CIA beschäftigte angeblich Nazis und Kriegsverbrecher

Während des Zweiten Weltkriegs bekämpften die USA die Nazis aufs Härteste. Doch danach gewährten sie ihnen offenbar Unterschlupf – weil sie für den US-Geheimdienst nützlich waren.

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Der amerikanische Geheimdienst soll nach dem Zweiten Weltkrieg systematisch Nazi-Verbrechern Zuflucht geboten haben. Dies berichtet die «New York Times» unter Berufung auf ein bis anhin geheimes Dokument des Justizdepartements. Ein 600-seitiger Bericht, den das Ministerium seit 2006 zurückgehalten habe, belege mehrere Dutzend Fälle aus den vergangenen 30 Jahren, schreibt die amerikanische Zeitung.

Dabei fanden nicht nur Leute wie der mutmassliche KZ-Wachmann John Demjanjuk in den USA Zuflucht, sondern auch zahlreiche Nazi-Topleute, die die CIA nach dem Krieg zu Geheimdienstzwecken beschäftigt haben soll. Unter den aufgenommenen Personen figuriert zum Beispiel Otto von Bolschwing. Er gehörte zu den Mitarbeitern von Adolf Eichmann, der während der NS-Zeit massgeblich für die Deportation und Ermordung der europäischen Juden verantwortlich war.

Im Notfall NS-Vergangenheit verleugnen

Die Verbindungen Bolschwings zum Holocaust flogen offiziell erst Jahre später auf. Und die CIA war darauf vorbereitet: In internen Dokumenten hatten Offizielle des Geheimdiensts diskutiert, was sie tun sollten, wenn Bolschwings Vergangenheit ans Licht kommen würde. Offenbar gab es zwei Strategien: Entweder Bolschwings Nähe zu den Nazis zu verleugnen oder der Öffentlichkeit die Umstände zu erklären, weshalb der Mann für den US-Geheimdienst nützlich sei.

Ein noch prominenteres Beispiel war der deutsche Raketeningenieur Arthur Rudolph, der in den USA massgeblich an der Konstruktion der Saturn 5-Trägerrakete beteiligt war, welche 1969 erstmals Menschen auf den Mond brachte. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Rudolph Waffen für die Nazis entwickelt und die unterirdische Raketenfabrik Mittelwerk bei Kronstein im Harz geleitet. Dort soll er für die Ausbeutung der Häftlinge verantwortlich gewesen sein, die wie Sklaven gehalten wurden.

Radikale Juden richteten SS-Mann

Auch der ehemalige SS-Mann Tscherim Soobzokow fand beim Geheimdienst Unterschlupf – obwohl dieser bei seiner Ankunft in den USA die CIA über seine Vergangenheit in Kenntnis gesetzt hatte. Soobzokow wurde 1985 durch eine Bombe einer radikalen jüdischen Gruppierung getötet.

Für die CIA dagegen spielte die Vergangenheit der angestellten Nazis offenbar keine Rolle. «Amerika, das stolz darauf war, ein sicherer Hafen für politisch Verfolgte zu sein, war auch für die Verfolger ein sicherer Hafen», heisst es im Dokument des US-Ministeriums. Dabei hätten die Amerikaner bewusst Streit mit anderen Ländern in Kauf genommen.

Der Bericht des US-Ministeriums wartet ausserdem mit makaberen Einzelheiten auf: So soll ein Beamter in einer Schublade Teile eines Skalps aufbewahrt haben, das er Nazi-Verbrecher Josef Mengele zuschrieb. Der KZ-Arzt, der wegen seiner grausamen und menschenverachtenden medizinischen Experimente an KZ-Häftlingen den Übernamen «Todesengel von Auschwitz» erhalten hatte, war nach Brasilien geflohen. Dort starb er 1979. Die USA soll er nie betreten haben.

Erstellt: 15.11.2010, 09:44 Uhr

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