Ausland

Kriegsspiele in den USA

Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 20.10.2010 47 Kommentare

Seit Barack Obama US-Präsident ist, haben sich die Milizen vervierfacht. Die Mitglieder sind christlich, vorwiegend weiss und wild entschlossen, den «American Way of Life» zu verteidigen. Notfalls mit Waffengewalt.

1/5 «Gut bewaffnete Bürger sind die beste Form nationaler Sicherheit»: Die «Michigan Militia» beim Training.

   

«Bereitet Euch jetzt vor»: Michael Lackomar, Anführer der Southeast Michigan Volunteer Militia.

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Bürgerwehren hat es in der Geschichte der USA schon immer gegeben. Seit Barack Obama US-Präsident ist, hat sich ihre Anzahl jedoch vervierfacht. Und seit die rechte Tea-Party-Bewegung massiv Stimmung gegen Obamas Politik macht, haben die Verfechter der «patriotischen Bewegung» Aufwind. «Die Rekrutierung, die Planung, das Training und explizite Rufe nach einem bewaffneten Kampf nehmen ständig zu», sagte Barton Gellman Anfang Oktober. Der Reporter des Magazins «Time» hat sechs Monate lang im Miliz-Milieu der USA recherchiert. Sein Fazit: «Die Organisationen sind einem Blutvergiessen nicht abgeneigt.»

Die vorwiegend weissen christlichen Extremisten stossen sich daran, dass «ein schwarzer Mann mit einem fremden Namen und einem muslimischen Vater ins Weisse Haus gewählt wurde», so Gellmann. Vier vereitelte Anschläge zeugten davon, wie sehr die Extremisten Obama hassten.

Mögliche Brutstätte von Extremisten

«Die meisten Milizen greifen lediglich verbal an», sagte Brian Levin, Strafrechtsexperte an der California State University gegenüber Reuters. «Aber wir wissen nicht, welche Gruppen gutmütig bleiben und welche zu einer Brutstätte für Extremismus werden.» Levin spielte damit auf die Verhaftung von neun Mitgliedern der Hutaree-Milizen an, die einen Polizisten töten und an dessen Beerdigung einen Sprengsatz zünden wollten.

In den USA sind private Milizen gesetzlich erlaubt. Ihr rasches Wachstum fällt mit dem Höhenflug der Tea-Party-Bewegung im Hinblick auf die Kongresswahlen im November zusammen. Je nach Betrachter sind die Mitglieder der Milizen Patrioten oder Paranoide. Experten sind sich da laut Reuters uneins. In einem stimmen alle überein: Die Milizen sind allesamt sehr gut bewaffnet.

Bewaffnete Bürger als Front gegen das Böse

«Gut bewaffnete Bürger sind die beste Form nationaler Sicherheit», sagt Michael Lackomar, Anführer der Southeast Michigan Volunteer Militia, der grössten der gut 200 bewaffneten Gruppen zu allen Medien, die es hören wollen. «Bewaffnete Bürger sind die Front gegen Kriminalität, Invasion, Terrorismus und Tyrannei». Ob er mit letzterem die Obama-Administration meint, lässt Lackomar offen. In jeder Regierung könne es plötzlich Elemente geben, die die Verfassung gefährdeten. Dann müsse man als Bürger handeln.

Auf ihrer Website Michiganmilitia.com geben Lackomar und seine Gesinnungsgenossen gleich die Anleitung, wie eine Miliz zu gründen ist. Sie warnen auch: «Wir wissen nicht, ob Leute, die Euch kontaktieren werden, vom FBI, Interpol oder irgendwelche Medien-Trottel sind. Es interessiert uns nicht, ob die an Eure Meetings kommen und das sollte es Euch auch nicht». Schliesslich mache man ja nichts Illegales.

«Bereitet Euch jetzt vor»

Wenn man mal ein paar Mitglieder beisammen habe, solle man einen Platz fürs Schiesstraining finden. Schön wäre es, wenn ein Mitglied ein Stück Land zur Verfügung stellen könne. Regelmässig zu trainieren sei wichtig. Es brauche «Initiative, Hingabe, Geduld und die Fähigkeit, Enttäuschung und Spott zu ertragen». Am Ende werde die Sache es wert sein. «Wartet nicht bis zum nächsten Desaster oder Angriff. Bereitet Euch jetzt vor.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.10.2010, 16:16 Uhr

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47 Kommentare

Peter Lüthi

20.10.2010, 16:55 Uhr
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Und nicht vergessen, dass auch Organisationen wie der Ku Klux Klan oder die Arian Nation noch immer aktiv sind und massiv an Waffenarsenalen zugelegt haben. Siehe Doku-Film "Der Hass des KKK". Antworten


Tom Anliker

20.10.2010, 17:42 Uhr
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Tja, die Freiheit der amerikanischen Bürger hat uns Europäer schon immer ein bisschen überfordert. @Peter Lüthi KuKluxKlan und Co. machen in den USA gerade einmal 0.02 Prozent der Bevölkerung aus. Da hat sogar die PNOS in der Schweiz verhältnismässig mehr Sympathisanten. Geschweige denn NPD in Deutschland, FN in Frankreich oder Jobbik in Ungarn. Die meisten Rassisten hocken immer noch in Europa Antworten