Ausland
Krieger mit losem Mundwerk
Von Simone Rau, San Francisco. Aktualisiert am 24.07.2010 7 Kommentare
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Manche Kameraden nennen ihn den «Krieger-Mönch», andere einen «tollwütigen Hund». Beide Spitznamen scheinen nicht ganz unpassend zu sein für den 59-jährigen James N. Mattis: Der designierte Nachfolger von General David Petraeus als Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte ist ein ausgezeichneter Kämpfer, der in der Öffentlichkeit zuweilen vergisst, dass er nicht auf dem Schlachtfeld ist. Blitzgescheit, aber ein Raubein. Kantig, kratzbürstig, kriegsbewandert.
Dass er sich wenig um politische Korrektheit schert, machte der Hardliner bereits 2005 an einer Konferenz in San Diego deutlich: «In Afghanistan gerätst du an Männer, die ihre Frauen fünf Jahre lang verprügeln, weil sie keinen Schleier tragen», sagte er. «Solche Männer sind keine richtigen Männer mehr, also macht es unheimlich viel Spass, sie zu erschiessen.» Die Aussage brachte dem 4-Sterne-General einen Rüffel von seinen Vorgesetzten ein.
Grosses Zuständigkeitsgebiet
Geschadet haben die undiplomatischen Worte seiner Karriere nicht. «Er ist einer unserer hervorragendsten Führer im Kampf und ein strategischer Denker», lobte Verteidigungsminister Robert Gates den General, als er ihn zum Befehlshaber des Zentralkommandos machte. Bestätigt der Senat die Ernennung, ist Mattis künftig für den gesamten Nahen und Mittleren Osten zuständig. Der Fokus liegt klar auf den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Doch auch den Iran darf er nicht aus den Augen lassen.
Seine Intelligenz wird Mattis bei der neuen Aufgabe zweifellos benötigen. Der Druck, der auf dem Aristoteles-Liebhaber lastet, ist enorm. Er soll den Rückzug aus dem Irak koordinieren und endlich einen Erfolg in Afghanistan verbuchen. Mattis, der angeblich 6000 Bücher mit sich von Posten zu Posten schleppt, folgt im Zentralkommando auf seinen Freund David Petraeus. Der hat vor kurzem die Nachfolge des geschassten Stanley McChrystal als Oberbefehlshaber der amerikanischen und internationalen Truppen in Afghanistan übernommen.
Ähnlich unbedacht wie sein Vorgänger
Grund für McChrystals Entlassung waren abschätzige Kommentare über die US-Regierung. Umso erstaunlicher auf den ersten Blick, dass Obama das Zentralkommando nun einem Mann übergibt, der mit ebenso unbedachten Bemerkungen von sich reden gemacht hat. Nur: Mattis verfügt über eine immense Erfahrung. Dass er kürzlich bei der Besetzung des prestigeträchtigen Jobs des Chefs des Marine Corps übergangen wurde, mag bei der Ernennung mitgespielt haben.
Der 4-Sterne-General blickt auf eine jahrzehntelange Karriere in eben diesem Corps zurück. Unter anderem war er Bataillonskommandeur in Afghanistan und im Irak. Er gilt als einer der besten Kommandanten in der Krisenregion. «Benutze das Gehirn, bevor du die Waffe einsetzt», bläute er seinen Leuten 2003 ein, als sie nach Bagdad vorstiessen. Er ermahnte sie, sich gegenüber Zivilisten anständig zu verhalten und sich nicht unnötig Feinde zu machen. Ein Grundsatz, an den er sich selbst eisern hielt.
Aufopferung bis zum Letzten
Überhaupt beurteilen die Soldaten an der Front den neuen Chef des Zentralkommandos anders als viele Kritiker. Sie sehen jemanden, der sich für sie einsetzt, und koste es sein eigenes Leben. Statt auf einem Feldbett zu schlafen, während ein Adjutant darauf warte, ihm Kaffee zu kochen, verbringe der General die Nächte draussen bei seinen Leuten, erzählte ein Leutnant der «New York Times». Um anzufügen: «Er ist ein Krieger für die Krieger.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 24.07.2010, 11:06 Uhr
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7 Kommentare
Der Herr General scheint eindeutig zu den abgetakelten Grufties zu gehören. Wenn er 6000 Bücher mit sich schleppt, zeigt das nur, dass er von moderner Kriegsführung nichts versteht, sonst hätte er ein Kindle oder einen iPad… Auch er wird in Nahen Osten scheitern. Antworten











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