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«Man vermutet, dass Raúl Castro das chinesische Modell anstrebt»

Interview: Olivia Kühni. Aktualisiert am 03.08.2010 5 Kommentare

Kuba erlaubt neu Privatwirtschaft im Kleinen. Die Castros haben diesen Schritt aus grosser Not getan, wie Südamerika-Korrespondent Sandro Benini erklärt.

1/11 Müssen das staatliche Wirtschaftsmodell neu überdenken: Fidel (links) und sein Bruder Raúl Castro.

   

Raúl Castro hat angekündigt, dass Kubaner künftig kleine Unternehmen betreiben sowie Angestellte beschäftigen dürfen. Das hört sich nach einem kleinen Schritt in Richtung Marktwirtschaft an. Was ist davon zu halten?
Eigentlich dürfen Kubaner schon seit 1993 kleine Unternehmen betreiben, bloss sind die Bestimmungen teilweise so absurd und die Steuern so hoch, dass die Zahl der Kleinunternehmer seit 2000 kontinuierlich schrumpft. Eröffnet jemand in seinen privaten Räumen ein Restaurant, ist zum Beispiel genau vorgeschrieben, wie viele Stühle er aufstellen darf. Neu ist hingegen die Möglichkeit, Angestellte zu beschäftigen. Wie marktwirtschaftlich der soeben von Raúl Castro angekündigte Kurs ist, hängt davon ab, ob die Regierung die Bedingungen lockert.

Wo liegen die Motive der Reformversprechen?
In der Wirtschaftskrise, die Kuba besonders hart getroffen hat. Der Staat ist derart verschuldet, dass er nur noch mit Mühe an internationale Kredite herankommt und Hunderttausende Funktionäre entlassen muss. Ausserdem ist das mit Kuba verbündete Venezuela wahrscheinlich das einzige lateinamerikanische Land, dessen Volkswirtschaft im laufenden Jahr schrumpfen wird. Die bisher grosszügigen Hilfsleistungen dürften also spärlicher werden.

Was hält die Bevölkerung davon?
Grundsätzlich begrüsst sie natürlich jede Öffnung. Sie ist aber skeptisch. In den neunziger Jahren wurden die Kleinunternehmer in der Presse als Kapitalisten verschrien. Ausserdem führten die damaligen Reformen zu sozialen Spannungen, weil es plötzlich Leute gab, die relativ leicht an Devisen herankamen.

Die Ankündigung fiel zusammen mit einem Besuch des chinesischen Aussenministers. Will sich Kuba am Marktsozialismus Chinas orientieren?
Man vermutet schon seit längerem, dass Raúl Castro das chinesische Modell anstrebt, Fidel jedoch sein Veto einlegt. Ob sich Kuba tatsächlich in diese Richtung bewegen wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls betont die Regierung ihre Treue zum Sozialismus, Kleinunternehmer hin oder her.

Welche Produkte könnte Kuba der Welt verkaufen?
Die Kleinunternehmer sind vor allem im Dienstleistungssektor tätig, nicht in der Exportwirtschaft. Ansonsten verkauft Kuba der Welt bereits Produkte wie Zuckerrohr, Nickel, Rum und Zigarren. Ausserdem gibt es Schätzungen, wonach vor seinen Küsten grössere Erdölvorkommen liegen und es deshalb die bisherigen Förderquoten massiv erhöhen könnte. Falls dies zutrifft, hätte die Revolution einmal mehr geradezu unglaubliches Glück. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.08.2010, 22:46 Uhr

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5 Kommentare

Daniel Steinhauser

03.08.2010, 23:50 Uhr
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An dieser Misere dieses kleinen schönen Landes sind alleine die USA Schuld. Ich möchte mir nicht vorstellen wie die Schweiz nach 60 Jahren unter Wirtschaftlichen Sanktionen aussehen würde - wir hätten nach 2 Wochen wahrscheinlich nicht mal genug zu essen... Antworten


Niklaus Zumthür

04.08.2010, 01:21 Uhr
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Irgendwie erinnern mich die Vorschriften frappant an die Verhältnisse hier in Zürich. Anzahl Stühle, Anzahl Parkplätze, kein Verkauf von gewissen Artikeln zwischen 1 und 5 Uhr an Tankstellen usw. Socialismo o Muerte! Antworten



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