Ausland

Für Robert Gates ist Europa zu friedlich

Europa steht nach Ansicht von US-Verteidigungsminister Robert Gates militärischen Einsätzen zu ablehnend gegenüber. Damit würde Frieden und Stabilität gefährdet.

Keine Schwäche zeigen: US-Verteidigungsminister Robert Gates besuchte im Dezember 2009 Soldaten in Kirkuk, Irak.

Keine Schwäche zeigen: US-Verteidigungsminister Robert Gates besuchte im Dezember 2009 Soldaten in Kirkuk, Irak.
Bild: Keystone

In Europa seien «grosse Teile der Öffentlichkeit und der politischen Klasse militärischer Gewalt und den damit verbundenen Risiken gegenüber abgeneigt», sagte Gates gestern in einer Rede an der National Defence University, einer Hochschule des Pentagon.

Er sprach von einer «Entmilitarisierung» Europas, die sich «von einem Segen im 20. Jahrhundert zu einem Hindernis für echte Sicherheit und dauerhaften Frieden im 21. Jahrhundert» gewandelt habe. Gates warnte, eine empfundene Schwäche Europas könnte feindliche Kräfte «zu Fehlkalkulationen und Aggression» verleiten.

Nato mit systematischen Problemen

Mit Blick auf die Nato sagte der Pentagonchef, die Allianz stehe vor «sehr ernsthaften, langfristigen, systematischen Problemen». Dass es das Bündnis nicht schaffe, benötigte Helikopter und Frachtflugzeuge für den Krieg in Afghanistan zu finanzieren, habe «direkte Auswirkungen auf die Operationen dort».

In den Niederlanden war am Wochenende die christlich-soziale Koalition um den weiteren Militäreinsatz in Afghanistan zerbrochen.

Vizeministerpräsident Wouter Bos und die anderen Regierungsmitglieder der Partei der Arbeit hatten den christdemokratischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende ultimativ aufgefordert, eine Bitte der NATO um Verlängerung des Einsatzes niederländischer Truppen in der südafghanischen Provinz Urusgan zurückzuweisen.

Balkenende hatte ungeachtet der Vereinbarung aus dem Jahr 2007 für eine Verlängerung plädiert und dies unter anderem mit der neuen Afghanistan-Politik von US-Präsident Barack Obama begründet. (bru/sda/)

Erstellt: 24.02.2010, 09:59 Uhr

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8 Kommentare

Jens Poschet

25.02.2010, 16:26 Uhr
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Walter Kunz, wie steht es mit der selbstverteidigung. vieleicht sollte man auch die lehre von WWII davon ziehen, dass es ein gleichgewicht geben muss. der krieg im balkan wurde von den USA zuende gebracht, da europa einmal mehr sich auf scharfe worte ohne substanz verliess. es war beschaehmend wie europa gemuethlich zusah wie der genozid sich im balkan ausbreitete, direkt vor der haustuere. Antworten


Georg Klein

25.02.2010, 10:36 Uhr
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@G.Nikolov: Auch wenn Sie Recht haben: man hat das Blutvergiessen von ca. 100 Toten pro Tag auf nahezu Null zurückgedrängt. Es gibt Konflikte in der Welt, die von der einen Seite in Gang gesetzt werden und sie dauern dann beliebig lange an. Es braucht nur genug tiefe Wunden, die nie oder erst in 100 Jahren heilen. So ist es auch auf dem Balkan, ohne NATO-Präsenz ginge es dort wieder los. Antworten


Walter Kunz

24.02.2010, 20:31 Uhr
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Aus den zwei zurückliegenden verlustreichen Weltkriegen sollten eigentlich alle Europäer eine unvergessliche Lehre gezogen haben und sie darum von weiteren ähnlichen Experimenten abhalten. Möchten die USA mit Herrn Robert Gates weiterhin Krieg für den Frieden führen soll das gefälligst ihre Sache sein. Antworten


Goran Nikolov

24.02.2010, 12:43 Uhr
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Jugoslawien / Kosovo ..und darf man fragen was die USA /EU erreicht haben auf dem Balkan ? Bosnien : Muslimische Extemisten flugzeugweise eingeflogen mit Waffen (trotz Embargo !) die sie nun nicht mehr "ausbürgern" können, sich die grösste Militärbasis auf dem Kosovo gesichert aber kein einziges Problem gelöst ! (rückkehr der Vertriebenen von nicht möglich bis kein Interesse!). Antworten


hans maag

24.02.2010, 12:35 Uhr
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Den runden Buckel machen wenns brennt, die Amerikaner die Probleme lösen lassen und dann über sie herziehen, das ist Europa. Antworten


Tom Würgler

24.02.2010, 10:27 Uhr
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@ Georg Klein: habe auch gleich an Ex-Jugoslawien denken müssen. Da hat Europa einfach zugeschaut. Die Amerikaner sind häufig zu forsch, die Europäer im süssen Winterschlaf. Wer interveniert, kann Fehler machen, wer bei Greueltaten nur zuschaut, macht nur Fehler. Antworten


Georg Klein

24.02.2010, 09:13 Uhr
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@O.Osswald: Europa hätte es am Beispiel Jugoslawien zeigen können, wie man es richtig macht. Doch weder diplomatisch noch militärisch waren wir in der Lage die Greuel in Bosnien und im Kosovo zu beenden, nach 300'000 Toten haben wir die Amerikaner geholt. Antworten


Oliver Osswald

24.02.2010, 07:17 Uhr
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Ich hoffe Herr Gates hat tatsächlich Recht mit der Aussage, dass in Europa grosse Teile der Öffentlichkeit sich militärischer Gewalt gegenüber abgeneigt zeigen. Die Interventionen in Afghanistan und Irak, die Foltergefängnisse in Guantanamo und anderswo, haben unsere Welt polarisiert und unsicher gemacht. Frieden entsteht indem man Frieden gibt und nicht durch Gewalt. Gates' Logik ist von gestern. Antworten



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