Der Mann, der in Europa die Geheim-Verliese der CIA baute

Dick Marty, früherer Sonderermittler des Europarats in Sachen Geheimgefängnisse, sieht sich bestätigt: Ein hoher CIA-Beamter hat ausgepackt, wo die USA ihre Kerker betrieben.

CIA-Beamter wie aus einem Agentenfilm: Kyle D. Foggo.

CIA-Beamter wie aus einem Agentenfilm: Kyle D. Foggo.

Kyle D. Foggo, Spitzname «Dusty», war ein CIA-Beamter, wie wir ihn aus Agentenfilmen kennen: Er trank Whiskey, rauchte Zigarren und konnte jederzeit ein Frachtflugzeug organisieren, das Waffen oder Geld um die Welt transportierte. So zumindest schildert die Zeitung «International Herald Tribune» auf der Frontseite ihrer gestrigen Ausgabe die ehemalige Nummer 3 im US-Geheimdienst. Damit war «Dusty» Foggo exakt jener Mann, den die CIA im März 2003 suchte.

Offensichtlich wurde Foggo angewiesen, drei geheime Verliese einzurichten, in denen Terrorverdächtige verhört und gefoltert werden konnten. Und nun hat mit «Dusty» Foggo erstmals ein CIA-Topshot enthüllt, dass die USA in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, in Marokko sowie in einer «weiteren osteuropäischen Stadt» Gefängnisse betrieben haben.

Den Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty überrascht dieses Geständnis nicht; gleichwohl sorgt es für Genugtuung. «Die Fakten, die jetzt rauskommen, bestätigen meinen Bericht», sagte Marty auf Anfrage. Als Sonderermittler des Europarats hatte der ehemalige Staatsanwalt von 2005 bis 2007 die Berichte über CIA-Gefängnisse der USA in Europa untersucht. In seinen Reporten wies er denn auch auf Kerker in Marokko und Rumänien hin. «Die Rumänen sind immer noch schwer beleidigt», sagt Marty.

Er ist sich auch sicher, welches osteuropäische Land «Dusty» Foggo nicht nennen wollte. «Das muss Polen sein, da bin ich mir absolut sicher, denn ich habe dort eine sehr gute Quelle.» Gleicher Ansicht ist Joanne Mariner, Direktorin des Terrorismusprogramms von Human Rights Watch (HRW) in New York. In der Nähe des Flugplatzes Szymany bei der polnischen Stadt Szczytno habe «ohne Zweifel» ein Gefängnis existiert. «Dieser Fall ist sehr gut dokumentiert», bestätigte sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Marty hatte bereits 2006, als er den Abschlussbericht für den Europarat vorlegte, die Vorwürfe an Polen als «erhärtet» bezeichnet und sich damit harscher Kritik ausgesetzt. Warschau wies den Bericht als «verleumderisch» zurück. Dies befremdet Marty nach wie vor: «Polen und Rumänien sollten mit der Wahrheit endlich herausrücken.» Das gelte aber auch für die EU. Brüssel sollte die Sache allmählich ernst nehmen.

Und die Schweiz? «Es steht fest, dass das Flugzeug mit dem Terrorverdächtigen Abu Omar unser Land zweimal überquert hat», sagt Marty. Abu Omars Fall wurde bekannt, weil ihn 2003 CIA-Agenten in Mailand kidnappten. Danach wurde er vom US-Luftwaffenstützpunkt in Aviano auf die Basis im deutschen Ramstein und von dort nach Kairo geflogen, wo er gefoltert wurde. «Es ist klar, dass die Schweiz zuständig wäre», betont Marty. Das Problem sei, dass die Amerikaner die Rechtshilfegesuche aus Bern nicht beantworten. «Stellen Sie sich vor, die Schweiz hätte dasselbe im Bankenstreit getan.»

Angeblich bestand das CIA-Netzwerk aus mindestens acht Spezialgefängnissen. Neben den von Foggo genannten – jenes in Marokko wurde angeblich nie benutzt – verfügten die Amerikaner über ähnliche Einrichtungen im Nahen Osten, im Irak, in Afghanistan und in Guantánamo, wohin die Verdächtigen zuletzt verfrachtet wurden. Gemäss inoffiziellen Angaben liess die Administration von US-Präsident George W. Bush knapp 100 mutmassliche Terroristen in geheimen Gefängnissen in Europa, Afrika und Asien festhalten.

Skimützen und Sperrholz geliefert

Kyle D. Foggo betrachtete es als seine Pflicht, sich an diesem CIA-Programm zu beteiligen. «Ich war stolz, dass ich meiner Nation helfen konnte», zitiert ihn die «Herald Tribune». Foggos Gefängnisse bestanden aus sechs Zellen, deren Wände mit Sperrholz verkleidet waren, das Foggo lieferte. Das weiche Sperrholz sollte verhindern, dass sich die Häftlinge bei den Verhören verletzten, wenn sie gegen die Wand geworfen wurden. Dies war eine der gängigen Foltermethoden. Die Häftlinge waren in Einzelhaft, und die Zellen standen so weit voneinander entfernt, dass die Insassen nicht miteinander kommunizieren konnten. Die CIA-Agenten trugen schwarze Skimützen, um ihre Identität zu verbergen, geliefert wie alles von «Dusty» Foggo.

2005 soll er eines der Gefängnisse besucht und den CIA-Beamten vor Ort versichert haben, ihre Tätigkeit sei legal. Ausserdem habe er sich mit Vertretern der osteuropäischen Sicherheitsdienste getroffen, welche beim Bau der Gefängnisse behilflich waren.

Als einstige Nummer 3 der CIA wisse Foggo eine ganze Menge, sagt Joanne Mariner von HRW. Aber er sei als Beteiligter parteiisch. Ausserdem ist Foggo heute selber hinter Gittern. Er sitzt in Kentucky eine dreijährige Gefängnisstrafe ab, nachdem er sich 2007 in einem Betrugsfall schuldig bekannt hat. Dieses Verbrechen steht allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für die CIA.

Dennoch fordert Mariner, dass US-Präsident Barack Obama eine Wahrheitskommission einsetzt, die alle Beteiligten befragt. Gemäss Dick Marty ist innerhalb der CIA bereits eine Untersuchung im Gang, die einen Verdacht von ihm bestätigen könnte. «Höchstwahrscheinlich betrieben die USA noch in einem weiteren osteuropäischen Land ein geheimes Gefängnis», sagt Marty. Dessen Namen könne er aber nicht nennen, bevor er nicht hundertprozentig sicher sei. «Dusty» Foggos Geständnis dürfte nicht nur in Polen, Rumänien und Marokko Staub aufwirbeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2009, 07:37 Uhr

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18 Kommentare

Hans Georg Nägeli

24.08.2009, 21:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Also doch haben CIA-Flugzeuge die Schweiz unerlaubt überflogen.Wo war denn unsere unbedingt notwendige Luftwaffe die vorgibt unseren Luftraum zu schützen. Und wo sind die Proteste der schweizer Diplomatie gegen den Schurkenstaat USA ? Ganz alles sollten wir uns denn doch nicht gefallen lassen und schon gar nicht von den selbst ernannten Sittenwächtern manens USA. Antworten


aldo e. ferretti

14.08.2009, 15:14 Uhr
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in was fuer einer ueberorganisierten schweiz leben wir ueberhaupt? Swissair, UBS, Novartis, Swisscom, SBB, Bush, Blair, Berlusconi, Blocher,Brown,Bundesrat etc etc Antworten


Rolf Raess

14.08.2009, 14:00 Uhr
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Falls die EU diese enthüllten Länder nicht rauswirft gehört Europa ebenso zu den Schurkenstaaten. Und die Schweiz dazu, denn Herr BR Blocher war ja ein "guter Freund" von Ex-Justizminister Gonzales (USA)… Antworten


müller max

14.08.2009, 12:36 Uhr
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übrigens wähle ich konsequent SP und befasse mich seit dem zehnten Lebensjahr mit Aussenpolitik. Ich wäre auch für Konsens, aber nur mit Leuten die ihn auch wollen. Unser Problem ist, dass wir immer von unserem Wohlstandsgefühl in Europa auf andere schliessen. Wer einen dicken Bauch hat ist normalerweise weniger radikal. Uns geht es zu gut um diese Tendenzen zu erkennen ! Antworten


müller max

14.08.2009, 12:30 Uhr
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diese Leier kenne ich schon, schlusssendlich ist natürlich immer der böse Westen an allem Uebel auf der Welt schuld. Eine gute Portion Masochismus kommt immer an. Das es unendlich viele Diktatoren gibt die ihr Volk aufs Uebelste ausbeuten - kein Thema. Dass viele dieser sogenannten Religionsfanatiker einfach nur töten wollen und es oft um Macht und Geld geht - kein Thema etc etc Antworten


Peter Gloor

14.08.2009, 12:08 Uhr
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Gott sei Dank gibt es hartnäckige Leute wie Marty, die sich dafür einsetzen, dass die Wahrheit ans Licht kommt und die Lügen und Betrügereien von Bush, Cheney und Konsorten endlich gesühnt werden können. Es ist kein Zufall, dass sich die Terroristen gegen die USA gewendet haben. Und daran ist genau die CIA schuld. Antworten


Patrick Ryf

14.08.2009, 11:51 Uhr
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Liebe Leute, die USA betreiben Machtpolitik. Das führt zu Feinden und Terrorismus. Die USA "erkämpfen" sich mit dieser Politik ihren Wohlstand. Aber wir vergessen gerne, dass wir massiv davon profitieren, wenn sich die USA die Finger schmutzig machen. Solang wir Europäer keine fairere Politik betreiben, sollten wir nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Weder auf die einen, noch auf die anderen Antworten


Paul Thürig

14.08.2009, 11:15 Uhr
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Die Wahrheit siegt! Man durfte immer darauf hoffen,dass der ehemalige Schweizer Sonderermittler Dick Marty eines Tages doch noch Recht bekommen wird,dass es nämlich auch in der EU Ableger der berüchtigten und immer bestrittenen US-Kerkern gab.Interessant dürfte nun sein,wie die offiziellen Stellen der EU dies ihren Bürger/innen glaubwürdig zu begründen vermögen? Antworten


Rafiq Tschannen

14.08.2009, 11:12 Uhr
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Wo ist das Problem? Sehen Sie kein Problem in der Doppelmoral? Man kann mit undemokratischen Methoden nicht Demokratie einfuehren. Man kann mit Krieg nicht Frieden bringen. Man kann mit illegalen Methoden nicht Legalitaet foerdern. Antworten


Gerhard Keller

14.08.2009, 11:08 Uhr
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Dass Problem, müller max, liegt in der Einhaltung der Menschenrechte und der Tatsache, dass dem Terrorismus nicht mit Gegenterrorismus begegnet werden kann. Antworten


Franziska Bolliger

14.08.2009, 10:12 Uhr
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@Müller: Haben Sie sich überhaupt mal Gedanken gemacht, wieso es Terroristen gibt oder sind Sie einer dieser fremdgesteuerten Massenmenschen, die ständig manipuliert werden? Wissen Sie überhaupt wieviel Menschen in Bezug auf die Aussenpolitik der USA jährlich getötet werden? Wieviele Länder deren Regierungen gestürzt oder erpresst werden? Wissen Sie überhaupt was? Antworten


Chris Wilson

14.08.2009, 10:02 Uhr
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@ Müller: Mit Waffen und Folter gewinnt man keine Kriege. Und wo der Kampf gegen den Terrorismus hinführt, sehen wir heute ja selber. Die Taliban in Afghanistan gewinnen zusehends wieder an Terrain (und lokaler Unterstützung!). Die Probleme und Feindschaften der USA sind hausgemacht. "Think before you act" oder halt einfach ein bisschen mehr lamentieren bevor man den roten Knopf drückt... Antworten


Hugo Ferrari

14.08.2009, 09:59 Uhr
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Die CIA, ist das die bekannte Organisation, die vor einigen Jahren die zwei New Yorker Türme zun Verschwinden gebracht hat? Antworten


Herbie Schilling

14.08.2009, 09:34 Uhr
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Dick Marty, ein kleiner "Harry Potter" aus dem Tessin? Er hat ja einiges erreicht, aber als ehemaliger Staatsanwalt sollte er eigentlich wissen, dass Verdächtigungen und Mutmassungen etc. nichts bringen. Für die USA zählen nur knallharte Beweise. Kann Herr Marty seine Kräfte nun nicht irgendwie besser für die Schweiz einbringen? Antworten


pascal weibel

14.08.2009, 09:11 Uhr
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@müller max: sie vergessen, dass die "top-terroristen", wie O.BinLadin durch die USA überhaupt diesen status erreicht haben. und die sogenannten terroristen wollen nicht die Welt-Herrschaft, sondern nur: in ihren herkunftsländern möglichst keine äusseren einflüsse (speziell durch die USA). erinnert mich irgendwie an unsere eigene geschichte und an die parolen einer wohlbekannten CH-Partei...... Antworten


Alfred Weizacher

14.08.2009, 09:06 Uhr
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Herr Müller Max: Sie sind ziemlich naiv. Das Problem ist dass hier Verdächtige verschleppt und ohne Verurteilung inhaftiert und gefoltert werden, viele davon inzwischen nachweislich unschuldig und unbeteiligt. Damit fällt die USA aufs Niveau von Ländern wie Tschad, Sudan, Somalia usw. und spielt genau das Spiel das die Terroristen beabsichtigt haben: Die Vernichtung westlicher Werte. Antworten


müller max

14.08.2009, 07:17 Uhr
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Und wo ist das Problem ? Mit der europäischen appeasement Politik kann man Terrorsiten nicht bekämpfen. Wenigsten jemand der das Thema ernst nimmt. Europäer können nur lamentieren. Antworten


Florian Leuthardt

14.08.2009, 07:13 Uhr
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Aus Gier nach USA-Unterstüzung findet der CIA auch in Osteuropa willfährige Folterknechte aus Polen und Rumänien! Dann noch auf Empörung zu machen, zeigt die Doppelmoral dieser beiden osteuropäischen Länder. Und die EU schweigt. Was ist nur aus Europa geworden! Antworten



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