Die drei Hauptprobleme der Helfer in Haiti

Aktualisiert am 14.01.2010

Viele Hilfsorganisationen aus aller Welt sind bereit, den Erdbebenopfern zu helfen. Ein Unterfangen mit Tücken.

1/22 72 Stunden nach dem Beben besteht kaum noch Hoffnung Überlebende zu finden.

   

Die Menschen in Haiti brauchen dringend Hilfe. Doch es ist unklar, wie ihnen am besten geholfen werden kann. Denn die Situation in Port-au-Prince und Umgebung ist auch am zweiten Tag nach dem verheerenden Erdbeben unübersichtlich, geradezu chaotisch. Die Hilfe für die Erdbebenopfer steht vor drei grossen Herausforderungen: Logistik, Sicherheit und Koordination. Jean-Hervé Bradol, Ex-Präsident von Medecins Sans Frontières (MFS) Frankreich, sagt in einem Gespräch mit der Zeitung «Libération», worauf es ankommt.

Logistik: Rasch intervenieren

Die Logistik ist entscheidend für die rasche Hilfe. Es braucht grosse Vorräte an Trinkwasser, Nahrungsmitteln, Arzneimitteln und anderen Hilfsgütern. Und diese Vorräte müssen unbürokratisch und rasch vom Lager nach Haiti transportiert werden können. Eine Hilfsorganisation kann nur zügig arbeiten, wenn sie finanziell möglichst autonom ist und so frei entscheiden kann, wie zum Beispiel Medecins Sans Frontières. Ein weiteres Problem ist, dass die ganze Logistik Haitis im verwüsteten Land völlig überfordert ist. Hinzu kommt, dass in Port-au-Prince drei von vier Spitälern zerstört sind.

Zurzeit ist es kaum möglich, Port-au-Prince mit dem Flugzeug zu erreichen. Gemäss Agenturmeldungen ist der Kontrollturm des Flughafens beschädigt - mit der Folge, dass Landungen nur bedingt möglich sind. Darum müssen die Helfer von der benachbarten Dominikanischen Republik auf dem Landweg nach Haiti reisen. Auch die schlechten Kommunikationsmöglichkeiten und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, vor allem bei Nacht, erschweren die Hilfe.

Sicherheit: Helfer schützen

Das Chaos in Port-au-Prince ist mit einem Sicherheitsproblem verbunden. Die Armenviertel waren schon vor dem Erdbeben wegen krimineller Banden gefährlich, jetzt könnte sich der Banditismus erst recht in der Hauptstadt Haitis breit machen. Am Tag nach dem Erdbeben gab es bereits erste Meldungen von Plünderungen in Supermärkten. Die 7000 Soldaten und 2000 Polizisten aus dem Ausland, die seit ein paar Jahren auf Geheiss der Uno für Sicherheit sorgen sollen, sind kaum einsatzfähig. Ihr Hauptquartier ist nur noch ein Trümmerhaufen. «Die Sicherheit der Helfer muss gewährleistet sein», sagt der frühere französische MFS-Präsident Bradol. Nicht zuletzt bestehe die Gefahr von Nachbeben, die zum Einsturz von weiteren Gebäuden führen können, was die Hilfsarbeiten zusätzlich behindert.

Koordination: Effizienz sicherstellen

Mit der laufenden Ankunft von Hilfsorganisationen in Haiti muss sichergestellt werden, dass sie einander nicht behindern. Die Uno, deren Hauptquartier nicht mehr existiert, ist wohl nicht in der Lage, die Koordination der Hilfsarbeiten zu übernehmen. Zu viel Hilfe kann laut Experte Badol dazu führen, dass den Menschen nicht effizient geholfen werden kann. Diese Aussage erinnert an die Tsunami-Katastrophe vor fünf Jahren in Asien: Damals strömten so viele ausländische Helfer herbei, dass ein zusätzliches Chaos entstand. Eine gute Voraussetzung auf Haiti ist, dass viele Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen bereits seit Jahren auf Haiti präsent sind. Diese Organisationen arbeiten mit Einheimischen zusammen, die die lokalen Verhältnisse bestens kennen.

(vin)

Erstellt: 14.01.2010, 08:54 Uhr

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