Ausland

Höhere Löhne: Die Banker von CS und UBS dürfen sich freuen

Von Andreas Flütsch. Aktualisiert am 15.10.2009

Der New Yorker Finanzplatz erwartet Rekordboni. Dies zieht das Lohngefüge nach oben, vor allem bei Spezialisten der Schweizer Banken.

Als wäre die Krise nie gewesen: An der Wallstreet in New York schiessen die Löhne in die Höhe.

Als wäre die Krise nie gewesen: An der Wallstreet in New York schiessen die Löhne in die Höhe.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

US-Banken zahlen 10 Milliarden Dollar mehr Lohn

Sogar die Spitzenbezüge des Rekordjahrs 2007 werden dieses Jahr laut «Wall Street Journal» übertroffen. Die Gehälter der 23 grössten US-Finanzinstitute dürften dieses Jahr 140 Milliarden Dollar ausmachen. Diese Prognose wagt das «Wall Street Journal» nach eigenen Berechnungen. Das sind 10 Milliarden Dollar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007 und 20 Milliarden Dollar mehr als 2008, als die Immobilienkrise den Bankensektor schüttelte.

Die Angestellten der Top-Banken nehmen 2009 im Schnitt 143 400 Dollar mit nach Hause, fast 2000 Dollar mehr als 2007. Die führende Investmentbank Goldman Sachs dürfte ihren Bankern dieses Jahr 22 Milliarden Dollar zahlen, mehr als im Rekordjahr 2007. Selbst kriselnde Firmen wie Morgan Stanley schütten 50 bis 70 Prozent der Einnahmen an Banker aus, um sie zu halten. Einen Dämpfer gibt es höchstens, wenn die Börsen stark einbrechen und die Gewinne im vierten Quartal schmälern.

Obwohl die Wirtschaft stagniert und die US-Arbeitslosenquote 10 Prozent anpeilt, profitieren Finanzkonzerne von der robusten Börse, vom sehr lebhaften Markt für Firmenanleihen und vom anziehenden Geschäft mit Fusionen und Firmenkäufen. Über all den neuen Lohnexzessen geht vergessen, dass staatliche Hilfsprogramme aus Steuergeldern den Banken so rasch auf die Beine geholfen haben.

Das «Wall Street Journal» berichtete, neun Ex-Manager der 2008 pleitegegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers forderten von ihrem ehemaligem Arbeitgeber mehr als 100 Millionen Dollar. Diese Riesensumme stehe ihnen nach ihren Verträgen zu.Im Frühjahr hatten millionenschwere Bonuszahlungen an Manager des Versicherungskonzerns AIG, den die US-Regierung mit Steuergeldern vor dem Kollaps bewahren musste, einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.


In der Industrie und anderen krisengeschüttelten Branchen steigen die Löhne, wenn überhaupt, nur minimal. Viel Bonus für 2008 können wohl nur die wenigsten erwarten. Auf mehr Lohn und Bonus dürfen sich viele Banker freuen, speziell bei Credit Suisse und UBS, aber auch bei international tätigen Privatbanken. Der Grund dafür ist, dass die Löhne an der Wallstreet scharf anziehen. Das «Wall Street Journal» rechnet, dass Banker und Broker 2009 rund 140 Milliarden Dollar kassieren, mehr als im Rekordjahr 2007.

Greift der Boni-Boom in Amerika auf im Ausland agierende Schweizer Banken über? «Es ist abzusehen, dass die Gesamtentschädigung für 2009 wieder deutlich höher sein wird als im letzten Jahr», sagt Philipp Hallauer, KPMG-Partner und spezialisiert auf Vergütungssysteme und Managementlöhne. Er gehe aber nicht davon aus, dass die Schweizer Banken die Rekordlöhne von 2007 übertreffen werden, selbst wenn die gute Gewinnentwicklung anhalte. Zumal sich die Schweizer Banken als Reaktion auf die Finanzkrise mit einer längerfristig ausgerichteten Entschädigungspolitik werden befassen müssen.

Dass die Lohnpakete vieler Banker auch hierzulande schon wieder viel umfangreicher werden, hängt mit der Konkurrenzsituation zusammen. «Die Grossbanken stehen punkto Löhne und Boni im Wettbewerb mit führenden Finanzzentren», sagt Hallauer: «Es ist eine Illusion, zu glauben, sie könnten sich dem Sog von New York entziehen.»

Grosser Anpassungsdruck

Die Sogwirkung ausländischer Finanzzentren sei gross, sagt Robert Kuipers, auf Entlöhnungssysteme spezialisierter Partner der Beraterfirma PricewaterhouseCoopers (PWC): «Speziell die Schweizer Grossbanken, aber auch im Ausland tätige Privatbanken stehen unter hohem Anpassungsdruck.» Es bestehe die Gefahr, «dass die Krise rasch in Vergessenheit gerät und wieder falsche Anreize gesetzt werden», sagt Hallauer.

Dies bedeutet indes nicht, dass Schalterbeamte oder Sachbearbeiter mit mehr Lohn rechnen können. Am stärksten profitieren dürften Spezialisten und Manager in Abteilungen, die selbst in der Krisenbank UBS gute Gewinne schreiben. Anfang August hatte UBS-Chef Oswald Grübel noch betont, die Grossbank werde die neuen Lohnexzesse in USA nicht mitmachen. Seit ganze Teams zur Konkurrenz abwandern, zahlt auch die UBS, was der Markt fordert, um Gewinnträger und Spezialisten zu halten. Top-Gehälter muss sie auch zahlen, um Leute für ihr seit der Subprime-Krise angeschlagenes Obligationengeschäft anzuwerben. Und Private Banker in Boom-Regionen wie Asien wollen bei Laune gehalten werden. In der Credit Suisse, die 2009 sehr gut geschäftet hat, wächst der Druck auf noch viel breiterer Front.

Eine einschneidende Veränderung gebe es aber, betont PWC-Partner Kuipers: «Der variable Teil der Entschädigung, wie etwa Bonus oder Aktienbeteiligungen, ist in Zukunft eng mit dem nachhaltigen Erfolg des Unternehmens verknüpft.» Es werde weniger Bonus direkt ausbezahlt, und der gesperrte Teil könne in den darauffolgenden Jahren auch verloren gehen, wenn die Bank, der Banker oder seine Abteilung die vereinbarten Ziele nicht erreiche. Immerhin habe die Finma hier «mit ihren Vorschlägen für eine nachhaltige Bonusregelung die richtigen Weichen gestellt», hält KPMG-Entlöhnungsspezialist Hallauer fest. Die Sache hat indes einen Haken: Die neuen Regeln der Finma für die Boni gelten erst ab dem Geschäftsjahr 2011. Bis dahin können die Banken mit Boni verfahren, wie sie wollen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.10.2009, 12:56 Uhr

Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!