Ausland

Mehr Militär und Diplomatie in Afghanistan

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 18.02.2009 5 Kommentare

Barack Obama hat den Krieg in Afghanistan geerbt. Mit der Aufstockung der Zahl der US- Truppen eskaliert er diesen Krieg.

Auf einer vorgeschobenen Operationsbasis im Osten Afghanistans feuern US-Soldaten Mörsergranaten ab.

Auf einer vorgeschobenen Operationsbasis im Osten Afghanistans feuern US-Soldaten Mörsergranaten ab.

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Inmitten der schwersten Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression trifft Präsident Barack Obama heute Donnerstag zu seinem ersten Auslandsbesuch in der kanadischen Hauptstadt Ottawa ein, wo bei Gesprächen mit Premierminister Stephen Harper unter anderem die Lage in Afghanistan erörtert werden soll (siehe Artikel unten). Bereits am Dienstagabend hatte Obama angekündigt, man werde die 36'000 US-Soldaten in Afghanistan durch 17'000 zusätzliche Truppen verstärken. Neben 8000 Marineinfanteristen, die bereits im Frühjahr eintreffen sollen, wird eine Armeebrigade mit 4000 Soldaten im Sommer ins südliche Afghanistan entsandt werden. Weitere 5000 GIs sollen diese Kampftruppen unterstützen.

Die Nato soll mitziehen

Schon während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte sich Obama für eine Ausweitung des Engagements in Afghanistan eingesetzt. Der demokratische Kandidat hatte Präsident Bushs Intervention im Irak auch deshalb kritisiert, weil sie seiner Meinung nach vom Kampf gegen die al-Qaida und die Taliban in Afghanistan und Pakistan ablenke. Die sich rapide verschlechternde Situation in Afghanistan und Pakistan erfordere «sofortige Aufmerksamkeit und schnelles Handeln», begründete der Präsident die Marschorder am Dienstag. Gleichzeitig sagte er, dass der Konflikt in Afghanistan mit militärischen Mitteln allein nicht zu gewinnen sei.

Neben dieser ersten Aufstockung der US-Truppen will die neue Regierung mehr Gewicht auf regionale diplomatische Initiativen legen: Sowohl Russland als auch Indien sowie möglichst der Iran sollen in die Beilegung des Konflikts in Afghanistan einbezogen werden. Obamas aussenpolitisches Team arbeitet bereits seit Wochen an einer grundsätzlichen Überprüfung der Strategie in Afghanistan, deren Ergebnis den Nato-Verbündeten Anfang April vorgelegt werden soll. Von den europäischen Partnern erwartet Washington eine Aufstockung der 32 000 Nato-Truppen am Hindukusch.

Die Forderung der USA nach einer stärkeren Beteiligung der Alliierten wird auch im Mittelpunkt der Gespräche stehen, zu denen der deutsche Afghanistan-Sonderbeauftragte Bernd Mützelburg nächste Woche in Washington erwartet wird. Die nun einrückenden US-Truppen sollen vornehmlich in der südlichen Provinz Helmand stationiert werden, wo die erstarkenden Taliban sowie der Opiumhandel die Sicherheitslage stark beeinträchtigen.

Rückzug innerhalb von 16 Monaten

Auf Einwände, wonach die Entsendung neuer Truppen nach Afghanistan die US- Streitkräfte überstrapaziere, entgegnete Obama am Dienstag, man werde die Truppenstärke im Irak «in verantwortlicher Weise» abbauen. Derzeit befinden sich noch rund 146'000 US-Soldaten im Lande, die nach dem Willen des Präsidenten über einen Zeitraum von 16 Monaten grösstenteils abgezogen werden sollen.

Unterdessen wurde bekannt, dass 2008 insgesamt 2118 afghanische Zivilisten bei Angriffen ausländischer Truppen ums Leben gekommen sind. Die meisten der Opfer starben bei US-Luftangriffen. Die Zahl ziviler Opfer erreichte damit laut Angaben der Uno einen Höchststand seit dem Beginn der US-Intervention in Afghanistan im Herbst 2001 und hat zu Verstimmungen zwischen Washington und Präsident Hamid Karzai in Kabul geführt.

Die am Dienstag angekündigte Entsendung weiterer Truppen ist bei amerikanischen Gegnern des Kriegs auf scharfe Kritik gestossen. «Das erste Prinzip für jemanden, der sich in ein Loch geschaufelt hat, lautet, dass er mit dem Schaufeln aufhören sollte», reagierte Tom Andrews, der Vorsitzende der Antikriegsorganisation Win Without War. Besonders innerhalb des progressiv-linken Flügels der Demokratischen Partei wird befürchtet, die Regierung Obama laufe Gefahr, sich in Afghanistan in einem Morast zu verlieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.02.2009, 22:24 Uhr

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5 Kommentare

Rolf Meyer

19.02.2009, 08:48 Uhr
Melden

Das war abzusehen, dass sich nicht viel ändert. Es wird weiterhin Krieg geführt oder in diesem Fall sogar noch ausgeweitet. So schnell blättert der Lack ab. Antworten


Ronnie König

19.02.2009, 14:27 Uhr
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Diese liebenswerten Hinterwälder lassen sich nicht von fremden Armeen befrieden! Sie sind noch nicht bereit für eine moderne Zukunft. Auch nicht die von Obama. Eine Seuche hingegen würden sie akzeptieren, selbst wenn es zuvielen das Leben kosten würde. Antworten



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