Ausland
Die Stadt, die sich um Guantánamo-Häftlinge reisst
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Hardin und Palau
Pazifik-Inselstaat nimmt 17 Gefangene auf
Der winzige Pazifik-Inselstaat Palau hat die vorübergehende Aufnahme von 17 Gefangenen aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo zugesagt. Das ozeanische Palau hat nur rund 20'000 Einwohner. Von seinen 241 Inseln sind elf bewohnt.
Hardin ist ein 3400-Seelen-Dorf, das einsam und verlassen in endlosen Prärien im US-Bundesstaat Montana liegt. Niemand käme auf die Idee, dass es in dieser kleinen Stadt ein 27 Millionen Dollar teures Gefängnis gibt, das seit zwei Jahren leer steht. Der ungenutzte Bau, der 464 Häftlingen Platz bietet, hat das Städtchen in Schulden gestürzt, wie die Reporterin Gabriele Chwallek der Nachrichtenagentur dpa gestern schrieb.
Der Stadtrat ist darum sehr bemüht, Gefangene – auch Mörder – nach Hardin zu holen. Denn jeder Häftling bedeutet Arbeit und damit die Verheissung auf bessere Zeiten in der wirtschaftlich gebeutelten Gemeinde im ärmsten Landkreises von Montana, in der über zehn Prozent der Einwohner ohne Job sind.
Den Aufschwung verspricht sich das Städtchen Hardin nun von Präsident Barack Obama, der Guantánamo Bay zu schliessen plant. Greg Smith, Direktor für Wirtschaftsentwicklung in Hardin, spricht von einer grossen Chance, dem Städtchen zu neuer Blüte zu verhelfen. Hunderte Arbeitsplätze könnten die Gitmo-Häftlinge bringen, viel Gefängnispersonal würde nötig. Mindestens 100 der rund 240 derzeit dort inhaftierten Terrorverdächtigen, so die Schätzung von Experten, müssten 2010 hinter Schloss und Mauern auf amerikanischem Boden verwahrt werden. Aber kein Bundesstaat will diese Häftlinge; eine geschlossene Front beider politischer Lager hat sich im Kongress bereits gegen die Unterbringung der «Gitmo» in Haftanstalten auf heimischem Boden gebildet.
Gegen alle Widrigkeiten
Anders der Stadtrat von Hardin: Er wirbt in Washington um die Gefangen, auch wenn die Abgeordneten von Montana sich dagegen ausgesprochen haben. Senator May Baucus sagte dem «Times»-Magazin: «Wir werden Al-Qaida nicht ins Big-Sky-County bringen. Ausgeschlossen, nicht mit mir.»
Die Einwohner von Hardin sind geteilter Meinung. Das Gefängnis Two River Detention Center sei sehr ausbruchsicher, zitieren US-Medien einen pensionierten Arzt. Und sollte einem Häftling die Flucht gelingen, würde er wie ein bunter Hund auffallen: «Wir haben hier nur wenige, die so aussehen. Es gibt keinen Platz zum Verstecken.» Ein Ladeninhaber wiederum, will «hier keine Terroristen haben». Sein Trost wäre, dass die Unterbringung in Montana für die Häftlinge eine Strafe wäre, denn im Unterschied zum tropischen Klima auf Kuba seien die Wintermonate lang und eisig. (mbr)
Erstellt: 10.06.2009, 10:11 Uhr
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