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«Die Medien führen eine brutale Kampagne gegen Chávez»
Interview: Sandro Benini, Caracas. Aktualisiert am 07.10.2012 82 Kommentare
Mercedes Chacín ist Chefredaktorin der Zeitung «Ciudad Caracas», Dozentin für Kommunikation und Co-Autorin des Buches «Chávez, beschrieben mit weiblicher Tinte», in dem Frauen ihre durchwegs positiven Einschätzungen des venezolanischen Präsidenten darlegen.
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Aufholjagd von Capriles
Bei den Präsidentschaftswahlen vom Sonntag stehen sich in Venezuela der bisherige Amtsinhaber Hugo Chávez (58) und Henrique Capriles Radonski (40) gegenüber. Chávez ist Vorsitzender der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), Capriles führt die aus zwei Dutzend Parteien und lokal verankerten Gruppierungen bestehende Koalition Tisch der demokratischen Einheit (MUD) an. Während der bisherige Präsident einen klar linken Kurs verficht und sich als Begründer des «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» sieht, kann man seinen aus einer reichen bürgerlichen Familie stammenden Herausforderer als Mitte-links-Politiker bezeichnen. Zu Beginn des Wahlkampfes war Chávez der deutliche Favorit, doch dann setzte Capriles zu einer unerwarteten Aufholjagd an. Die meisten seriösen Umfrageinstitute sehen den Präsidenten zwar weiterhin im Vorsprung, halten jedoch auch einen Sieg des Oppositionspolitikers für durchaus denkbar. Die beiden Lager haben sich gegenseitig mehrfach beschuldigt, bei einem Sieg des Gegners das Wahlresultat leugnen zu wollen. In diesem Falle befürchten Beobachter soziale Unruhen.
In Venezuela sind rund 19 Millionen Personen wahlberechtigt. Der Präsident wird für eine Amtszeit von sechs Jahren bestimmt. Hugo Chávez ist seit 1999 Staatschef. (ben)
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Welches sind in Ihren Augen Hugo Chávez' grösste Leistungen?
Dass er den Ärmsten des Landes seit dem ersten Tag seiner Amtszeit geholfen hat. Genau das ist die Aufgabe eines Präsidenten, der sein Volk liebt. Ausserdem hat er die Bildung und das Gesundheitswesen verbessert. Er hat die offene Rechnung beglichen, welche zwischen der Oberschicht und den Bedürftigen während Jahren und Jahrzehnten offenstand. Deshalb ist er bei der Unterschicht so beliebt und wird am Sonntag für weitere sechs Jahre gewählt werden.
Es gibt aber vieles, was weniger positiv ist. Zum Beispiel die Inflationsrate von fast 30 Prozent.
Die ist tatsächlich nicht erfreulich. Im letzten Jahr vor Chávez' Amtsantritt lag die Teuerung aber bei 113 Prozent. Um die Auswirkungen der hohen Inflation auf die Unterschicht zu mindern, hat die Regierung mehrere Detailhandelsketten geschaffen, in denen billige Lebensmittel erhältlich sind.
Laut der Organisation Transparency International ist Venezuela eines der korruptesten Länder der Welt, laut Human Rights Watch wird die Menschenrechtslage immer prekärer, und alle wichtigen internationalen Pressevereinigungen beklagen den eklatanten Mangel an Meinungsfreiheit.
Mein Lieber, ich lebe im Unterschied zu den Vertretern all dieser Organisationen seit meiner Geburt in Venezuela, und ich versichere Ihnen: Das ist einfach nicht wahr. Der Präsident ist ein Garant für das Recht auf Bildung, für das Recht auf medizinische Versorgung. Alle wichtigen Zeitungen und ein grosser Teil der elektronischen Medien kritisieren tagtäglich die Regierung. Und dann kommt jemand von aussen und behauptet, hier würden die Menschenrechte verletzt und es gebe keine Meinungsfreiheit. Das ist einfach nur lächerlich. Es findet seit langem eine internationale Kampagne statt, um die Probleme Venezuelas verzerrt darzustellen und um den Líder Máximo zu diffamieren.
Warum soll jemand eine solche Kampagne führen? Glauben Sie tatsächlich, alle die erwähnten Organisationen lügen?
Ja, allerdings. Sie lügen, weil es Chávez gewagt hat, den weltweiten ökonomischen Interessen der Rechten entgegenzutreten.
Um solche und andere Propagandasprüche zu verbreiten, zwingt Chávez fast wöchentlich sämtliche Fernseh- und Radiostationen, ihr Programm zu unterbrechen und in sogenannten Kettenschaltungen seine stundenlangen Reden zu übertragen.
Fast alle Zeitungen und ein grosser Teil der elektronischen Medien betreiben eine ständige, geradezu brutale Anti-Chávez-Propaganda. Die Fernsehsendungen des Präsidenten sind ein legitimes Mittel, um dieser systematischen Verzerrung der Realität entgegenzutreten und über die Errungenschaften der Regierung zu informieren.
Eine Fernsehdebatte mit seinem Herausforderer Henrique Capriles hat Chávez verweigert.
Wenn ein Kandidat in den Umfragen zurückliegt, wie es bei Capriles der Fall ist, dann fordert er immer eine Fernsehdebatte. Es ist das gute Recht des anderen Kandidaten, darauf einzugehen oder auch nicht.
Chávez ist bekannt dafür, seine Gegner unflätig zu beschimpfen und auch sonst eine aggressive, vulgäre Sprache zu verwenden. Während des Wahlkampfes hat er Capriles als Schwein, Schwuchtel, Stümper, politischen Analphabeten und Nazi bezeichnet. Das ist eines Staatspräsidenten unwürdig.
Der Stil des Präsidenten kann einem gefallen oder nicht. Er hat die Neigung, viel zu sprechen, oft redet er stundenlang. Seine Kritiker nehmen die paar aggressiven Passagen heraus und verbreiten sie übers Internet, während sie alles andere ignorieren. Mich persönlich stört seine volkstümliche, manchmal ruppige Art überhaupt nicht. Ausserdem, haben Sie eine Ahnung, wie die Opposition über Chávez redet und schreibt? In der Geschichte Venezuelas gibt es keinen anderen Präsidenten, der so oft und so heftig angegriffen, beleidigt, geschmäht wurde.
Um seine Krebserkrankung macht Chávez ein grosses Geheimnis. Er verschweigt, um welche Art Krebs es sich handelt und wo er aufgetreten ist. Müsste das Volk nicht über den Gesundheitszustand eines Mannes informiert sein, der das Land für weitere sechs Jahre regieren will?
Die Gesundheit des Präsidenten gehört zu seinem Privatleben. Ausserdem hat er das Volk systematisch über die einzelnen Behandlungsschritte informiert. Jedes Mal, wenn er zur Chemotherapie oder zur Bestrahlung nach Kuba gereist ist, wurden wir bei seiner Abreise und seiner Rückkehr durch eine Kettenschaltung informiert.
Sogar dafür erzwang er Kettenschaltungen? Dann ist er ja noch schlimmer, als ich dachte.
Sie haben wirklich eine sehr einseitige Sicht auf mein Land. Sie sind der Beweis dafür, wie effizient die internationalen Hegemonialmedien die Informationen über Venezuela kontrollieren und manipulieren.
Können Sie auch etwas Schlechtes über Chávez sagen?
Lassen Sie mich überlegen. (Pause). Ich denke, der Präsident sollte die Wirtschaft etwas mehr diversifizieren und dafür sorgen, dass die Armen noch stärker von deren Erträgen profitieren.
Haben Sie Freunde oder Familienangehörige, die am Sonntag für Capriles stimmen?
Einige meiner Freunde gehören zur Opposition. Früher haben wir manchmal über Politik debattiert, aber mittlerweile vermeiden wir das Thema. Venezuela ist stark polarisiert, und Diskussionen über Chávez drehen sich schnell im Kreis oder werden aggressiv. In meiner Familie hingegen habe ich keine Probleme. Dort sind alle Chávez-Anhänger.
Kennen Sie den Präsidenten persönlich?
Ja, ich habe ihn einige Male getroffen und auch mit ihm gesprochen. Er ist ein sehr zuvorkommender, aufmerksamer und charmanter Mensch.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.10.2012, 20:30 Uhr
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82 Kommentare
Die Naivität unserer Medien (mal davon ausgegangen, dass es sich nicht um Absicht handelt!) ist nur bemitleidenswert. Es müsste ja dem blindesten, taubsten und stummsten Schreiberling abgefallen sein, dass die Amis und Briten aus Venezuela verbannt wurden und deshalb seit Chaves Amtsantritt alles unternehmen um diesen auch über NGO's zu diffamieren! Antworten
Wie kommt es, dass ein Fass Erdoel 100 $ kostet, es aber in Chavez' Staatsbudget mit 50$ verrechnet wird? WO ist der Rest des Geldes? In Kuba, Nicaragua, Bolivien, Ecuador, Argentinien, Ghana... Die Infrastruktur in Venezuela ist am zusammenbrechen, die Oel-Raffinerien brennen ab oder verschmutzen die Umwelt, wegen mangelnder Unterhaltsarbeiten. Die Spitaeler ohne Medizinen, die Unis ohne Budget Antworten
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