Ausland

Der Mann, der in Europa die Geheim-Verliese der CIA baute

Von Christof Münger. Aktualisiert am 14.08.2009 18 Kommentare

Dick Marty, früherer Sonderermittler des Europarats in Sachen Geheimgefängnisse, sieht sich bestätigt: Ein hoher CIA-Beamter hat ausgepackt, wo die USA ihre Kerker betrieben.

CIA-Beamter wie aus einem Agentenfilm: Kyle D. Foggo.

CIA-Beamter wie aus einem Agentenfilm: Kyle D. Foggo.

Kyle D. Foggo, Spitzname «Dusty», war ein CIA-Beamter, wie wir ihn aus Agentenfilmen kennen: Er trank Whiskey, rauchte Zigarren und konnte jederzeit ein Frachtflugzeug organisieren, das Waffen oder Geld um die Welt transportierte. So zumindest schildert die Zeitung «International Herald Tribune» auf der Frontseite ihrer gestrigen Ausgabe die ehemalige Nummer 3 im US-Geheimdienst. Damit war «Dusty» Foggo exakt jener Mann, den die CIA im März 2003 suchte.

Offensichtlich wurde Foggo angewiesen, drei geheime Verliese einzurichten, in denen Terrorverdächtige verhört und gefoltert werden konnten. Und nun hat mit «Dusty» Foggo erstmals ein CIA-Topshot enthüllt, dass die USA in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, in Marokko sowie in einer «weiteren osteuropäischen Stadt» Gefängnisse betrieben haben.

Den Tessiner FDP-Ständerat Dick Marty überrascht dieses Geständnis nicht; gleichwohl sorgt es für Genugtuung. «Die Fakten, die jetzt rauskommen, bestätigen meinen Bericht», sagte Marty auf Anfrage. Als Sonderermittler des Europarats hatte der ehemalige Staatsanwalt von 2005 bis 2007 die Berichte über CIA-Gefängnisse der USA in Europa untersucht. In seinen Reporten wies er denn auch auf Kerker in Marokko und Rumänien hin. «Die Rumänen sind immer noch schwer beleidigt», sagt Marty.

Er ist sich auch sicher, welches osteuropäische Land «Dusty» Foggo nicht nennen wollte. «Das muss Polen sein, da bin ich mir absolut sicher, denn ich habe dort eine sehr gute Quelle.» Gleicher Ansicht ist Joanne Mariner, Direktorin des Terrorismusprogramms von Human Rights Watch (HRW) in New York. In der Nähe des Flugplatzes Szymany bei der polnischen Stadt Szczytno habe «ohne Zweifel» ein Gefängnis existiert. «Dieser Fall ist sehr gut dokumentiert», bestätigte sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Marty hatte bereits 2006, als er den Abschlussbericht für den Europarat vorlegte, die Vorwürfe an Polen als «erhärtet» bezeichnet und sich damit harscher Kritik ausgesetzt. Warschau wies den Bericht als «verleumderisch» zurück. Dies befremdet Marty nach wie vor: «Polen und Rumänien sollten mit der Wahrheit endlich herausrücken.» Das gelte aber auch für die EU. Brüssel sollte die Sache allmählich ernst nehmen.

Und die Schweiz? «Es steht fest, dass das Flugzeug mit dem Terrorverdächtigen Abu Omar unser Land zweimal überquert hat», sagt Marty. Abu Omars Fall wurde bekannt, weil ihn 2003 CIA-Agenten in Mailand kidnappten. Danach wurde er vom US-Luftwaffenstützpunkt in Aviano auf die Basis im deutschen Ramstein und von dort nach Kairo geflogen, wo er gefoltert wurde. «Es ist klar, dass die Schweiz zuständig wäre», betont Marty. Das Problem sei, dass die Amerikaner die Rechtshilfegesuche aus Bern nicht beantworten. «Stellen Sie sich vor, die Schweiz hätte dasselbe im Bankenstreit getan.»

Angeblich bestand das CIA-Netzwerk aus mindestens acht Spezialgefängnissen. Neben den von Foggo genannten – jenes in Marokko wurde angeblich nie benutzt – verfügten die Amerikaner über ähnliche Einrichtungen im Nahen Osten, im Irak, in Afghanistan und in Guantánamo, wohin die Verdächtigen zuletzt verfrachtet wurden. Gemäss inoffiziellen Angaben liess die Administration von US-Präsident George W. Bush knapp 100 mutmassliche Terroristen in geheimen Gefängnissen in Europa, Afrika und Asien festhalten.

Skimützen und Sperrholz geliefert

Kyle D. Foggo betrachtete es als seine Pflicht, sich an diesem CIA-Programm zu beteiligen. «Ich war stolz, dass ich meiner Nation helfen konnte», zitiert ihn die «Herald Tribune». Foggos Gefängnisse bestanden aus sechs Zellen, deren Wände mit Sperrholz verkleidet waren, das Foggo lieferte. Das weiche Sperrholz sollte verhindern, dass sich die Häftlinge bei den Verhören verletzten, wenn sie gegen die Wand geworfen wurden. Dies war eine der gängigen Foltermethoden. Die Häftlinge waren in Einzelhaft, und die Zellen standen so weit voneinander entfernt, dass die Insassen nicht miteinander kommunizieren konnten. Die CIA-Agenten trugen schwarze Skimützen, um ihre Identität zu verbergen, geliefert wie alles von «Dusty» Foggo.

2005 soll er eines der Gefängnisse besucht und den CIA-Beamten vor Ort versichert haben, ihre Tätigkeit sei legal. Ausserdem habe er sich mit Vertretern der osteuropäischen Sicherheitsdienste getroffen, welche beim Bau der Gefängnisse behilflich waren.

Als einstige Nummer 3 der CIA wisse Foggo eine ganze Menge, sagt Joanne Mariner von HRW. Aber er sei als Beteiligter parteiisch. Ausserdem ist Foggo heute selber hinter Gittern. Er sitzt in Kentucky eine dreijährige Gefängnisstrafe ab, nachdem er sich 2007 in einem Betrugsfall schuldig bekannt hat. Dieses Verbrechen steht allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit seiner Tätigkeit für die CIA.

Dennoch fordert Mariner, dass US-Präsident Barack Obama eine Wahrheitskommission einsetzt, die alle Beteiligten befragt. Gemäss Dick Marty ist innerhalb der CIA bereits eine Untersuchung im Gang, die einen Verdacht von ihm bestätigen könnte. «Höchstwahrscheinlich betrieben die USA noch in einem weiteren osteuropäischen Land ein geheimes Gefängnis», sagt Marty. Dessen Namen könne er aber nicht nennen, bevor er nicht hundertprozentig sicher sei. «Dusty» Foggos Geständnis dürfte nicht nur in Polen, Rumänien und Marokko Staub aufwirbeln. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.08.2009, 07:37 Uhr

18

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

18 Kommentare

Hans Georg Nägeli

24.08.2009, 21:38 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Also doch haben CIA-Flugzeuge die Schweiz unerlaubt überflogen.Wo war denn unsere unbedingt notwendige Luftwaffe die vorgibt unseren Luftraum zu schützen. Und wo sind die Proteste der schweizer Diplomatie gegen den Schurkenstaat USA ? Ganz alles sollten wir uns denn doch nicht gefallen lassen und schon gar nicht von den selbst ernannten Sittenwächtern manens USA. Antworten


Chris Wilson

14.08.2009, 10:02 Uhr
Melden

@ Müller: Mit Waffen und Folter gewinnt man keine Kriege. Und wo der Kampf gegen den Terrorismus hinführt, sehen wir heute ja selber. Die Taliban in Afghanistan gewinnen zusehends wieder an Terrain (und lokaler Unterstützung!). Die Probleme und Feindschaften der USA sind hausgemacht. "Think before you act" oder halt einfach ein bisschen mehr lamentieren bevor man den roten Knopf drückt... Antworten



Ausland

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Dachdecker o.F. Bellini Personal AG, AG

Mitarbeiter/in Küche (50%) Manor AG, Solothurn

Pflegehelfer/innen SRK für unseren Stellenpool TERTIANUM AG Residenz Zollikerberg, Zollikerberg


Studienberaterin gibt Tipps

Wie man ein Fernstudium erfolgreich meistert

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Jobsuche

Jobs, in die man sofort wechseln will!