Ausland
Chávez duscht drei Minuten – mit Shampoo für 145'000 Dollar
Von Sandro Benini, Mexico City. Aktualisiert am 04.11.2009 25 Kommentare
Kürzlich hat sich Venezuelas Präsident Hugo Chávez übers Fernsehen an seine Mutter gewandt, um sie zum Stromsparen aufzufordern. «Mama, wenn du während der Telenovela im Fernsehen aufstehst, um dir in der Küche einen Kaffee zu machen, dann schalte bitte so lange den Fernseher aus!»
Bei anderer Gelegenheit belehrte Präsident Chávez seine Minister, wie man sich in Venezuela, einem der erdölreichsten Länder der Welt, zu duschen habe: «Man dreht das Wasser auf und stellt sich unter die Brause. Danach reibt man sich während einer Minute mit Seife und Shampoo ein, und danach hat man eine weitere Minute, um es wieder wegzuspülen. Drei Minuten reichen mir problemlos, und ich stinke garantiert nicht.» Gelächter unter den Regierungsmitgliedern. Chávez fuhr fort: «Sich in die volle Badewanne zu legen, womöglich noch in einen Jacuzzi, das geht natürlich nicht. Was für eine Art Kommunismus wäre denn das? Wir leben nicht in Jacuzzi-Zeiten!»
Seither redet das Volk scherzhaft vom «kommunistischem Duschen» – höchstens drei Minuten und mit kaltem Wasser. Dahinter verbirgt sich aber eines der schlimmsten Probleme, mit denen es Chávez in seiner mittlerweile zehnjährigen Amtszeit zu tun hatte. Denn in Venezuela herrscht Strom- und Wasserknappheit. Immer wieder kommt es zu Versorgungsunterbrüchen im ganzen Land, seit Wochenbeginn ist das Wasser in der Hauptstadt Caracas rationiert.
Dürre und Vetternwirtschaft
Die Regierung macht eine Dürre verantwortlich für die Missstände, die an das von Chávez hochgelobte Kuba erinnern. Der Pegel des Stausees Guri, dessen Wasserkraftwerk rund 60 Prozent des landesweiten Stromverbrauchs erzeugt, ist auf einen alarmierenden Stand gesunken. Kritiker bemängeln hingegen, dass das Stromverteilungsnetz in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt wurde. Laut Richard Coello, der dem Vorstand einer Elektrizitätsgewerkschaft angehört, ist der ganze Industriezweig von Vetternwirtschaft und Ineffizienz befallen. Geradezu verheerend habe sich dessen Verstaatlichung ausgewirkt: «Der Sektor befindet sich seither weitgehend in der Hand von Militärs, die von Stromverteilung keine Ahnung haben.»
Neben der steigenden Kriminalität tragen die Versorgungsengpässe dazu bei, dass Chávez' Popularität schwindet. Nach einer jüngst veröffentlichten Umfrage würden ihn gegenwärtig nur noch 17 Prozent der Venezolanerinnen und Venezolaner zum Präsidenten wählen. Im September waren es mehr als 30 Prozent. Allerdings kommen alle potenziellen Gegenkandidaten der Opposition zusammen nicht auf so viel, keiner von ihnen überschreitet die 3-Prozent-Marke. Eine Mehrheit des Volkes bezeichnet sich als unentschlossen, und 14 Prozent würden überhaupt nicht zur Urne gehen.
Selbst wenn sich Chávez tatsächlich mit einer täglichen Dusche von drei Minuten begnügt, so ist er anderweitig weniger bescheiden: Im Haushaltsbudget fürs kommende Jahr liess er den Posten für persönliche Ausgaben und fürs Präsidialbüro versechsfachen, auf mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Das ist fast doppelt so viel, wie dem Ministerium für Energie und Erdöl insgesamt zur Verfügung steht. Immerhin sind neun Millionen allein für Geschenke und Hilfsleistungen an jene reserviert, die persönlich im Präsidentenpalast Miraflores vorsprechen, um Probleme zu beklagen, vor denen die Bürokratie kapituliert hat.
Der Präsident lebt im Luxus
Hugo Chávez lässt in seinem Büro aber auch eine Klimaanlage für fast eine halbe Million Dollar installieren. Derselbe Betrag ist für die Bezahlung der Wasserrechnungen vorgesehen. «Das sind viele Tausend kommunistische Duschen», spottete ein Oppositionspolitiker. Seltsam mutet auch an, dass der 3-Minuten-Duscher Chávez für Seife, Shampoo und andere persönliche Hygieneartikel 145'000 Dollar auszugeben gedenkt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.11.2009, 06:48 Uhr
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25 Kommentare
Liebe (oder eben halt nicht, wie sie wollen) Vorschreiber. Solange es schwarzweiss-denker gibt wie Sie, oder halbwegs gebildete die Wahrheit versprühen wie Abächerli wird diese Welt kaum funktionieren für alle, weder von Links regiert, noch von rechts regiert. Geht aber wahrscheinlich über Ihren Horizont. Antworten
Sehr geehrter Herr Hans Gut Gerne würde ich mehr über Ihre Ansichten erfahren. Ihr Komentar jedoch verweist Ihre Vorschreiber bloss nicht gerade unzimperlich auf die 'ungebildeten' (oder 'halbwegs gebildeten') Plätze.. Wie sieht es denn in Wirklichkeit Ihrer Meinung nach aus? Blogkultur = jeder sagt einfach mal etwas. Für fundierten & systematisch geordneten Wissendiskurs nicht optimal geeignet. Antworten
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