Ausland

Die totale Überwachung in Manhattan

Aktualisiert am 04.05.2010

Kameras, Autonummernleser, Sprengstoffsensoren: Wer sich im New Yorker Finanzviertel bewegt wird auf Schritt und Tritt beobachtet. Die nächste Stufe für 110 Millionen Dollar folgt demnächst.

Alles auf dem Schirm: Überwachung von der New Yorker Polizeizentrale aus.

Alles auf dem Schirm: Überwachung von der New Yorker Polizeizentrale aus.
Bild: Reuters

Zum Schutz vor Terroranschlägen haben die Behörden im New Yorker Stadtteil Manhattan ein hochtechnisches System der Videoüberwachung aufgebaut. Der vereitelte Autobombenanschlag am Times Square am Samstag hat ihnen nun ein neues Argument geliefert, die Zahl der Überwachungskameras auch in anderen Teilen der Millionenmetropole zu erhöhen.

Die New Yorker Polizei hatte am Samstagabend einen Sprengsatz in einem grünen Geländewagen entschärft, der auf dem belebten Platz an der Kreuzung Broadway und Seventh Avenue abgestellt worden war. In dem Fahrzeug wurden unter anderem Propangasbehälter, Benzinkanister und Feuerwerkskörper entdeckt.

80 Überwachungskameras am Times Square

Bei der Fahndung nach zwei Verdächtigen stützten sich die Ermittler vor allem auf Videobilder: Einer der beiden Männer wurde nach Angaben von Polizeichef Raymond Kelly von einer Überwachungskamera gefilmt, als er sich vom Tatort entfernte und sich dabei verstohlen umsah. Ein zweiter Verdächtiger auf dem Broadway war demnach auf einem Touristen-Video zu sehen. Bereits am Dienstag konnten die Justizbehörden eine erste Festnahme vermelden.

Rund um den Times Square hängen bereits mehr als 80 Überwachungskameras. Im südlichen Teil Manhattans, wo das US-Finanzzentrum rund um die Wall Street und die Baustelle des World Trade Centers liegen, geht die Videoüberwachung sogar schon viel weiter. Im Rahmen der sogenannten Lower Manhattan Security Initiative wurde die Südspitze der Insel flächendeckend mit Kameras, Kennzeichenlesegeräten und Sprengstoffsensoren ausgestattet. Polizisten werten dabei auch die Bilder privater Kameras, etwa aus Geschäften, aus.

Jedes Auto erfasst

In einem nächsten Schritt sollen in Süd-Manhattan zusätzlich Strahlensensoren eingesetzt und die sogenannte Operation Sentinel gestartet werden. Damit soll jedes Fahrzeug erfasst werden, das auf die Insel Manhattan fährt.

Im Oktober verkündete New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, das System auf Midtown Manhattan auszuweiten, wo auch der Times Square mit seinen berühmten Leuchtreklamen liegt. Mit dem System könnten die Sicherheitsbehörden verdächtige Aktionen in Echtzeit erfassen und mögliche Anschläge verhindern, bekräftigte er am Montag. Für die Erweiterung sind nach seinen Angaben bereits 110 Millionen Dollar im Haushalt eingeplant.

Datenflut mit Software ausgewertet

Nach Angaben von Polizeichef Kelly soll zur automatischen Auswertung der Daten künftig auch eine spezielle Software zum Einsatz kommen. Sie soll einen Alarm auslösen, wenn die Kameras ein verdächtiges Gepäckstück aufnehmen oder ein Fahrzeug auffallend oft um einen einzigen Häuserblock herumfährt.

Nach Angaben der Behörden sind die Überwachungskameras ein wesentliches Element im Anti-Terror-Kampf. Kelly berief sich im Fernsehsender Fox News unter anderem auf einen geplanten Anschlag auf die New Yorker U-Bahn im September 2009. Die Hauptbeweise gegen den mutmasslichen Drahtzieher, den Afghanen Najibullah Zazi, seien Videobilder, die ihn in Colorado beim Kauf von Sprengstoff zeigten. Auch nach dem Anschlagsversuch vom Times Square lieferten Aufnahmen von Überwachungskameras den Ermittlern schnell erste Spuren.

Und doch war es ein Mensch

Von Bürgerrechtlern kommt dagegen Kritik an der wachsenden Videoüberwachung. Der New Yorker Ableger der American Civil Liberties Union hat bereits das US-Heimatschutzministerium verklagt, um die Herausgabe von Informationen über das Überwachungssystem in der Stadt durchzusetzen.

Kritiker zweifeln zudem die Wirksamkeit der Videoüberwachung im Kampf gegen Terroristen an. So wurde der Anschlag am Times Square letztlich nicht durch die Kameras verhindert, sondern durch einen aufmerksamen T-Shirt-Verkäufer und einen Streifenpolizisten, die als erste bei dem qualmenden Wagen waren. (cpm/afp)

Erstellt: 04.05.2010, 14:46 Uhr

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