Auch der Nato-General spricht vom Rückzug aus Afghanistan

Stanley McChrystal lobt die Strategie des amerikanischen Präsidenten Barack Obama: Auch er hält einen Abzug im Jahr 2011 offenbar für realistisch.

Die afghanische Bevölkerung müsse spüren, dass man die Taliban erfolgreich zurückdränge: Stanley McChrystal, hier in Kabul.

Die afghanische Bevölkerung müsse spüren, dass man die Taliban erfolgreich zurückdränge: Stanley McChrystal, hier in Kabul.
Bild: Reuters

Der Oberkommandierende der US-geführten Truppen am Hindukusch, General Stanley McChrystal, hat bis Mitte des nächsten Jahres eine Wende in Afghanistan angekündigt. «Bis zum Sommer wird es dort einen für uns wichtigen Fortschritt geben», sagte McChrystal am Dienstag vor dem Verteidigungsausschuss des Kongresses. Bis dahin werde das Land besser gegen die Aufständischen gesichert sein.

Der US-Botschafter in Kabul, Karl Eickenberry, lobte in diesem Zusammenhang die neue Strategie von US-Präsident Barack Obama. Sie werde von der afghanischen Regierung begrüsst.

Vielleicht noch weitere Truppen nötig

Eine Woche nach der Bekanntgabe der Aufstockung um 30'000 US- Soldaten am Hindukusch gaben McChrystal und Eickenberry ihre Einschätzung der Situation vor dem Kongress. Der «entscheidende Punkt» trete dann ein, wenn die afghanische Bevölkerung spüre, dass die Militäraktion die Taliban erfolgreich zurückdränge, sagte McChrystal.

Dieser Punkt werde bis zum Sommer 2011 erreicht sein - dem Zeitpunkt, den US-Präsident Barack Obama für den Beginn des amerikanischen Abzugs ins Auge gefasst hat. Auf Anfrage der Abgeordneten schloss der ISAF-Kommandant nicht aus, dass er, je nach Lage, um eine weitere Truppenaufstockung bitten wird.

Nur wenige Tage nach dem Beschluss von Präsident Obama traf Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag in Afghanistan ein. Über das Gesprächs- und Besuchsprogramm des Ministers wurde zunächst nichts bekannt.

100 britische Tote seit Jahresbeginn

In Afghanistan kam am Montag der 100. britische Soldat seit Beginn des Jahres ums Leben. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums wurde der Soldat bei Gefechten in der südafghanischen Unruheprovinz Helmand durch Kugeln getötet.

Damit starben seit dem Beginn des Einsatzes am Hindukusch im Jahr 2001 insgesamt 237 britische Soldaten. Grossbritannien hat in Helmand 9000 ISAF-Soldaten stationiert, die gegen Aufständische kämpfen und bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte helfen.

Premierminister Gordon Brown hatte jüngst angekündigt, im Dezember 500 weitere Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. In der britischen Bevölkerung schwindet die Zustimmung zu dem Einsatz jedoch zusehends. Die Regierung sieht sich unter anderem mit Vorwürfen konfrontiert, die Soldaten in Afghanistan seien schlecht ausgerüstet. (oku/sda)

Erstellt: 08.12.2009, 21:25 Uhr

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