Ausland

«Der Sicherheitsrat sollte Uno-Terrorrat heissen»

Aktualisiert am 24.09.2009

In seiner überlangen Rede in New York verschonte der libysche Diktator die Schweiz, nicht aber den Uno-Sicherheitsrat. Und er sorgte dafür, dass sich der halbe Plenarsaal leerte.

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Qadhafi tritt zur Ansprache an. Seine Rede gerät zu einem historischen Rückblick über die Willkür der internationalen Organisationen, die von Supermächten geprägt seien. Der Libyer fordert eine Reform.
Bild: Reuters

   

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Uno-Vollversammlung

Rede von Ahmadinejad

Am ersten Tag der Generalversammlung ist für 24 Uhr (MESZ) auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad als Redner vorgesehen. Ahmadinejad hatte erst kürzlich zum wiederholten Male den Holocaust geleugnet. Israel hat zu einem Boykott seiner Rede aufgerufen. Einen Boykott erwägen auch die EU-Delegationen.

Der libysche Staatschef Moammar Qadhafi hat bei seinem ersten Auftritt bei den Vereinten Nationen die Abschaffung des Vetorechts der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats gefordert. Die Schweiz erwähnte er mit keinem Wort. In seiner Rede zur Eröffnung der Uno-Vollversammlung in New York sprach er sich am Mittwoch auch für eine Aufnahme weiterer Mitgliedstaaten in den Weltsicherheitsrat aus, um das höchste Entscheidungsgremium der Uno den veränderten Machtverhältnissen in der Welt anzupassen.

Qadhafi sprach sich dafür aus, den kleinen Staaten genauso viel Macht einzuräumen wie den Grossmächten. Dabei warf er der Uno vor, ihre eigene Charta zu brechen, wo alle Länder als gleichberechtigt bezeichnet werden. Die Vereinten Nationen würden aber von einigen wenigen Ländern dominiert. «Das akzeptieren wir nicht, und das erkennen wir nicht an», sagte er sichtlich erregt, hielt ein Exemplar der Charta hoch und zerriss einige Seiten. Die Besetzung des Uno-Sicherheitsrats mit Nuklearmächten sei «Terrorismus». «Er sollte nicht Sicherheitsrat heissen, er sollte Terrorrat heissen», sagte Qadhafi.

Schweiz nicht erwähnt

In der mehr als anderthalbstündigen Rede ging der libysche Herrscher nicht auf den diplomatischen Konflikt mit der Schweiz ein. Bundespräsident Hans-Rudolf Merz, der am Mittwoch nach New York reiste, hatte ein Zusammentreffen mit Qadhafi am Rande der Uno-Vollversammlung nicht ausgeschlossen.

Das Plenum der Vollversammlung hatte sich bei Qadhafis Rede etwa zur Hälfte geleert. Auch US-Aussenministerin Hillary Clinton und die amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice verliessen den Saal. (vin/ap/sda)

Erstellt: 24.09.2009, 08:43 Uhr

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