«Bitte werft keine Bomben mehr!»

Die Proteste gegen den venezolanischen Präsidenten Nicólas Maduro gehen weiter. Beide Parteien bekämpfen sich mit allen Mitteln - ein Demonstrant macht dabei eine Ausnahme.

Strassenschlachten in Venezuela: Student protestiert nackt für Frieden. Video: Tamedia/Twitter: Gabriela Gonzalez)

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Bei Protesten gegen Venezuelas sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

In der Hauptstadt Caracas setzte die Nationalgarde am Donnerstag Tränengas gegen tausende Demonstranten ein. Einige von diesen warfen mit Steinen und Molotowcocktails.

Tränengas und Gummigeschosse

Auch in anderen Städten gab es Zusammenstösse. Die Opposition kündigte für Samstag weitere Proteste an. «Ich bin müde, ja, aber man muss Mut haben», sagte der 22-jährige Student Aquiles Aldarzoro, der sich an den Protesten beteiligte. «Ich bin bereit, jeden Tag auf die Strasse zu gehen, wenn es notwendig ist.»

Nach dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen zogen sich die Demonstranten in Caracas weiter in den Osten der Stadt zurück. Einige junge vermummte Demonstranten blieben aber und bewarfen die Ordnungskräfte mit Steinen und Molotowcocktails, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Einige Demonstranten zündeten Mülleimer an, die Polizei setzte Wasserwerfer ein und liess einen Polizeihubschrauber kreisen.

Maduro belächelt nackten Demonstranten

Inmitten der Auseinandersetzungen baute sich ein nackter Demonstrant vor den Sicherheitskräften auf, der nichts als Sportschuhe und Socken trug. Er stieg auf ein gepanzertes Militärfahrzeug und rief offenbar mit Blick auf die Tränengasbomben: «Bitte werft keine Bomben mehr!»

Staatschef Maduro machte sich im venezolanischen Fernsehen über diese Szene lustig und kritisierte den Auftritt als «Show».

Weitere gewaltsame Zwischenfälle wurden aus den Städten Maracaibo, Valencia und San Cristóbal im Norden und Westen des Landes gemeldet. Als Vorsichtsmassnahme oder aus Solidarität mit den Regierungsgegnern blieben zahlreiche Hochschulen und Geschäfte am Donnerstag geschlossen.

Drei Menschen getötet

Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten in Caracas ein 17-Jähriger und in San Cristóbal eine 23-Jährige durch Kopfschüsse getötet worden. Augenzeugen zufolge wurden die Schüsse von Mitgliedern der «colectivos», von der Regierung bewaffnete zivile Gruppen, abgegeben.

Nach Angaben der Regierung wurde zudem ein Soldat von Demonstranten getötet. Innenminister Nestor Reverol verkündete eine Festnahme im Zusammenhang mit der Tat in der Nähe von Caracas.

Grund für die Proteste

Die Regierungsgegner in dem ölreichen lateinamerikanischen Land machen Maduro für die seit langem andauernde Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für ein Referendum über eine Amtsenthebung des Sozialisten, dessen Präsidentschaft regulär noch bis 2019 dauert.

Maduro sagte am Donnerstag, die Opposition habe sich nun auf verschiedenen Wegen zu einem Dialog bereit erklärt. Oppositionsführer Henrique Capriles wies dies zurück und schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, nur Neuwahlen würden einen Dialog ermöglichen.

Verlust weiterer Leben

Der gewaltsame Konflikt in Venezuela sorgt international für Besorgnis. Die Europäische Union rief am Donnerstag zur «Deeskalation» auf. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte,«dass alle Anstrengungen unternommen werden, um die Spannungen zu verringern und neue Auseinandersetzungen zu verhindern».

Neun lateinamerikanische Länder, darunter Argentinien, Brasilien und Kolumbien, kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung «den Verlust weiterer Leben» in Venezuela. (roy/AFP)

Erstellt: 21.04.2017, 05:31 Uhr

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