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Joe Biden soll es richten

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 11.10.2012 22 Kommentare

US-Vizepräsidentschaftsdebatten sind gemeinhin nicht sonderlich wichtig. Nach der Pleite Barack Obamas in Denver aber hat die Debatte zwischen Joe Biden und seinem Rivalen Paul Ryan grosse Bedeutung.

Der Einsatz ist hoch: Der rüstige Vizepräsident Joe Biden und der erzkonservative Jungstar Paul Ryan. (Archivbilder AFP)

Der Einsatz ist hoch: Der rüstige Vizepräsident Joe Biden und der erzkonservative Jungstar Paul Ryan. (Archivbilder AFP)

Mit baz.ch/Newsnet live dabei

Die Biden-Ryan-Debatte findet in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag statt und soll eineinhalb Stunden dauern. Wir berichten am Freitag ab 3 Uhr im Live-Ticker. Danach folgen weitere Berichte und Einschätzungen.

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Besonders ernst wurden sie bisher nicht unbedingt genommen, die obligatorischen Debatten der beiden Anwärter für das Amt des amerikanischen Vizepräsidenten. Zumeist stöhnten die Amtsträger über ihre politische Bedeutungslosigkeit neben dem fast allmächtigen Präsidenten, und Franklin Roosevelts Vize John «Cactus Jack» Garner motzte gar, sein Amt sei nicht einmal einen «Eimer warmer Spucke» wert.

Wenn Barack Obamas Stellvertreter Joe Biden heute Abend in Danville im Staat Kentucky dem republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan bei der einzigen Debatte der beiden Rivalen gegenübersteht, geht es freilich um mehr als sonst: Ryans Boss Mitt Romney profitiert laut einer Serie von neuen Erhebungen von seiner Performance bei der ersten Präsidentschaftsdebatte in Denver in der vergangenen Woche, derweil Barack Obama nach seinem saft- und kraftlosen Auftritt in Denver zurückgefallen ist.

Biden muss das Comeback einleiten

Obamas Berater hoffen nun, Biden werde den Erfolg Romneys im Hinterland Kentuckys bremsen und das politische Comeback des Präsidenten einleiten. Ryan wiederum muss versuchen, die günstigen Winde zu nutzen und dem republikanischen Duo noch mehr Auftrieb zu verschaffen.

Unterschiedlicher könnten die beiden Kontrahenten kaum sein: Joe Biden feiert bald seinen 70. Geburtstag, ein politisches Schlachtross mit einer langen und illustren Karriere in Washington ist der Obama-Vize. Der ehemalige Senator aus dem Mini-Staat Delaware wuchs auf im US-Amerika des John F. Kennedy und bewarb sich zwei Mal, 1988 und 2008, erfolglos um die demokratische Präsidentschaftskandidatur.

Drei Jahrzehnte liegen dazwischen

Biden kommt aus einer bescheidenen Umgebung, Volksnähe und schulterklopfende Kumpelhaftigkeit zählen ebenso zu seinen Markenzeichen wie ein gefährlicher Hang, sich im Dschungel der Sprache zu verheddern. Dann sagt Biden beispielsweise, er habe «acht Präsidenten persönlich gekannt, drei davon ganz intim». Oder er sagt: «Meine Mutter und mein Vater glaubten, dass ich, falls ich Präsident werden wolle, Vizepräsident sein könnte».

Ist Biden der wohl letzte US-Kandidat für ein hohes Amt, der vor den Baby-Boomern geboren wurde, so gehört der Kongressabgeordnete und Romney-Vize Paul Ryan als erster Kandidat für allerhöchste politische Weihen einer neuen, nach den Boomern geborenen Generation an. Nahezu drei Jahrzehnte trennen Biden vom 42-jährigen Ryan, der in der staatskritischen Ära Reagan aufwuchs, während Biden von den staatsbejahenden fünfziger und sechziger Jahren geprägt wurde.

Den Finger auf Ryans Widersprüche halten

Ryan gilt als eine der intellektuellen Lichtgestalten der Republikanischen Partei und sitzt dem Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses vor. Seine Entwürfe zur Sanierung der amerikanischen Staatsverschuldung sowie seine Reformpläne für die Sozialwerke aber stiessen auf teils heftige Kritik: Ryans Zahlen stimmten nicht, wichtige Antworten blieb er bislang schuldig. Nie zuvor stand der Romney-Vize vor einem derart grossen TV-Publikum, auch muss er sich hüten, in einen Insider-Jargon zu verfallen.

Im Gegensatz zum Präsidenten, der Romney vergangene Woche in Denver unerklärlicherweise allerlei Unwahrheiten und Ausflüchte durchgehen liess, muss Biden in Danville versuchen, die Widersprüche und Ungereimtheiten in Ryans Reformplänen aufzuzeigen und den Republikaner so in die Defensive zu drängen. Falls es ihm nicht gelingt und Ryan eine gute Figur macht, dürfte Mitt Romney seinem Ziel ein wenig näher gekommen sein. Dann hinge beinahe alles von Barack Obamas Debattierkünsten bei den verbleibenden zwei Präsidentschaftspalavern ab. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2012, 22:02 Uhr

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22 Kommentare

Alex Schneider

11.10.2012, 00:46 Uhr
Melden 18 Empfehlung 7

Ryan ist sehr leicht aus der Fassung zu bringen, man muss nur konkrete Antworten und Erklärungen von ihm verlangen, schon knickt er ein.
Dass dies in einem Debate-Format schwierig wird, in dem die Zeit für Antworten knapp bemessen ist, ist klar, aber Biden kann als VP derber auftreten als der amtierende Präsident – ein Vorteil mit Potential, ich drücke die Daumen!
Antworten


Karl Lässer

10.10.2012, 23:07 Uhr
Melden 14 Empfehlung 12

Es ist auch für uns von grösster Bedeutung, ob ein weiterer republikanischer Irrläufer amerikanischer Präsident werden kann. Die Entscheidung fällt in zwei - nüchtern betrachtet völlig irrelevanten - Fernsehdebatten. Ich finde das unerträglich. Antworten



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