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In Peru droht autoritärer Populismus
Von Sandro Benini. Aktualisiert am 12.04.2011 13 Kommentare
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Wie erwartet hat am Sonntag bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen kein Kandidat das absolute Mehr erreicht. Anfang Juni kommt es deshalb zu einem Stichentscheid zwischen den beiden Erstplatzierten. Dabei werden sich der linke Anwärter Ollanta Humala und Keiko Fujimori gegenüberstehen, die älteste Tochter des Ex-Präsidenten Alberto Fujimori. Nach Auszählung von 83 Prozent der Stimmen kam Humala auf einen Wähleranteil von 31 Prozent, während Fujimori 23 Prozent erreichte. Der rechtsliberale Banker und ehemalige Minister Pedro Pablo Kuczynski erzielte knapp 20 Prozent. Auf den Ex-Präsidenten Alejandro Toledo, zu Beginn des Wahlkampfs noch klarer Favorit, fielen 15 Prozent. Es kann bis zu einer Woche dauern, ehe die Stimmen aus entlegenen Gebieten vollständig ausgezählt sind. Da Keiko Fujimori bei der ländlichen Bevölkerung beliebter ist als Kuczynski, dürfte sich ihr Vorsprung vergrössern, je mehr Urnen fernab der urbanen Zentren erfasst werden. Die rund 19 Millionen Wahlberechtigten hatten auch das 130-köpfige Parlament neu zu bestellen.
Fragwürdige Figur
Ausgerechnet im lateinamerikanischen Land mit den wirtschaftlich besten Wachstumsraten wird also während der nächsten fünf Jahre eine zutiefst fragwürdige Figur regieren. Keiko Fujimori verdankt den Erfolg in erster Linie ihrem Nachnamen. Die Wähler der 35-jährigen Abgeordneten trauern ihrem Vater Alberto Fujimori nach, der während seiner Regierungszeit zwischen 1990 und 2000 die Terrororganisation Sendero Luminoso bezwang und teilweise die ökonomischen Voraussetzungen für den gegenwärtigen Aufschwung schuf. Dass er dabei Menschenrechte verletzte, das Parlament durch einen Putsch entmachtete, in einem wahren Korruptionssumpf versank und heute im Gefängnis sitzt – all dies ist den Fujimori-Nostalgikern ebenso egal wie ihrer Kandidatin. Nachdem sich Alberto Fujimori von seiner Ehefrau hatte scheiden lassen, spielte die damals 19-jährige Keiko eine Zeit lang die Rolle der First Lady. 2006 wurde sie mit dem landesweit besten Resultat in den Kongress gewählt, wo sie eher durch häufige Abwesenheit als durch brillante Vorstösse auffiel. Ihr politischer Leistungsausweis ist dürftig, und ihre Gegner befürchten nicht zu Unrecht, dass sie im Falle eines Wahlsieges unter dem Einfluss des zu 25 Jahren Haft verurteilten Ex-Diktators regieren würde.
Ehrgeiz statt Landeswohl
Alles andere als vertrauenerweckend ist auch der einstige Offizier Ollanta Humala. In jungen Jahren hing er dem von seinem Vater begründeten Ethnocacerismus an. Die Blut- und Bodenideologie will das Inkareich wieder auferstehen lassen, wobei dort einzig eine «kupferfarbene Rasse» aus Eingeborenen und Mestizen leben soll – Weisse und Asiaten hingegen würden vertrieben. Mehreren Zeugen zufolge hat sich Humala während seiner Militärzeit an Folter beteiligt, die Untersuchungen wurden jedoch mangels Beweisen eingestellt. Als er 2006 erstmals für die Präsidentschaft kandidierte, war er noch ein überzeugter Zögling des venezolanischen Linkspopulisten Hugo Chávez. Diesmal gibt er sich deutlich moderater: Er verspricht, nicht den «Sozialismus des 21. Jahrhunderts», sondern lediglich eine gerechtere Verteilung des Reichtums anzustreben. Abzuwarten bleibt, ob er sich nach einem allfälligen Sieg auch daran hält.
Dass Peru autoritärer Populismus droht, hat sich das gemässigt-liberaldemokratische Lager selber zuzuschreiben. Statt sich auf einen zugkräftigen Kandidaten zu einigen, spaltete es sich in Kuczynski- und Toledo-Anhänger. Den beiden Politikern, die sich persönlich nicht ausstehen können, war Ehrgeiz wichtiger als das viel beschworene Landeswohl. Vor allem aber hat das Establishment viel zu wenig getan, um auch die Unterschicht am Wirtschaftsboom zu beteiligen und die öffentlichen Institutionen zu stärken. Obwohl die Armut zwischen 2004 und 2009 von 49 auf 34 Prozent gesunken ist, lebt die bäuerliche Bevölkerung des Hochlandes und der Amazonasgebiete noch immer zu 60 Prozent unter katastrophalen Bedingungen. «Während der letzten fünf Jahre hätte man das Volk davon überzeugen können, dass Wachstum allen etwas zu bieten hat. Zu substanziellen Veränderungen kam es aber nicht», sagt der Politologe Eduardo Dargent.
Das kleinere Übel
Die allgegenwärtige Korruption und die hohe Kriminalität schüren zusätzlich Unmut. Nur gerade 14 Prozent der peruanischen Bevölkerung sind mit Parlament, Parteien und Justiz zufrieden – weniger als irgendwo sonst in Südamerika. Der Zweikampf zwischen Fujimori und Humala wird das Land zweifellos polarisieren, wobei die Befürworter des bisherigen Modells vor der quälenden Frage stehen, welches der beiden zur Auswahl stehenden Übel wohl das kleinere sei. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.04.2011, 23:44 Uhr
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Die Peruaner freuen sich sicher schon auf den kommenden Bolivarismus. Ach ja, Bolivarismus: Ideologie aus Kuba, Erdöl aus Venezuela, Druckvorlagen für Propagandaplakate aus Nordkorea und wärmste brüderliche Durchhalteparolen aus dem Iran. Willkommen in der schönen neuen Welt...und immer schön die USA hassen! Antworten

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