Ausland
«Mit jeder Stunde wird die Hoffnung kleiner»
Mit Häme übergossen: Anke Engelke. (Bild: Keystone)
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Schweizer Spenden für Haiti
Die Glückskette organisiert am 21. Januar einen nationalen Sammeltag zugunsten der Opfer des Erdbebens auf Haiti. Bis am Donnerstagnachmittag hat die Glückskette bereits Spendenzusagen in der Höhe von 615'000 Franken erhalten.
Am nationalen Sammeltag können von 6 Uhr früh bis Mitternacht über die Gratis-Telefonnummer 0800/87'07'07 Spenden angemeldet werden, wie die Glückskette in einer Mitteilung schreibt.
Partner direkt vor Ort
Spenden sind auch jederzeit online oder auf das Postkonto 10-15000-6 (Vermerk «Haiti») möglich - Einzahlungsscheine der Glückskette liegen auf jeder Poststelle auf. Ausserdem können Spenden auch via SMS überwiesen werden: SMS mit Vermerk «Haiti» (Betrag) an die Kurznummer 363.
Der Spendenaufruf geschieht in enger Zusammenarbeit mit 15 Partnerhilfswerken, wie die Glückskette weiter schreibt. Diese seien zum Teil seit Jahren vor Ort tätig und könnten nun mit ihren lokalen Partnern sehr schnell reagieren.
Das Rote Kreuz nannte heute erstmals seine Schätzung der Opferzahlen: Zwischen 45'000 und 50'000 Menschen dürften ums Leben gekommen sein, meldete die Dachorganisation in Genf. Die Zahl beruhe auf Informationen eines grossen Netzwerks von Freiwilligen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.
Das tatsächliche Ausmass der Katastrophe war auch zwei Tage nach dem fürchterlichen Erdstoss noch nicht auszumachen. In der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince herrschte weiterhin Chaos: Menschen kampierten im Freien, überall lagen Leichen. Einziger Hoffnungsschimmer: Die ersten internationalen Hilfsgüter und Rettungskräfte sind eingetroffen.
Die Rettungskräfte kämpfen auf dem völlig verwüsteten Haiti gegen die Zeit. «Mit jeder Stunde wird die Hoffnung kleiner, Überlebende zu bergen», erklärte Elisabeth Byrs, Sprecherin des Uno-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), das die Hilfe in Genf und New York koordiniert. Die Schäden seien riesig und die Zahl der Opfer sehr hoch.
Die Helfer aus aller Welt sind eingetroffen
Inzwischen sind zwei Expertenteams der Uno, zehn des Roten Kreuzes sowie 16 nationale Suchteams auf dem Weg in das Erdbebengebiet oder bereits angekommen. Die Hilfsorganisationen stehen vor grossen Schwierigkeiten. «Wir brauchen Helikopter und Maschinen, um die Trümmer aus den Strassen zu räumen», erläuterte Byrs.
Das Welternährungsprogramm (WFP) begann mit dem Verteilen von Lebensmitteln. Es handle sich jedoch um «einen Tropfen auf den heissen Stein», sagte Charles Vincent, WFP-Direktor in Genf.
Ärzte ohne Grenzen schickt sieben Flugzeuge
Acht Spitäler wurden beschädigt oder ganz zerstört, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Vincent Hoedt von Ärzte ohne Grenzen (MSF) wies darauf hin, dass es an Lebensmitteln, Trinkwasser, Unterkünften und Medikamenten fehle. Die Organisation hatte bislang sieben Flugzeuge gechartert, nur eines habe jedoch Port-au-Prince erreichen können.
Unterdessen konnte der Kontrollturm des Flughafens repariert werden. Die Landepiste sei nicht beschädigt, sagte Byrs. Der Flughafen werde jedoch bald überlastet sein. Der Transport von Hilfsgütern wurde auch durch die schlechte Infrastruktur für die Kommunikation erschwert. Die Uno richtete beim Flughafen in Port-au-Prince ein logistisches Zentrum ein, um die Verteilung der Hilfsgüter zu koordinieren.
Über den Seehafen können zurzeit keine Güter in das Land gebracht werden, da der Quai schwer beschädigt wurde. Zudem wurden drei Kräne zerstört und Trümmer im Wasser versperren der Uno zufolge den Zugang zum Hafen. Ein weiteres logistisches Zentrum wurde daher am Flughafen von Santo Domingo in der benachbarten Dominikanischen Republik eingerichtet.
Ein Uno-Mitarbeiter gerettet
Inmitten der Katastrophe gibt es auch gute Nachrichten: Aus den Trümmern der erdbebenzerstörten Uno-Gebäudes in Port-au-Prince ist am Donnerstag ein erster Überlebender geborgen worden. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte die Rettung des Sicherheitsbeamten «ein kleines Wunder». Insgesamt 22 Uno-Mitarbeiter sind gemäss Ban tot aufgefunden worden, rund 100 würden noch unter den Trümmern vermutet.
(oku/ddp)
Erstellt: 14.01.2010, 23:30 Uhr
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