sich der Geistliche auf das HI-Virus testen – und über hundert Gemeindemitglieder taten es ihm gleich. HIV-Tests sind in Südafrika, wo mehr als 5,7 Millionen Menschen positiv sind, noch immer keineswegs selbstverständlich: «Was ihr einem dieser geringsten Brüder getan habt», sprach der Herr, «das habt ihr mir getan.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.11.2010, 08:34 Uhr
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"Der Mensch dachte und Gott la(a)chte." - Das Spezielle und in diesem Fall beruhigende an der Gottesvorstellung im Christentums ist: Gott kennt keine Rache. Menschliche Schwächen und der Blödsinn seiner Abkömmlinge quittiert er mit müdem oder verzeihendem Lächeln. Ich darf mir Gott auch gröhlend oder wütend vorstellen oder HIV-positiv. Je nachdem, wie mir zumute, darf er auch weinen. Antworten
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