Ausland

Drogenbarone mischen auch im Ölgeschäft mit

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 18.08.2009

Mit dem Schmuggel von Öl in die USA hat die mexanische Drogenmafia ein neues Geschäftsfeld erschlossen. Für Mexiko ist das mehr nationale Schmach als wirtschaftliche Gefahr.

Zum Drogenhandel kommt neu noch jener mit Öl: Verhaftung von «Zetas»-Mitgliedern diesen April.

Zum Drogenhandel kommt neu noch jener mit Öl: Verhaftung von «Zetas»-Mitgliedern diesen April.
Bild: Keystone

Die mexikanische Drogenmafia diversifiziert offenbar ihre Geschäfte. Neu handelt sie nach einem Bericht der «Financial Times Deutschland» auch mit gestohlenem Öl. Dabei bohren Helfershelfer der Drogenbarone an entlegenen Orten Mexikos Pipelines der staatlichen Ölgesellschaft Pemex an und leiten von da das Öl in eigene Leitungen um. Das Rohöl schaffen sie dann mit Lastwagen oder Schiffen in die USA, wo sie es verkaufen.

Die Energieministerin Mexikos Georgina Kessel Martinez beziffert den Schaden für ihr Land auf rund 2 Milliarden Dollars. Pemex selbst schätzt den Verlust durch den Diebstahl auf mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr. Allein im vergangenen Jahr hat der Ölkonzern 396 illegale Bohrungen an seinen Pipelines entdeckt.

Gefälschte Dokumente, bestochene Grenzbeamte

Gestern Dienstag hat die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Texas gemäss dem Zeitungsbericht über die gemeinsamen Ermittlungen der Behörden von Mexiko und den USA gegen US-Firmen berichtet. Diesen wird vorgeworfen, das geschmuggelte Öl in den Staaten verkauft zu haben. Die amerikanischen Behörden haben angekündigt, als erste Zahlung 2,4 Millionen Dollar aus aufgedeckten illegalen Verkäufen wieder an Mexiko zurückzuerstatten. Seit Jahresbeginn haben die Mexikaner bereits 149 Bankkonten von Verdächtigen eingefroren.

Besonders aktiv unter den Drogenkartellen, die sich im Ölschmuggel betätigen, sollen die «Zetas» sein, die in weiten Teilen Nordmexikos das Sagen haben. Laut Polizeikommandeur Rodrigo Esparza habe dieser Clan bereits Erdöl im Wert von 46 Millionen Dollar in die USA geschmuggelt. Das Öl wird in gefälschten Frachtpapieren als Chemikalie deklariert und gelangt dank bestochenen Beamten über die Grenze.

«Nationales Heiligtum»

Der Öldiebstahl ist für Mexiko nicht in erster Linie eine wirtschaftliche Gefahr: Immerhin verdiente der Staatsmonopolist Pemex im vergangenen Jahr noch rund 43 Milliarden Dollar. Mexiko ist mit 2,7 Millionen Fässer pro Tag siebtgrösster Erdölförderer der Welt und drittwichtigster Lieferant der USA. Allerdings brechen die Ölgewinne laut «Financial Times Deutschland» angesichts veralteter Anlagen immer mehr weg. Vor allem ist der Ölklau für die Mexikaner aber eine nationale Schmach. Immerhin widmet das Land seinem Öl am 18. März sogar einen Nationalfeiertag. Mexikos Präsident Felipe Calderon hat die Bedeutung des Ölklaus mit folgenden Worten ausgedrückt: «Das ist unser nationales Erbe, und wir müssen es verteidigen.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.08.2009, 17:19 Uhr

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