Lebemann und Problemfall

Rinat Akhmetshin und seine Rolle im Trump-Tower-Treffen mit Donald Trump Jr.

Im Hintergrund. Rinat Akhmetshin soll dem Trump-Lager geholfen haben, Belastendes über Hillary Clinton zu erfahren.

Im Hintergrund. Rinat Akhmetshin soll dem Trump-Lager geholfen haben, Belastendes über Hillary Clinton zu erfahren.

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Man kann nicht sagen, dass Rinat Akhmetshin Wert darauf legt, ein unauffälliges Leben zu führen. Fährt er durch Washington, ist er oft auf einem sehr auffälligen, orange lackierten Fahrrad unterwegs. Er gilt als jovial und redselig, als Kunstsammler und Opernliebhaber, der gern mit Journalisten plaudert und den etwa Seymour Hersh, Amerikas bester investigativer Reporter, zu seinem Bekanntenkreis zählt.

Auch Akhmetshin hat im vergangenen Jahr an einem womöglich folgenschweren Treffen im Trump Tower teilgenommen, mitten im Wahlkampf organisiert von Donald Trump Jr., dem ältesten Sohn des Immobilienmoguls, um aus russischen Quellen Belastendes gegen Hillary Clinton in die Hand zu bekommen. Die Episode ist das bislang deutlichste Indiz dafür, dass sich der Beraterzirkel um Trump Senior nichts dabei dachte, auf russische Hilfe zurückzugreifen, um Clinton zu schaden. Dass der Präsident in akute Erklärungsnot gerät, liegt auch daran, dass der Junior gelogen hat, als er die Chance hatte, die Karten auf den Tisch zu legen.

Als Donald Jr. im Studio des wohlwollenden Fox-News-Moderators Sean Hannity eine Art Beichte ablegte, betonte er noch, nun sei alles gesagt, nichts mehr offen. Kurz darauf wurde bekannt, dass auch Akhmetshin am 9. Juni 2016 in der Runde im Trump Tower sass, neben Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und dem Kampagnenmanager Paul Manafort, neben der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja und Rob Goldstone, einem früheren britischen Boulevardjournalisten. Die neuen Enthüllungen haben die Glaubwürdigkeit Donald Juniors schon deshalb zertrümmert, weil Akhmetshin alles andere als eine blasse Figur ist, die man schnell vergisst.

Alles nur Zufall?

Unstrittig ist seine Migranten-geschichte. 1994 übersiedelte er in die Vereinigten Staaten, deren Staatsbürgerschaft er 15 Jahre später annahm. Umstritten ist dagegen, welche Rolle er in der sowjetischen Armee spielte, in deren Reihen er von 1986 bis 1988 diente. Ein Unternehmen, das sich vor einem New Yorker Richter mit ihm stritt, beschrieb ihn als Offizier des sowjetischen Militärgeheimdienstes: Während des Afghanistankrieges habe er für die Spionageabwehr gearbeitet. Er selber sagte der New York Times, er sei ein normaler Wehrpflichtiger gewesen, «wie Millionen sowjetischer Jungs».

Was die Amerikaner viel brennender interessiert: Könnte es dieser umtriebige Lebemann gewesen sein, der Trumps Team die Dienste russischer Hacker vermittelte, wenn es eine solche Verbindung denn gab? Beweise gibt es keine, allerdings Indizien dafür, dass sich Akhmetshin mit Cyberangriffen auskannte. 2015 klagte ein in Amsterdam registrierter, von kasachischen Geschäftsleuten betriebener Bergbaukonzern gegen den Mann. International Mineral Resources, so der Name des Unternehmens, beschuldigte ihn, im Auftrag eines russischen Konkurrenten Firmencomputer gehackt zu haben. Später nahm der Konzern seine Vorwürfe jedoch zurück.

Fest steht, dass der Netzwerker Akhmetshin auf vielen Feldern unterwegs ist, oft, aber nicht immer im Interesse Moskaus. Einmal leistet er Lobbyarbeit gegen den «Magnitsky Act», ein 2012 verabschiedetes Gesetz, mit dem der US-Kongress Sanktionen gegen russische Staatsbürger verhängte, die mutmasslich an einem gigantischen Steuerbetrug beteiligt waren. Gegen den «Magnitsky Act» zog auch Weselnizkaja zu Felde, eine Juristin mit offenbar besten Kontakten zum Kreml. Weselnizkaja, erzählt Akhmetshin, habe ihn kurz vor der Begegnung in Trumps Hochhaus beim Lunch getroffen und ihn gefragt, ob er nicht mitkommen wolle. Reiner Zufall also. Es gibt nicht viele, die ihm das glauben. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.07.2017, 12:13 Uhr

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