Moskau soll kompromittierendes Material über Trump haben

Als «möglicherweise derart explosiv» werden Berichte über den künftigen US-Präsidenten gewertet, dass dieser von den eigenen Diensten unterrichtet wurde. Russland will davon nichts wissen.

Hält nichts von den Berichten: Donald Trump. (16. Dezember 2016)

Hält nichts von den Berichten: Donald Trump. (16. Dezember 2016) Bild: Keystone

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Platzt da noch eine politische Bombe kurz vor der Amtseinführung Donald Trumps? CIA-Direktor John Brennan und andere Spitzen der US-Geheimdienste haben den designierten Präsidenten bei einem Briefing über die angebliche Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf am vergangenen Freitag über unbewiesene Berichte unterrichtet, wonach Moskau im Besitz kompromittierender Informationen über Trumps Privatleben sei. Dies berichten die «New York Times» und CNN am Dienstagabend unter Berufung auf zwei US-Regierungsmitarbeiter.

Sowohl Trump und zuvor Präsident Obama hätten von den US-Nachrichtendiensten eine Zusammenfassung dieser Berichte erhalten. Bei seinem Briefing über die angeblichen Cyberattacken Moskaus auf Trumps demokratische Rivalin Hillary Clinton während des US-Wahlkampfs sei dem neuen Präsidenten eine Zusammenfassung der seit Wochen in Washington zirkulierenden Behauptungen übergeben worden, berichtet die «New York Times».

Russland hat unterdessen dementiert, über kompromittierendes Material über Trump zu verfügen. Die Vorwürfen seien laut offiziellen Quellen aus dem Kreml ein Versuch, die Beziehungen zwischen den Ländern zu beschädigen.

(Video: Youtube/CNN)

«Derart explosiv»

Zwar konnten die Behauptungen über Trumps Privatleben «nicht nachgewiesen werden», doch seien sie von den Geheimdiensten als «möglicherweise derart explosiv» empfunden worden, dass sowohl Präsident Obama als auch die Führung des Kongresses davon unterrichtet worden seien. In den als nicht stichhaltig eingestuften Memos geht es nach Informationen der «New York Times» um Sexvorwürfe im Zusammenhang mit Moskauer Prostituierten im Jahr 2013. Die Gerüchte über Trumps angebliche Verwicklung in sexuelle Orgien zirkulierten bereits seit Anfang Oktober in Washington und waren dem baz.ch/Newsnet bekannt.

Bei einem Telefonat hatte ein Mitarbeiter von Hillary Clinton gegenüber dem baz.ch/Newsnet behauptet, Trump sei in einem Moskauer Hotel vom russischen Geheimdienst FSB bei einer sexuellen Orgie gefilmt worden und deshalb erpressbar. Der Mitarbeiter offerierte Einzelheiten, ohne jedoch Beweise für die Behauptungen vorzulegen.

Trump spricht von «Falschinformationen»

Offenbar beunruhigten diese Informationen US-Geheimdienste, weshalb laut der «New York Times» Ermittlungen aufgenommen wurden. Keine der Behauptungen sind bislang bewiesen, doch sorgte die von der «New York Times» gemeldete Untersuchung dieser Informationen durch US-Dienste gestern Abend in Washington für Aufsehen.

Die US-Bundespolizei lehnte einen Kommentar zu den neuen Berichten ab. Trump nannte die Berichte auf Twitter «Falschinformationen» und sprach von einer «totalen politischen Hexenjagd». Der gewählte Präsident wollte am Mittwoch seine erste Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg von Anfang November geben.

Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich mit Cyberattacken in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt zu haben, um der Demokratin Hillary Clinton zu schaden und Trump zu begünstigen. Wegen dieser mutmasslichen Einmischung verhängte der scheidende Präsident Barack Obama eine Reihe von Sanktionen gegen Moskau.

Milde Haltung

Trump dagegen zog die Geheimdiensterkenntnisse über die mutmasslichen russischen Hackerattacken in Zweifel. Er hatte sich im Wahlkampf immer wieder lobend über die Führungsstärke des russischen Staatschefs Wladimir Putin geäussert und will die Beziehungen zu Russland verbessern. Seine milde Haltung gegenüber Moskau hatte in den vergangenen Monaten viele Spekulationen ausgelöst, dass Trump möglicherweise geheimgehaltene Geschäftsinteressen in Russland habe oder dort in einer anderen Weise kompromittiert sein könnte.

Obama ruft Trump zu Vorgehen gegen Russland auf

Träfen die Vorwürfe zu, dass es Absprachen zwischen der Trump-Kampagne und Russland gegeben habe und die Unabhängigkeit des angehenden Präsidenten dadurch kompromittiert sei, dann wäre dies «schockierend» und «explosiv», sagte der Senator Chris Coons von den Demokraten zu CNN.

Obama wünscht sich von seinem Nachfolger Donald Trump Massnahmen zur Verhinderung neuer russischer Einmischung in amerikanische Wahlen. Er hoffe, dass sich Trump da «an die Arbeit macht», sagte Obama am Dienstag (Ortszeit) dem Sender NBC News. Zu den jüngsten Enthüllungen, wonach US-Geheimdiensten angeblich kompromittierende persönliche und finanzielle Informationen über Trump vorliegen, wollte er sich indes nicht äussern.

Trumps Übergangsprozess in der Kritik

Eine Mehrheit der Amerikaner ist nicht damit einverstanden, wie der zukünftige US-Präsident Donald Trump den Übergangsprozess in sein Amt gestaltet. Das geht aus einer Umfrage des Washingtoner Pew Research Centers hervor.

55 Prozent der Befragten kritisieren die Art, wie er seine Pläne zur Zukunft des Landes darstellt. Weiterhin schätzen 58 Prozent Trump Art als zu impulsiv ein, als dass er wichtige Entscheidungen treffen könnte. Zudem ist eine Mehrheit der Amerikaner nicht mit Trumps Verhalten im Umgang mit seiner Steuererklärung einverstanden. Die meisten Befragten sehen ihn in der Verantwortung, diese zu veröffentlichen. Für US-Präsidenten ist dieser Schritt üblich, Trump verweigert ihn bisher.

Ein weiterer Punkt, den ein grosser Teil der Öffentlichkeit kritisiert, ist das Verhältnis des Immobilienmilliardärs Trump zur Wirtschaft: 57 Prozent der Befragten haben Bedenken, wie er sich von seinen Wirtschaftsinteressen als Präsident abgrenzen will und schauen besorgt auf seine Beziehungen zu Organisationen, Unternehmen oder ausländischen Regierungen.

«Es ist eine alte Tradition der Russen»: Christof Münger analysiert Berichte, wonach Russland über kompromittierende Informationen über Trump verfügen soll. (Video: Lea Koch)

* mit Material der Agentur AFP (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2017, 04:38 Uhr

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