Der Mann mit den 10'717 Nummern im Handy
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Die Stadt, gebeutelt und noch immer ein Sanierungsfall, befand sich auch am Montag in einem Freudentaumel: Am Sonntagabend hatten die New Orleans Saints die Super Bowl im American Football gewonnen.
Wenn sich am Mittwoch die Parade für das siegreiche Team durch die Strassen der Stadt windet, werden zwei Glatzköpfe herausstechen: der neue Bürgermeister Mitch Landrieu, dessen Wahlsieg am Samstag völlig überschattet wurde vom Einzug der Saints in die Super Bowl, sowie der abtretende Bürgermeister Ray Nagin, dem in New Orleans keine Träne nachgeweint wird. «Wir machen das zusammen und werden niemanden zurücklassen», hatte der frisch gewählte Bürgermeister in der Wahlnacht an weisse wie schwarze Wähler appelliert.
Legendärer Vater
Der Appell tut not, denn Mitch Landrieu (49) ist der erste weisse Bürgermeister in der zu zwei Dritteln afroamerikanischen Stadt seit 1978. Damals übergab Mitchs Vater Moon Landrieu die Stadtgeschäfte an den ersten schwarzen Bürgermeister von New Orleans. Der Vater war legendär, weil er Schwarze ins Rathaus holte und Afroamerikaner förderte, wo immer er konnte – was dem Sohn nun zustatten kam: Viele Schwarze votierten für Landrieu, obschon sich mehrere afroamerikanische Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters bewarben.
«Mitch wird ein fantastischer Bürgermeister sein», sagte noch in der Wahlnacht der unterlegene afroamerikanische Kandidat Troy Henry und scherzte, Landrieu sei eben «der führende schwarze Kandidat gewesen». Bereits 1994 hatte Mitch Landrieu sich erstmals um den Posten des Bürgermeisters beworben, doch verlor er wie auch 2006, als er Ray Nagin unterlag. Landrieu, ein Demokrat, machte Karriere als stellvertretender Gouverneur von Louisiana, derweil seine Schwester Mary den Staat als Senatorin in Washington vertritt.
Landrieu soll es nun richten
Traum des Berufspolitikers aber blieb stets der Einzug ins Rathaus in New Orleans, wo der unglücklich agierende Ray Nagin den Wiederaufbau der Stadt nach den Schrecken Katrinas nur langsam in Gang brachte. Korruption und Verbrechen, zäh fliessende Hilfsgelder und eine zuweilen inkompetente Stadtverwaltung behinderten den Fortschritt der Stadt.
Landrieu, der sich brüstet, in seinem Handy die Telefonnummern von 10'717 Kontaktpersonen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens gespeichert zu haben, soll es nun richten. Er habe gehofft, sagt er, dass nicht die Hautfarbe im Wahlkampf der «dominante Faktor» sein würde, sondern «Kompetenz». Die Lokalzeitung «Times-Picayune» bescheinigte ihm, er verstehe «ebenso mit dem Stadtrat zu arbeiten wie mit dem Kongress und der Regierung Obama» – eine Voraussetzung zur Überwindung bürokratischer Hürden.
Gutes Omen
«Ich weiss, was zu machen ist, und ich weiss, wie man es macht», lautete Landrieus Slogan. Nun muss er es beweisen. Der schwarzen Mehrheit versicherte der neue Bürgermeister schon während des Wahlkampfes, dass er ihre Anliegen verstehe und für sie da sein werde. Schliesslich verdanke seine Familie «der schwarzen Gemeinschaft ihr politisches Leben». Ein besseres Omen für die Zukunft als den umjubelten Sieg der Saints jedenfalls könnte sich der neue Herr im Rathaus kaum wünschen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.02.2010, 06:48 Uhr
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