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Bürger schiessen auf Plünderer
Aktualisiert am 02.03.2010 2 Kommentare
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Nach dem schweren Erdbeben in Chile mit über 700 Toten wächst die Angst vor Gewalt und Ausschreitungen. In der Gemeinde San Pedro de la Paz seien zwei Menschen durch Schüsse getötet worden, sagte die Dozentin der Journalistenschule der Universität von Chile, Claudia Lagos, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Marineinfanteristen versuchten, ein Abgleiten der Grossstadt in die Anarchie zu verhindern.
Allerdings sahen sich viele normale Bürger zu Einbrüchen und Plünderungen von Lebensmittelgeschäften gezwungen, da auch zwei Tage nach dem Beben der Stärke 8,8 kaum Wasser und Lebensmittel in der Stadt angekommen waren.
Die Versorgung mit Wasser, Strom und Gas ist seit dem Beben am Samstagmorgen unterbrochen. Kriminelle Elemente nutzten das allgemeine Chaos für Plünderungen und Raubüberfälle. Mit vorgehaltener Pistole drangen sie sogar in Privathäuser ein und beraubten die Bewohner.
Bürger schlossen sich deshalb zusammen und blockierten ganze Strassenzüge. An Strassensperren wurden nur Bekannte und Anwohner durchgelassen. Auf Unbekannte, die sich trotz Warnungen den Absperrungen näherten, eröffneten die Bürger das Feuer.
Feuerwehrfahrzeuge angegriffen
In der südlichen Stadt Concepción wurde in der Nacht eine Ausgangssperre verfügt. 55 Personen wurden festgenommen, weil sie das Verbot trotz Lautsprecher-Durchsagen der Armee missachteten.
Bereits am Sonntag waren hunderte Menschen durch die Stadt gezogen, um sich Lebensmittel und andere Waren zu beschaffen. Überlebende machten zudem ihrem Ärger über fehlende Sicherheitsmassnahmen Luft, indem sie Feuerwehrfahrzeuge beschädigten. In der Hauptstadt Santiago kam es zu ähnlichen Vorfällen.
Staatschefin Michelle Bachelet verhängte den Ausnahmezustand über die beiden am stärksten betroffenen Regionen Maule und BÃo BÃo. Er gelte zunächst für 30 Tage und solle die öffentliche Ordnung garantieren sowie schnellere Hilfslieferungen ermöglichen, sagte die Präsidentin.
«Eines der fünf stärksten Beben»
In den betroffenen Regionen suchten Rettungskräfte fieberhaft nach Überlebenden. Aus den Trümmern eines eingestürzten Hochhauses in Concepción konnten die Rettungskräfte zunächst nur acht Leichen bergen. «Es gibt aber 48 eingeschlossene Personen, die offensichtlich noch leben», sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.
Durch das Erdbeben am Samstagmorgen und die folgenden Flutwellen kamen über 700 Menschen ums Leben. Die Zahl der registrierten Vermissten nehme ständig zu, weshalb die Totenzahl weiter steigen werde, sagte Bachelet.
Das Erdbeben sei «eines der fünf stärksten» in der Geschichte des Landes; etwa zwei Millionen Menschen seien betroffen. Die wirtschaftlichen Schäden des Bebens und der anschliessenden Flutwelle wurden auf 15 bis 30 Milliarden Dollar geschätzt.
Verteidigungsminister Francisco Vidal räumte ein, die Regierung habe einen Fehler begangen, indem sie nach dem schweren Beben nicht die Gefahr eines Tsunamis in Betracht gezogen habe. Viele Menschen waren von den mehrere Meter hohen Flutwellen überrascht worden, deren Wucht Schiffe auf Hausdächer spülte.
Ruf nach internationaler Hilfe
Die Regierung bat am Montag die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Chile habe eine Prioritätenliste für die notwendigen Hilfsmassnahmen vorgelegt, erklärte das UNO-Büro für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) in Genf.
Demnach werden für das Katastrophengebiet im Süden Chiles insbesondere Feldlazarette mit Operationsmöglichkeiten, mobile Brücken, Kommunikationsausrüstung und mobile Küchen benötigt. Auch die Schweiz erhielt eine Hilfsanfrage.
Schweizer Experten vor Ort
Ein Schweizer Erkundungsteam traf bereits im Erdbebengebiet ein. Es soll abklären, welche Hilfe die Schweiz leisten kann. Die zivilen Experten könnten Chile beispielsweise bei der Entsalzung des Trinkwassers und beim Aufbau der Infrastruktur unterstützten.
Mehrere Länder sagten millionenschwere Hilfe zu. Auch die Schweizer Hilfswerke stellten Gelder bereit - die Glückskette zum Beispiel 100'000 Franken für die erste Nothilfe. Das Schweizerische Rote Kreuz beteiligt sich mit 50'000 Franken an der Nothilfe des Chilenischen Roten Kreuzes, und Caritas unterstützt ihre Schwesterorganisation mit 200'000 Franken. (bru/sda)
Erstellt: 02.03.2010, 08:27 Uhr
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2 Kommentare
es macht sehr traurig, wie es zurzeit vor allem die armen nationen mit naturkatastr. heimsucht, mein Idee wäre anstatt immer mehr geld in das korrupte und unmoralische finanzsystem zu pumpen, ein weltweites katastrophen-organ mit genausoviel geld wie man den "armen" bankiers gibt (ohne dass sich bis jetzt was geändert hat, oder täusche ich mich da?) installiert und den echten bedürftigen hilft. Antworten
Da sieht man wieder, dass die Leute in der Eigentumsgesellschaft ruhig sterben sollen solange mit ihnen kein Geschäft gemacht werden kann. Sich etwas zu essen zu beschaffen wenn der Handel nicht mehr funktioniert ist ein Grund für die Erschiessung durch die Armee. Antworten
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