Die Tage von Demjanjuk in den USA sind gezählt

Die Abschiebung des mutmasslichen NS-Verbrechers John Demjanjuk nach Deutschland steht womöglich in Kürze bevor.

Der 89-jährige John Demjanjuk ist von der US-Einwanderungsbehörde schriftlich aufgefordert worden, sich auf einem Amt der Behörde in Cleveland zu melden, wie sein Sohn mitteilte. Demjanjuk lebt in Seven Hills, einem Vorort von Cleveland im Staat Ohio.

Im Kampf gegen seine Abschiebung hat Demjanjuk am Donnerstag vor dem obersten US-Bundesgericht eine entscheidende Niederlage erlitten. Der Oberste Gerichtshof in Washington lehnte einen Stopp der Abschiebung des gebürtigen Ukrainers ab.

Wenn er sich nicht stellt, ist er ein Flüchtling

Demjanjuks Sohn sagte nicht, wie sein Vater auf die Aufforderung der Einwanderungsbehörde reagieren wird. Der rechtliche Hintergrund ist klar: Jeder, der sich zu einer festgelegten Frist nicht bei den Behörden stellt, gilt als Flüchtling.

Ein Sprecher der US-Einwanderungsbehörde erklärte, man arbeite mit den deutschen Stellen wegen Demjanjuks Abschiebung zusammen. Zu einem Zeitplan wollte er keine Angaben machen.

Experte erwartet Abschiebung am Montag

Der auf derartige Fragen spezialisierte Anwalt David Leopold aus Cleveland, der nicht in den Fall Demjanjuk verwickelt ist, erwartet die Abschiebung für Montag. Die Behörde sei entschlossen, den 89-Jährigen möglichst schnell in ein Flugzeug zu setzen, damit sie ihn nicht in Gewahrsam nehmen müsse. Die Aufforderung gebe Demjanjuk die Gelegenheit, eine Wiederholung des Spektakels vom vergangenen Monat zu vermeiden, sagte der Anwalt. Damals war der 89-Jährige in einem Rollstuhl aus seinem Haus und von seiner weinenden Frau weggebracht worden.

Beihilfe zum Mord an 29'000 Juden

Der mutmassliche frühere KZ-Aufseher soll in München vor Gericht gestellt werden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord an 29'000 Juden im Vernichtungslager Sobibor in Polen vor. Ein US-Berufungsgericht in Ohio hatte seinen Antrag auf einen weiteren Aufschub in der vergangenen Woche abgelehnt. Ein Gericht in Cincinnati hatte Demjanjuks Abschiebung am 14. April einmal in letzter Minute gestoppt, nachdem die Familie wegen dessen Gesundheitszustand Einspruch eingelegt hatte. (vin/ap)

Erstellt: 09.05.2009, 13:17 Uhr

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