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Fünf Untergangsszenarien für Obama
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 26.09.2012 53 Kommentare
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Die Nachrufe sind bereits verfasst, die Messer für die innerparteiliche Abrechnung gezückt: Mitt Romney, so der Tenor des amerikanischen Kommentariats, wird wahrscheinlich die Präsidentschaftswahl Anfang November verlieren – ein Betrübnis für die Republikaner, die doch fest damit gerechnet hatten, ihr Mann werde vor dem Hintergrund von kränkelnder Wirtschaft und hoher Arbeitslosenrate mit Barack Obama den Boden aufwischen und sich Ende Januar im Weissen Haus heimisch machen.
Es ist in der Tat erstaunlich, dass sich Romney auf der Verliererstrasse befindet, denn kein amerikanischer Präsident mit einer ähnlich hohen Arbeitslosenrate wie der derzeitigen ist jemals wiedergewählt worden. Romney mag mithin der falsche Mann zur richtigen Zeit sein, doch ihn abzuschreiben, birgt gleichfalls Gefahren: Sechs Wochen sind es bis zum Urnengang, noch immer könnte der Ex-Gouverneur die Wende schaffen und am Ende siegen. Neueste Umfragen bescheinigen ihm keineswegs erfreuliche Werte in wichtigen Swing States wie Ohio, Florida und Virginia. Mehrere Dinge aber könnten geschehen, die Romney am Amtsinhaber vorbeikatapultierten.
1. Obama unterläuft ein Mega-Schnitzer bei den drei Debatten der Kandidaten, die in der kommenden Woche beginnen. Ein Aussetzer wie beispielsweise der von Jerry Ford, der 1976 bei der Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer Jimmy Carter mitten im Kalten Krieg behauptete, Polen werde nicht von der Sowjetunion dominiert – worauf die kollektive amerikanische Kinnlade nach unten klappte und sich die Frage erhob, welche anderen mentalen Schwachstellen der republikanische Präsident und ehemalige Nixon-Vize habe. Obama ist zwar geübt in Debatten und verfügt über einen formidablen Intellekt, doch bedarf es nur einer einzigen Unachtsamkeit, um das Misstrauen der Wählerschaft zu erregen.
2. Eine wuchtige Enthüllung stellt das Weisse Haus bloss, die Obama-Administration verhaspelt sich bei der nachfolgenden Schadensbegrenzung. Dagegen spricht zwar, dass Obamas Regierung bislang kaum anfällig für Skandale gewesen ist und der Chef keinerlei Interesse an Geld oder Frauen – ausser an seiner eigenen – gezeigt hat. Andererseits gilt auch für Obama, was Harry Truman einst zur Maxime seiner Präsidentschaft erhoben hatte: «The buck stops here.» Im übertragenen Sinn übersetzt: Der Präsident trägt letztlich allein die Verantwortung für Taten wie Missetaten seiner Untergebenen.
3. Die amerikanische Wirtschaft sackt ab wie ein Jumbo in einem Luftloch. Das Wachstum fällt in den Keller, die Arbeitslosenrate steigt sowohl im September als auch im Oktober. Andere Indikatoren verheissen gleichfalls nichts Gutes, worauf sich ein Teil der Wählerschaft plötzlich daran erinnert, dass Mitt Romney mehr als nur ein reicher Geschäftsmann ist, dessen Autos in einer Garage mit einem Aufzug parkiert werden und der Geld in die Schweiz und sonst wohin schaffte. Aus Angst, auf die grosse Rezession folge die nächste, werfen die Amerikaner einen zweiten Blick auf Romney – und entschliessen sich, ihn mit der Lenkung des Landes zu beauftragen.
4. Obama implodiert. Beim TV-Interview am Sonntag bei CBS sah der US-Präsident erbärmlich müde, ja erschöpft aus. Ihm unterlaufen in der Endphase des Wahlkampfs schwere Fehler (siehe Punkt 1). Auch gibt es innerhalb seines Wahlkampf-Teams in Chicago Unstimmigkeiten, die zu politischen Fehleinschätzungen führen, wie sie 2004 etwa dem Stab des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry unterliefen: Man unterschätzte die Gefahr der Attacken auf Kerrys Vietnam-Heldenstatus und reagierte zu spät und zu lasch. Es gelingt Romney endlich, profunde Zweifel an der Tauglichkeit des Amtsinhabers zu wecken, worauf sich vor allem parteilose Wähler von Obama absetzen – und ihm eine Niederlage bescheren.
5. Die Wähler lassen den Präsidenten im entscheidenden Moment hängen. Trotz aller ausgefuchsten statistischen Modelle und trotz einer vorbildlichen Mobilisierung bleibt ein Teil der demokratischen Stammwählerschaft, allen voran enttäuschte Jungwähler, am Wahltag zu Hause und schaut lieber fern. Überhaupt bleibt die Wahlbeteiligung insgesamt hinter den Erwartungen des Obama-Teams zurück, sei es, weil sich republikanische Bemühungen zur Absenkung der Wahlbeteiligung von Minderheiten auszahlen, sei es, weil schlechtes Wetter oder schlicht mangelnder Enthusiasmus die Wahlbeteiligung drücken. Ein paar Prozentpunkte weniger Latinos für Obama, ein paar Prozentpunkte weniger Jungwähler, weniger Afroamerikaner: Schon droht dem Präsidenten der politische Untergang. Bereits um 17 Uhr Ostküstenzeit müsste Chefstratege David Axelrod basierend auf den Hochrechnungen zur Wahlbeteiligung dem Präsidenten melden, dass er bald in den Ruhestand versetzt werde. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.09.2012, 18:34 Uhr
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53 Kommentare
Obama ist glaubwürdig, er macht einen ehrlicheren Eindruck und hat sich bewährt. Mit ihm kauft man keine Katze im Sack. Man weiss, woran man ist. Das Aufräumen in der Finanzbranche wird er durchziehen; ja intensivieren. Der Mittelstand soll endlich auch in der Mitte landen können. Obama wird die historische Gelegenheit packen, die obertsen 100'000 steuerlich in Zügeln zu halten. Go for it, Obama! Antworten
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