Ausland
Der gefährliche Kampf ums Öl
Von Peter Nonnenmacher, London. Aktualisiert am 22.02.2010
Historische Wunden: Argentinische Kriegsgefangene Grossbritanniens während des Falklandkriegs 1982. (Bild: Keystone)
Falklandinseln
Fast 30 lange Jahre ist das alles her. Aber an den Tönen von einst, an der bitteren Lust zur Konfrontation hat sich nicht viel geändert. Die einen wollen mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, ihr gottgegebenes «Recht verteidigen» gegen eine «Besatzungsmacht» aus kolonialen Zeiten. Die anderen versichern, «alle notwendigen Vorkehrungen getroffen» zu haben, um sich im Fall der Fälle gegen gewissenlose Aggressoren «zur Wehr setzen» zu können.
Wer hätte geglaubt, dass sich eine argentinische und eine britische Regierung noch mal auf einen solchen verbalen Schlagabtausch einlassen würden?
1982 waren es ganz ähnliche Worte gewesen, mit denen sich Buenos Aires und London über dem britischen Überseegebiet der Falklandinseln feindselig gegenüberstanden. Damals liess der argentinische General Galtieri die traditionell von seinem Land beanspruchten Schafs- und Pinguininseln im Südatlantik überfallen. Und Margaret Thatcher sandte die Flotte aus, um den königstreuen Falkländern ihr kleines Reich fern der britischen Heimat zurückzugeben. Und damals war es noch, zumindest vordergründig, um Hoheitsansprüche, um den nationalen Stolz gegangen.
Es geht um viel Öl und Gas
Natürlich hatten beiderseits auch innenpolitische Erwägungen eine Rolle gespielt. Aber generell war der blutige Konflikt, wie es später der argentinische Autor Jorge Luis Borges einmal sagen sollte, kaum mehr gewesen als «ein Kampf zwischen zwei glatzköpfigen Männern um einen Kamm».
Diesmal, beim neuen Streit, geht es um viel mehr. Denn diese Woche beginnen Ölgesellschaften im Auftrag der Falkländer mit Bohrungen in einem Meeresboden, unter dem so viel Öl und Gas vermutet werden wie in der gesamten Nordsee.
Das neue Dubai
Werden die Bohrteams fündig, winkt den Falklandinseln eine Zukunft als Dubai des Südens. Kein Wunder, dass die Nachbarn, welche die Inseln noch immer als die ihren betrachten, und jedenfalls noch immer an der Niederlage von 1982 leiden, mit grösster Missgunst den Goldrausch verfolgen, der sich vor ihren Küsten abzeichnet.
Binnen weniger Tage hat sich eine Eskalation der Spannungen ergeben, die besonnene Gemüter an beiden Enden des Atlantik tief beunruhigt. Hier feurige Rhetorik, vaterländische Appelle, Sanktionsandrohungen, die Abschottung argentinischer Gewässer. Und dort Bulldoggenmentalität, trutziges Pochen auf eigenem Recht, Kriegsspiele in den Medien, verstohlenes Winken mit der Royal Navy gar. Auch wenn die britische Kriegsmarine nur noch ein schwacher Abglanz jener Flotte ist, die auf Geheiss der damaligen Eisernen Lady das faktisch letzte grosse imperiale Abenteuer Britanniens bestritt.
Politischer Druck als einzige Waffe
Könnte es, so irrwitzig der Gedanke anmutet, einen weiteren, einen allerletzten Einsatz geben? Bisher hält sich der Streit, glücklicherweise, im diplomatischen Rahmen. Einen neuen bewaffneten Konflikt, über die martialischen Worte hinaus, kann letztlich niemand wollen.
Der politische Druck ist die einzig mögliche Waffe der Argentinier. Militärische Tollheit, wie sie Galtieries Junta demonstrierte, kann sich eine demokratische Regierung selbst bei steigendem Fieber im Lande nicht erlauben. London wiederum wird nicht nur Zunge und Flotte im Zaum halten, sondern sich auch zu versöhnlichen Gesprächen mit Buenos Aires bequemen müssen. Zumindest wenn es diesen Konflikt einer dauerhaften Lösung zuführen will. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.02.2010, 21:17 Uhr








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