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Flitterwochen im Zelt mit acht Verwandten
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Ihr Haus liegt in Trümmern, die Kirche ist eine Ruine und die Flitterwochen verbringen sie in einem Zelt zusammen mit acht Verwandten. Doch all das hat Emmanuel Beauzile und Mary Leon nicht davon abgehalten, sich in den Ruinen der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince das Jawort zu geben. Es ist ihnen aber schwergefallen, nicht an diejenigen zu denken, die zur Trauung gekommen wären, wenn sie nicht wenige Wochen vorher bei dem verheerenden Erdbeben gestorben wären.
Am Freitag (12. März) sind zwei Monate vergangen, seitdem die die Katastrophe über den bettelarmen Karibikstaat hereinbrach. Rund 230'000 Menschen verloren ihr Leben, 1,2 Millionen wurden obdachlos. Nicht alle Zeichen wecken so viel Hoffnung, wie die Trümmer-Hochzeit. Zwar summieren sich die Spenden aus aller Welt nun schon auf 1,6 Milliarden Euro. Selbst Afghanistan, sonst eher ein Empfänger von Hilfsgeldern, gab rund 150'000 Euro. Trotzdem wächst die Kritik an der Aufbauleistung.
Die nahende Regenzeit
Die Helfer gaben den Obdachlosen Zelte; 4,3 Millionen Menschen bekamen Notrationen, und Tausende profitierten von medizinischer Versorgung. Die Soforthilfe kann sich also sehen lassen. Doch die Obdachlosen leben nun in verdreckten Lagern, kaum jemand wird sich in naher Zukunft von einem eigenen Einkommen ernähren können, und eine ärztliche Langzeitversorgung ist nicht mal abzusehen. Und jetzt naht auch noch die Regenzeit etwas früher als erwartet - die Nässe könnte alles viel schlimmer machen. Wut und Resignation bei den Opfern sind zu befürchten.
Trotz der vielen Spenden hat jemand «Nieder mit den Dieben von den Nicht-Regierungs-Organisationen» auf die zerborstenen Wände entlang der Strasse zwischen dem Flughafen und einer UN-Basis geschmiert. Nicht nur Graffiti-Sprüher, sondern auch Ministerpräsident Jean-Max Bellerive und andere hochrangige Politiker sind unzufrieden mit den Hilfsorganisationen. «Zu viele Leute sammeln Geld ohne jegliche Kontrolle, und dann sagen sie nicht, was sie damit vorhaben», sagte Bellerive der Nachrichtenagentur AP.
Es gibt gleich mehrere Probleme: Die verschiedenen Gruppen sprechen sich nicht ab, und viele Organisationen haben sich auf bekanntere Stadtviertel gestürzt, während sich um andere niemand kümmert. Ausserdem neigen die ausländischen Regierungen dazu, Helfer aus dem eigenen Land zu unterstützen. Die US-Behörde für Entwicklungshilfe USAID gab allein 117 Millionen Euro für das eigene Verteidigungsministerium, andere Behörden und zwei US-Rettungsstaffeln aus. In mindestens zwei Fällen stellten die Entwicklungshelfer auch Rechnungen an das eigene Haus aus.
Haitianer misstrauen ihrer Regierung
Von einem gespendeten Euro geht nur ein Cent an die Regierung von Haiti. Direkt nach dem Erdbeben hatten es die Haitianer auch nicht anders gewollt - zu tief sass das Misstrauen gegen die eigenen Politiker. Doch ohne Vertrauen kann die Führung des Karibikstaates nie beweisen, dass sie selbstständig etwas auf die Beine stellen kann. «Es ist wie mit einem Kind: Wenn man glaubt, dass es nie erwachsen werden wird, dann wird es auch nie erwachsen», sagt ein Beamter des französischen Aussenministeriums.
Etwa 900 ausländische und mehrere tausend haitianische Nicht-Regierungs-Organisationen übernehmen zu viele Aufgaben und arbeiten zu unstrukturiert, wie UN-Sprecher Edmond Mulet kritisiert. «Sie machen kleine Dinge mit kleiner Wirkung.»
Hilfe besonders schwierig
Angesichts der massiven Kritik werden manche Aufbauhelfer nicht müde, sich zu verteidigen: «Die Situation in Haiti ist die komplexeste, mit der wir je zu tun hatten», sagt Catherine Bragg, die die UN-Nothilfe koordiniert. Das liegt nicht nur am Ausmass des Schadens, sondern auch an den wackeligen politischen Verhältnissen: Drei Ministerpräsidenten gab es in zwei Jahren. Die Behörden waren schon 2008 mit den Folgen des Wirbelsturmes und Unruhen überfordert; bei dem Beben wurden dann fast alle wichtigen Regierungsgebäude zerstört, viele Beamte kamen um.
Emmanuel Beauzile und Mary Leon, die sich inmitten der Trümmer unter einer blauen Plastikplane vermählten, haben sich vom wachsenden Unmut bisher nicht anstecken lassen. Zwar ist der Laden zerstört, in dem sie vor dem Beben arbeitete, und auch ihr Mann hat Probleme, ausreichend Beschäftigung zu finden. Im Mai erwartet sie ein Kind. Die Pläne der beiden sind vorerst bescheiden. Beauzile will schauen, ob er ein Zelt nur für sie allein besorgen kann. «Ich will eigentlich nur, dass alles wieder normal wird.» (sam/ddp)
Erstellt: 10.03.2010, 11:05 Uhr















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