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Dicke müssen auf Cola verzichten

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.10.2010 23 Kommentare

Der Bürgermeister von New York will verbieten, dass mit Sozialhilfe-Geldern kalorienreiche Getränke gekauft werden dürfen. Damit stellt er Cola auf eine Stufe mit Alkohol oder Zigaretten.

Fettleibigkeit als Volkskrankheit: Fussgänger in New York (Archivbild).

Fettleibigkeit als Volkskrankheit: Fussgänger in New York (Archivbild).

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Etwa 1,7 Millionen Familien in New York erhalten so genannte «Food Stamps», eine Art Märklein, mit denen sie gratis Lebensmittel beziehen können. Gerade diese Familien sind oft übergewichtig. Neueste Zahlen zeigen, dass rund 40 Prozent der New Yorker Kinder an öffentlichen Schulen und Kindergärten zu dick sind.

Jetzt will Bürgermeister Michael R. Bloomberg handeln. Er hat in Washington angefragt, ob er ein Gesetz einführen kann, das verhindert, dass mit Food Stamps Süssgetränke erworben werden dürfen.

Die Volkskrankheit Nummer eins

Aus gesundheitspolitischer Sicht ist das Vorgehen des Bürgermeisters unbestritten. «Die Welt wäre ein viel besserer Ort, wenn die Menschen weniger Süssgetränke konsumieren würden», sagt New Yorks Gesundheitsexperte George Hacker in der «New York Times».

Im Kampf gegen die Fettleibigkeit haben sich die Fronten verschoben. Erstens ist heute klar, dass Übergewicht zur Volkskrankheit Nummer eins geworden ist. Diabetes verkürzt dabei nicht nur das Leben der Menschen, Dicke werde auch volkswirtschaftlich zu einer Belastung.

Bewegungsfaulheit als Mythos entlarvt

Zweitens ist inzwischen auch klar, warum die Menschen immer dicker werden: Wir essen falsch, und wir essen vor allem zu viel. Die Theorie, dass wir uns zu wenig bewegen, ist falsch. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Aberdeen hat ergeben, dass sich das Bewegungsverhalten von Briten im letzten Vierteljahrhundert nicht verändert hat. Das dürfte generell für die modernen westlichen Gesellschaften zutreffen.

Was sich hingegen stark verändert hat, sind unsere Ernährungsgewohnheiten: Die Anzahl der Kalorien, die ein durchschnittlicher Brite zu sich nimmt, hat sich in den letzten 25 Jahren um 12 Prozent erhöht, beim durchschnittlichen Amerikaner sind es gar 25 Prozent. Zu glauben, dieser Kalorienüberschuss könne allein mit Bewegung abgebaut werden, ist eine Illusion. «Dazu müssen die Menschen vier bis fünf Stunden Sport betreiben, pro Tag», erklärt der Verfasser der Studie, Professor John Speakman.

Auch Zigaretten sind verboten

Süssgetränke sind Kalorienbomben. Sie werden gerade von armen Familien in grossen Mengen konsumiert. Zusammen mit Junk Food sind sie eine Hauptursache der Fettleibigkeits-Epidemie. Deshalb sehen sich die New Yorker Gesundheitsbehörden in ihrem Vorgehen auch moralisch und rechtlich legitimiert. Sie verweisen darauf, dass es bereits heute verboten ist, mit Food Stamps Zigaretten oder alkoholische Getränke zu erwerben.

Trotzdem wäre ein solches Verbot ethisch höchst fragwürdig: Wird der Staat immer mehr zu «Big Brother», der alles überwacht? Werden mit einer solchen Massnahme nicht arme Menschen stigmatisiert? Diese Fragen sind nicht beantwortet. Keine Antwort hat man bisher aber auch auf das Problem der Fettleibigkeit gefunden. Obwohl inzwischen in allen modernen Gesellschaften dem Übergewicht der Kampf angesagt worden ist, bleiben die Erfolge bescheiden. Die Essgewohnheiten der Menschen zu ändern, ist offensichtlich extrem schwierig – und ein Medikament gegen Übergewicht existiert trotz grosser Anstrengungen der Pharmaindustrie bis heute nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2010, 15:29 Uhr

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23 Kommentare

Kurt Aegeri

07.10.2010, 15:37 Uhr
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Wann wird Sozialhilfe-Bezügern wohl das Atmen verboten? Bigotterie auf die Spitze getrieben. Abartig sowas. Aber die USA sollen das freieste Land der Welt sein, tja, man träume weiter... Antworten


Michael Belz

07.10.2010, 15:42 Uhr
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Nein diese Schlussfolgerung ist falsch. Jeder Bürger kann essen und trinken was er will, solange er es selbst bezahlt. Wenn ihm aber das Essen vom Staat bezahlt wird, hat der Staat das Recht, nur solche Nahrungsmittel zu bezahlen, welche nicht gesundheitsschädigend sind. Antworten



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