Castro zeigt Obama die kalte Schulter

Die jüngsten Annäherungsversuche des US-Präsidenten werden auf Kuba jäh zerzaust.

«Es ist richtig, in Richtung Zukunft zu gehen, aber mit festem und sicherem Schritt»: Raúl Castro.

«Es ist richtig, in Richtung Zukunft zu gehen, aber mit festem und sicherem Schritt»: Raúl Castro.
Bild: Keystone

Mit scharfer Kritik an den USA hat der kubanische Staatschef Raúl Castro einer erhofften Verbesserung der Beziehungen zwischen Washington und Havanna eine Absage erteilt. Die USA versuchten weiterhin, «die Revolution zu zerstören und unser wirtschaftliches und soziales System zu ändern», sagte Castro am Sonntag. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama unterstütze zunehmend die «offene und geheime Subversion gegen Kuba». Die USA gäben dafür Millionenbeträge aus, sagte Castro.

Gleichwohl erneuerte der Staatschef sein Angebot, sich mit Obama zu treffen und über die Beziehungen beider Staaten zu sprechen. Die Regierung Obama hatte zuletzt signalisiert, die seit Jahrzehnten frostigen Beziehungen zu dem Karibikstaat verbessern zu wollen. Unter anderem wurden Erleichterungen für US-Kubaner beschlossen, die nun leichter nach Kuba reisen und Geld schicken können.

«Wir haben einfach nicht das Recht, uns zu irren»

Kuba werde in der «Aktualisierung seines Wirtschaftsmodells» voranschreiten, versprach Castro zum Abschluss der Wintersitzung der Nationalversammlung. Dabei dürfe es aber keine Improvisationen und keine Eile geben. «Es ist richtig, in Richtung Zukunft zu gehen, aber mit festem und sicherem Schritt, denn wir haben einfach nicht das Recht, uns zu irren», sagte der 78-Jährige am Sonntag.

Raúl Castro hatte im Sommer 2006 von seinem älteren Bruder Fidel, heute 83 Jahre alt, provisorisch die Führung des Staates übernommen, der seinerzeit schwer erkrankt war. Als er im Februar 2008 auch offiziell zum Staats- und Regierungschef bestimmt wurde, machte er den Kubanern zum ersten Mal nach fast einem halben Jahrhundert kommunistischer Planwirtschaft Hoffnung auf kleine Wirtschaftsreformen.

Für die Verschiebung der Reformen hat die kubanische Führung bisher stets die Weltwirtschaftskrise und die Serie von Wirbelstürmen verantwortlich gemacht, die das Land im Sommer 2008 verwüstet hatten.

Neue Stellvertreter für Castro

An ihrer Session hatte die Nationalversammlung vor Castros Rede zwei neuen Vize-Präsidenten für den Staatsrat bestimmt. Neu in der Führung des Staatsrat sind Altrevolutionär Ramiro Valdés und die Chefin der Anti-Korruptionsbehörde, Gladys Bejerano.

Der 77-jährige Valdés gehört zu jenen Kubanern, die Revolutionsführer Fidel Castro von Anbeginn des Kampfes gegen die Diktatur in Kuba begleitet haben. Die 62-jährige Bejerano ist die Chefin der Institution, die seit diesem Sommer die Korruption in den staatlichen Strukturen bekämpfen soll.

Beide Funktionäre ersetzen in den neuen Funktionen den im September verstorbenen Kommandanten Juan Almeida und den im März in Ungnade gefallenen Reformer Carlos Lage. Ausserdem bestätigte die Versammlung die Entsendung weiterer Persönlichkeiten in das aus 31 Personen bestehende Staatsgremium, dem Castro vorsteht. (cpm/sda)

Erstellt: 21.12.2009, 09:22 Uhr

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