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Kur mit der Abrissbirne

Zehntausende Häuser und Wohnungen stehen in der Motor-City Detroit leer. Bürgermeister Dave Bing will die Stadt gesundschrumpfen – mit einem äusserst radikalen Plan.

1/7 Radikaler Plan
In Detroit stehen 33,500 Häuser und 91'000 Wohnungen leer. Nun schlägt Bürgermeister Dave Bing vor, einen Teil der Stadt abzureissen; so sollen Kosten für Polizei, Feuerwehr und andere städtische Dienste gespart werden.

   

Dave Bing

Dave Bing machte sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren als Verteidiger beim Basketballteam Detroit Pistons einen Namen. Nach seinem Rücktritt gründete er einen Autozulieferbetrieb und wurde Millionär. Letztes Jahr wurde er zum Bürgermeister gewählt.

Über 200'000 Häuser sind im Grossraum Detroit mit seinen 4,4 Millionen Bewohnern gemäss vorsichtigen Schätzungen unbewohnt, 70'000 Grundstücke verwildern. In weiten Teilen der Metropole sieht es aus, als sei ein Hurrikan durchgezogen, gewisse Quartiere sind fast ausgestorben.

Trotzdem müssen Polizei, Feuerwehr und andere städtische Dienste die gleichen Leistungen erbringen, als hätte die Stadt die gleiche Einwohnerzahl wie zu ihren Glanzzeiten in den 1950er-Jahren. Dem will Bürgermeister Dave Bing nun ein Ende setzen: Er will einen Viertel der Stadt niederreissen lassen, um Kosten einzusparen, wie die Wirtschaftsplattform «Businessinsider.com» schreibt – trotz 300 Millionen Defizit eine radikale Idee.

Stadtverdichtung hat Tücken

In den nächsten drei Jahren sollen die Bulldozer auffahren und etwa 10'000 Häuser zerstören. Die Einwohner der Gebiete, die zur Räumung vorgesehen sind, sollen in Wohnungen oder Häuser in anderen Quartieren umgesiedelt werden.

Diese Stadtverdichtung hat laut «Businessinsider.com» aber Tücken: Ohne finanzielle Hilfe der US-Regierung könne Detroit kein Land kaufen, um darauf Leute umzusiedeln. Und diese müssten sich zuerst einverstanden erklären, ihre Häuser zu verlassen. Detroit leidet besonders am Niedergang der Automobilindustrie: Die einstigen Grossunternehmen General Motors, Ford und Chrysler bauten Tausende von Arbeitsplätzen ab.

Flint und Youngstown machen es vor

Detroit wäre nicht die erste Stadt in den USA, die ganze Stadtviertel abreisst. In Flint im Bundesstaat Michigan wurden bereits über 1000 Häuser zerstört. Auch in Youngstown in Ohio fielen seit 2005 ein paar hundert Häuser der Abrissbirne zum Opfer. (cha)

Erstellt: 10.03.2010, 18:06 Uhr

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