Mission ohne Ziel

Von Ignaz Staub. Aktualisiert am 13.11.2009 4 Kommentare

Die Amerikaner wollen Afghanistan künftig besser vor den Taliban schützen. Gefordert sind dabei auch Amerikas Alliierte. Doch Kritiker argumentieren, der eigentliche Kampf müsse nach wie vor der al-Qaida gelten.

Derzeit sind 68'000 Soldaten, aber nur rund 1000 zivile Helfer im Land stationier: US-Infanteristen in Afghanistan.

Derzeit sind 68'000 Soldaten, aber nur rund 1000 zivile Helfer im Land stationier: US-Infanteristen in Afghanistan.
Bild: Reuters

Wie viele Truppen Barack Obama auch immer zusätzlich nach Afghanistan entsendet, er wird es nicht allen Leuten recht machen können. Umfragen zufolge lehnt eine Mehrheit der Amerikaner eine Verstärkung der Militärpräsenz am Hindukusch ab. Eine noch deutlichere Mehrheit der Befragten stellt sich gegen den Krieg in Afghanistan überhaupt. Gleichzeitig sind die Amerikaner überwiegend der Ansicht, der Präsident solle dem Ratschlag seiner Generäle folgen. Doch diese befürworten entschieden eine Truppenaufstockung, was das Volk wiederum ablehnt: «Catch-22».

Derweil wächst unter zivilen Beratern Barack Obamas die Skepsis, ob ein Ausbau des US-Engagements im Umfang, wie ihn sich das Pentagon wünscht, längerfristig politisch zu verantworten und auch zu bezahlen sei. Sie fragen, ob es nicht besser wäre, einen Teil der immensen Mittel, die der Militäreinsatz am Hindukusch verschlingt, in zivile Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte zu investieren.

40 Prozent in den Händen der Taliban

Wegen Osama Bin Laden waren die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert. Doch die Regierung von George W. Bush verlagerte in der Folge ihr Interesse auf den Irak, was die mit der al-Qaida verbündeten Taliban erneut erstarken liess. Heute kontrollieren die Aufständischen rund 40 Prozent des Territoriums. Die Taliban gelten heute als stärker als die Anhänger Bin Ladens.

Schätzungen zufolge kosten 1000 amerikanische Soldaten in Afghanistan pro Jahr rund eine Milliarde Dollar. Derzeit sind 68'000 Soldaten, aber nur rund 1000 zivile Helfer im Land stationiert. Für «nicht militärische Ausgaben» am Hindukusch stehen im Haushalt 2010 lediglich rund 1,7 Milliarden Dollar bereit. Doch Washingtons Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, möchte im nächsten Jahr 2,5 Milliarden Dollar für zivile Projekte ausgeben. Der Ex-General ist überzeugt, dass sich die Afghanen, was die Sicherheit betrifft, in erster Linie selbst helfen müssen und sich nicht auf ausländische Hilfe abstützen dürfen.

Vier Optionen zur Truppenverstärkung

Was die Truppenverstärkung in Afghanistan betrifft, stehen in Washington vier Optionen zur Diskussion. Doch keine von ihnen, heisst es in Washington, überzeuge Barack Obama wirklich. Der Präsident wolle klarere Vorstellungen dazu hören, wie lange das US-Engagement noch dauern solle.

Die Maximal-Variante: General Stanley McChrystal, Kommandant der US-Truppen in Afghanistan, fordert 40'000 zusätzliche Soldaten. McChrystals Strategie der Aufstandsbekämpfung («counter-insurgency») lehnt sich an die Erfahrungen der USA bei der Truppenaufstockung im Irak («surge») an. Sie zielt darauf ab, die einheimische Bevölkerung besser zu schützen und so den Taliban den Nährboden zu entziehen. Die Option setzt allerdings voraus, dass in Kabul ein ehrlicher und effizienter Präsident regiert. Auf Hamid Karzai, der sich nicht zuletzt dank Wahlbetrug an der Macht hat halten können, trifft das nicht zu.

Die Pentagon-Variante: Das US-Verteidigungsministerium und Aussenministerin Hillary Clinton favorisieren dem Vernehmen nach einen Plan, die Truppenpräsenz in Afghanistan um 30'000 bis maximal 35'000 Mann zu erhöhen. Die Differenz zur Forderung McChrystals von bis zu 10'000 Soldaten müssten Amerikas Alliierte am Hindukusch ausgleichen. Zurzeit stellen dort 43 Nationen unter dem Kommando der Nato rund 36'000 Mann. Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat am Donnerstag bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan angekündigt, Berlin werde das Bundeswehrmandat im Dezember wohl unverändert verlängern.

Die Hybrid-Variante: Laut diesem Plan, den General McChrystal als «high-risk» einstuft, schützen alliierte Truppen, die durch 20'000 Amerikaner verstärkt werden, zehn bis zwölf grössere Bevölkerungszentren des Landes. Gleichzeitig jagt die US-Armee mit Spezialeinheiten, Kampfflugzeugen und bewaffneten Drohnen die Kämpfer der al-Qaida im Rest des Landes.

Die Terrorbekämpfungs-Variante: Von Vizepräsident Joe Biden und Senator John Kerry favorisiert, setzt diese Option nicht auf Aufstandsbekämpfung in grossem Stil, sondern auf klassische Terrorbekämpfung, d. h. auf die Verfolgung der al-Qaida mit Sonderkräften und modernster Technik. Laut dieser Variante sind die US-Truppen lediglich um 10'000 bis 15'000 Mann aufzustocken. Diese sollen nicht als Frontkämpfer, sondern als Ausbildner der afghanischen Armee zum Einsatz kommen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.11.2009, 07:29 Uhr

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4 Kommentare

Francesco De GIorgi

13.11.2009, 07:31 Uhr
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Bei allen Schulden der Amerikaner würde ich vorschlagen, dass sie Ihre Truppen aus Afghanisten abziehen. Dieses Geld könnte der einheimischen US Wirtschaft zugute kommen. Man bedenke, die USA haben 10 Mio Arbeitslose. Übrigens: Nicht nur die Briten vor über 100 Jahren, auch die Sowjets haben den Krieg gegen die "Afghanen" verloren. Fragt Euch also: Warum? Antworten


Silvano Maître

13.11.2009, 09:29 Uhr
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Gute Frage! Nun andere Frage: Wieso schaffen es die guten Afgahnen, wie auch andere Länder da unten nicht friedlich zusammen zu Leben?! Andere Frage: Betrifft Sie die Arbeitslosigkeit in den USA ? Antworten



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