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Jihad-Jane und ihre unheimlichen Schwestern

Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 17.03.2010 1 Kommentar

Seit der Verhaftung von Jihad-Jane und Jihad-Jamie wächst in Amerika die Furcht vor einem neuen Terroristen-Typus: frustrierte Hausfrauen, radikalisiert im Netz.

Vergangene Woche gab das US-Justizministerium bekannt, die amerikanische Hausfrau Colleen LaRose habe im Internet ein Mordkomplott gegen einen schwedischen Mohamed-Karikaturisten geschmiedet. Seither geht ein neues Gespenst in Amerika um. Es ist blond, hat blaue Augen, lebt in den Suburbs und hat sich dem Jihad verschrieben.

Die Angst kristallisiert sich am Fall LaRose. Gegen aussen führte sie ein ganz normales westliches Leben. Im Internet aber nannte sie sich wahlweise «Jihad-Jane», «Fatima LaRose» oder «Sister of Terror» und warb Männer für Terroranschläge in Europa und Südasien an. Vergangenen Herbst reiste sie nach Irland und traf sich mit Mitgliedern einer terroristischen Zelle, um die Ermordung des Karikaturisten zu planen. So wenig La Rose ins landläufige Bild des finsteren Terroristen passt, so war sie sich doch bewusst, dass ihr dies einen entscheidenden Vorteil verschaffte. Und deshalb habe sie auch gezielt nach potenziellen Komplizinnen mit ähnlichen Erscheinungsmerkmalen gesucht, so gaben die ermittelnden Behörden zu Protokoll.

Alkohol und Antidepressiva

Bislang ist nicht klar, ob LaRose auch Jamie Paulin-Ramirez angeworben hat, die im Rahmen der Ermittlungen gegen sie verhaftet wurde. Gemeinsam ist den beiden Frauen, dass sie äusserlich völlig unverdächtig wirken: blond, blauäugig, wohnhaft in einer Vorortgemeinde der amerikanischen Provinz. Beide hatten gescheiterte Ehen hinter sich, konsumierten Alkohol und Antidepressiva und fanden dann eine bessere Kur gegen die Frustration: den Islam. Sie wolle, liess LaRose in einer Youtube-Nachricht im Jahr 2008 verlauten, der leidenden muslimischen Bevölkerung helfen. Und sie versuchte das, indem sie sich für den Jihad gewinnen liess.

Ähnlich liegt der Fall von Jamie Paulin-Ramirez. Als Kind wurde sie ausgelacht, von ihrem ersten Ehemann verprügelt, vom zweiten, einem mexikanischen Immigranten, verlassen. Vergangenes Frühjahr verkündete die 31-Jährige, sie sei zum Islam konvertiert. Sie gab ihrem Sohn einen islamischen Namen und war auf vielen Online-Communitys aktiv, wo sich ihre zunehmende Radikalisierung heute nachverfolgen lässt, wie amerikanische Zeitungen berichten. Im September verliess sie ihre Familie Knall auf Fall, um einen Algerier zu heiraten, den sie im Internet getroffen hatte. Mit ihm zog sie nach Irland. Dort soll sie sich am Mordkomplott gegen den dänischen Karikaturisten beteiligt haben. Die terroristische Zelle, zu der besagter neuer Ehemann gehörte, flog auf. Und während die Männer in Haft bleiben, wurde Paulin-Ramirez vergangenes Wochenende aus der Untersuchungshaft entlassen, bis die Anschuldigungen gegen sie erhärtet sind.

Neuer Terroristen-Typus

Verzweifelte Hausfrauen wie Paulin-Ramirez oder LaRose gibt es viele – und obschon die beiden ein Ausnahmephänomen sein dürften, sind insbesondere die amerikanischen Behörden alarmiert. Richard Clarke von ABC News sagte: «Diese Fälle zeigen, wie das Internet solchen verzweifelten Frauen nicht nur ermöglicht, untereinander zu kommunizieren, sondern auch, sich gegenseitig zu rekrutieren.» Oder wie es der Professor Bruce Hoffmann von der Georgetown University ausdrückt: «Wir möchten gerne glauben, dass Terroristen einfach zu erkennen sind, aber das ist heute keineswegs mehr so. In Wahrheit gibt es längst nicht mehr ein eindeutiges Profil des Typus Terrorist.»

Die Netzcommunity sieht es etwas nüchterner. Pamela Geller schreibt auf ihrem Blog: «So wie die Medien und die US-Regierung uns diese neuen Jihad-Hausfrauen als neue fundamentale Bedrohung verkaufen, kann es nicht lange gehen, bis es darauf eine neue Reality-Show gibt.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.03.2010, 16:33 Uhr

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1 Kommentar

rainer raschle

17.03.2010, 16:04 Uhr
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Was braucht es für Extremismus und Terrorismus? Zwei Dinge: 1. ein gescheitertes Individuum (egal, ob selbst- oder fremdverschuldet). 2. eine totalitäre Ideologie, welche dieses Individuum radikalisiert und Gewalt legitimert. Fehlt eines dieser zwei Dinge, so ist die Gefahr von Extremismus und Terrorismus vernachlässigbar. Antworten



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