Ausland

Sein mysteriöses Verschwinden entpuppt sich als CIA-Coup

Aktualisiert am 31.03.2010

Irans Streben nach der Atombombe wollen die USA mit allen Mitteln stören. Dem Geheimdienst ist nun offenbar ein wichtiger Schlag gelungen.

1/3 Auf die amerikanische Seite übergelaufen: Atomphysiker Shahram Amiri.

   

Irans Atomphysiker Shahram Amiri reiste im letzten Juni nach Saudiarabien. Angeblich als Pilger machte er sich auf den langen Weg von Teheran nach Mekka. In Saudiarabien war er angekommen, drei Tage danach aber verschwunden und nie mehr aufgetaucht. In Teheran waren die Meinungen schnell gemacht. Irans Aussenminister Manouchehr Mottaki beschuldigte die USA, Amiri entführt zu haben. Tatsächlich aber blieb das plötzliche Verschwinden des Forschers ungeklärt.

Jetzt aber kommt Licht ins Dunkel dieser Affäre. «Iranischer Atomforscher läuft zu den USA über», meldet der amerikanische TV-Sender ABC. Und beruft sich auf «den Geheimdienst nahestehende Kreise». Ein hoher CIA-Beamter soll gar von einem «Coup» gesprochen haben. Weder der Geheimdienst noch die Regierung in Washington wollten den Bericht kommentieren.

Was weiss der Mann?

Die ABC-Meldung kommt just in dem Moment, als Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu Besuch in Washington weilt und zusammen mit US-Präsident Barack Obama einen Plan ausheckt, wie der Iran zu stoppen sei.

Wie wichtig das Überlaufen Amiris tatsächlich zu werten ist, wird sich zeigen. Laut ersten Angaben der CIA-Quelle habe man den Atomforscher ausführlich befragt. Und der habe helfen können, das Wissen über das iranische Nuklearprogramm zu erweitern. Der frühere Terror-Abwehr-Beauftragte der US-Regierung, Richard Clarke, relativiert: «Die Relevanz dieses ‹Coup› wird sich darin zeigen, wie viel der Mann über die iranische Atomforschung weiss», so Clarke gegenüber ABC. «Nur einen Forscher da herauszunehmen, wird das Programm nicht stoppen.»

Nervosität in Teheran

Iranische Medienberichte könnten aber belegen, dass Amiri durchaus Einsicht in die wichtigen Anlagen des Regimes hatte. Demnach soll er in der Atomanlage Qom tätig gewesen sein. Im letzten September beschuldigte Barack Obama den Iran, in Qom seit Jahren eine versteckte Anreicherungsanlage zu unterhalten. Amiri soll auch an der Malek Asthtar Universität in Teheran, die eng mit den Revolutionsgarden der Regierung in Verbindung gebracht wird, tätig gewesen sein.

In Teheran wird man sich über den Seitenwechsel Amiris ärgern und es wird für Nervosität sorgen. «Die Amerikaner lassen die Iraner definitiv wissen, dass sie beim Ausspionieren ihrer Anlagen sehr aktiv werden», wird ein iranisch-amerikanischer Journalist in dem ABC-Bericht zitiert.

Von Bekannten kontaktiert

Seit den späten 90er-Jahren versucht der US-Geheimdienst, an Informationen über Teherans mutmassliches Streben nach der Atombombe zu kommen. Zumeist geschieht das über Familienmitglieder von Iranern, die in den USA leben. Laut früheren CIA-Angaben sind vor allem im Raum Los Angeles hunderte Interviews mit iranisch-stämmigen Amerikanern geführt worden.

Auf diesem Weg soll schliesslich auch Amiri kontaktiert worden sein. Das Verschwinden des Atomphysikers sei Teil einer lange geplanten CIA-Operation gewesen. Amiri soll von einem Mittelsmann im Iran kontaktiert worden sein. Und der habe ihm ein Überlaufen in die USA angeboten.

Unter Todesgefahr

Die Aktion hätte allerdings auch schiefgehen können. Dann nämlich, wenn Irans Geheimdienst frühzeitig davon erfahren hätte. Allgemein leben Atomphysiker im Iran gefährlich. Erst im Januar fiel ein Forscher einem Attentat zum Opfer. Eine Bombe tötete Massud Ali-Mohammadi vor seiner eigenen Haustür in Teheran. Irans Regierung machte damals die CIA und den Mossad verantwortlich.

Der Fall wird auch die Beziehungen zwischen dem Iran und Saudiarabien belasten. «Das Saudi-Regime hat sich damit selber diskreditiert. Und es zeigt, dass man den Wünschen der Amerikaner nachkommt», sagt der Teheraner Professor Mohammed Marandi laut ABC.

Der Westen verdächtigt den Iran seit langem, unter dem Deckmantel der Entwicklung der Kernenergie nach Atomwaffen zu streben. Israel hat mit militärischem Eingreifen gedroht, sollten die diplomatischen Bemühungen in dem Streit nicht fruchten. (cpm)

Erstellt: 31.03.2010, 13:30 Uhr

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