Ausland

«Niemand weiss, um welchen Krebs es sich handelt»

Von Amir Ali. Aktualisiert am 20.07.2011 42 Kommentare

Noch immer herrscht über die Krankheit von Hugo Chávez Unklarheit. TA-Korrespondent Sandro Benini erklärt im Interview, welche Szenarien es gibt, falls Chávez sterben sollte oder die Macht abtreten müsste.

Wie krank ist er wirklich? Hugo Chávez in Caracas, 16. Juli 2011.

Wie krank ist er wirklich? Hugo Chávez in Caracas, 16. Juli 2011.
Bild: Reuters

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Chávez ist zurück in Venezuela

Chávez ist zurück in Venezuela
Der gegen eine Krebserkrankung kämpfende Staatschef Venezuelas, Hugo Chávez, ist nach seiner überraschenden Rückkehr aus Kuba von seinen Anhängern in Caracas gefeiert worden.

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Hugo Chávez ist zum zweiten Mal in kurzer Zeit zur Behandlung nach Kuba gereist. Wie reagiert die Öffentlichkeit auf die Krankheit des Präsidenten?
Die venezolanische Öffentlichkeit ist seit langem zutiefst gespalten. Die Anhänger und Gegner von Hugo Chávez stehen sich unversöhnlich und misstrauisch gegenüber. Seine Getreuen sind natürlich erschüttert. Sie haben im ganzen Land Kundgebungen abgehalten, an denen sie dem Erkrankten ihre Solidarität beteuerten, sie haben für ihn gebetet und ihm ewige Treue geschworen. Die Gegner müssen ihm zumindest aus Anstand ebenfalls gute Besserung wünschen, und sie halten sich mit Kritik zurück, nach dem Motto: «Man schiesst nicht auf Krankenwagen.» Einige haben dennoch erwähnt, dass Chávez schon bei seiner ersten Abwesenheit, die notabene einen Monat dauerte, verpflichtet gewesen wäre, die Macht an den Vizepräsidenten abzutreten. Und dass seine Geheimniskrämerei um die genaue Art und die Gefährlichkeit seines Krebses einer Demokratie unwürdig sei.

Ein teilweiser Ausfall Chávez' ist absehbar. Droht dem Land ein Machtvakuum?
Ja, und vor allem ein Machtkampf unter seinen Getreuen. Das Regierungslager ist nämlich in mehrere Fraktionen gespalten, wobei sich pragmatische und radikale Gruppierungen gegenüberstehen. Gerüchteweise ist ein solcher Machtkampf bereits im Gang; Chávez sei nach seiner Krebsoperation lediglich kurz nach Venezuela zurückgekehrt, um in den eigenen Reihen für Ordnung zu sorgen. Aber das sind wie gesagt Gerüchte.

Im Gegensatz zu seiner ersten Kuba-Reise hat Chávez nun einige Kompetenzen an seinen Vize und an den Finanzminister abgegeben. Ein Zeichen, dass der Präsident selbst nicht an eine schnelle Genesung glaubt?
Falls die Krankheit wirklich so schlimm ist, wie es mehrere internationale Krebsspezialisten aufgrund der spärlich vorliegenden Indizien glauben, dann weiss Chávez selber sehr genau, dass ihm bestenfalls eine längere Genesungsphase bevorsteht. Die teilweise Machtübergabe an Vizepräsident und Finanzminister ist wohl eine schlichte Notwendigkeit. Ausserdem ist sie in der Varfassung vorgeschrieben, und Chávez wollte vermeiden, von einzelnen Exponenten der Opposition erneut kritisiert zu werden – so wie während seiner ersten Abwesenheit, als er die Macht uneingeschränkt weiter ausübte.

Seinen Kampf gegen den Krebs inszeniert Chávez öffentlich, zum Beispiel via seinen Twitterblog. Eher ungewöhnlich für autoritäre Herrscher, die sonst keine Anzeichen von Schwäche zeigen wollen.
In seinen Twitterbeiträgen zeigt Chávez keine Anzeichen von Schwäche, im Gegenteil. Er versichert, wie gut es ihm gehe und wie zuversichtlich er sei. Ausserdem war er schon vor der Erkrankung ein autoritärer Herrscher besonderer Art, weshalb ihn die Opposition als Prototypen des Diktators im 21. Jahrhunderts bezeichnet – ein Diktator, der die demokratischen Strukturen nicht abschaffe, sondern aushöhle und für seine eigenen Zwecke missbrauche. Die ganze Informationspolitik um die Erkrankung ist im übrigen alles andere als offen und ehrlich. Chávez ist am 20. Juni auf Kuba ein Tumor entfernt worden, was seine Regierung danach zehn Tage lang bestritten hat – obwohl in Venezuela natürlich längst entsprechende Gerüchte kursierten. Und bis heute weiss die Öffentlichkeit nicht, um welche Art von Krebs es sich handelt, welche therapeutischen Massnahmen genau notwendig sind, ob Metastasen gefunden wurden. Es ist auch unbekannt, wie lange Chávez nun für die Chemotherapie auf Kuba bleibt.

In den zwölf Jahren seit Chávez' Amtsantritt hat sich Venezuelas Lage verschlechtert. Gibt der Krebs des Präsidenten dem Land die Chance auf einen Neustart?
Darüber zu spekulieren, ist entschieden verfrüht. Noch ist Chávez an der Macht und er wird sie so lange ausüben, wie es irgendwie geht.

Was sind Venezuelas Optionen in der Zeit nach Chávez?
Falls Chávez sterben sollte oder die Macht definitv abtreten muss, gibt es zwei Szenarien: Dem Regierungslager gelingt es, einen Nachfolger zu installieren. Als aussichtsreichster Kandidat wird Adán Chávez gehandelt, der ältere Bruder des Präsidenten. Er gilt allerdings wirtschaftspolitisch als noch radikaler, und es fehlt ihm das überwältigende Charisma, mit dem Hugo Chávez bisher allen Krisen und Widrigkeiten getrotzt hat. Eine Machtübergabe an den eigenen Bruder aus gesundheitlichen Gründen käme gewissermassen einer Kopie des «kubanischen Modells» gleich. Das zweite Szenario besteht darin, dass nach Chavez' Ausscheiden die Opposition den Staatschef stellt. Die Opposition hat allerdings mehrere Probleme. Sie ist zerstritten und hat es bisher nicht geschafft, sich auf einen zugkräftigen Kandidaten zu einigen. Und sie hat sich viel zu lange darauf beschränkt, auf den grossen Bösewicht Hugo Chávez einzudreschen, statt ein eigenständiges politisches Programm zu entwickeln.

Was wüscht sich die venezolanische Bevölkerung: Eine schnelle Genesung oder den baldigen Abgang Chávez'?
Sofern die Umfragen stimmen, wünscht sich die eine Hälfte der Bevölkerung eine Genesung und die andere einen baldigen Abgang. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.07.2011, 17:26 Uhr

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42 Kommentare

Elisabeth Meier

19.07.2011, 18:04 Uhr
Melden 38 Empfehlung

Egal, woran Hugo Chavez krankt! Allen Staatspräsidenten und ihrer Entourage sollte es verboten sein, sich im Ausland behandeln zu lassen. Vielleicht würden sie in ihrem Land ein Gesundheitssystem errichten, von dem nicht nur sie sondern auch das Volk profitieren würde. Es ist doch ein Skandal, dass Politiker sich First Class im Ausland behandeln lassen können und das Volk daheim draufgeht. Antworten


Fran Zambelli

19.07.2011, 19:02 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Es gibt nur 2 Typen von Chavistas: wegen fehlender Bildung oder aus finanziellem Interesse! Ich lebe in Vzla. Vzla, bodenlos korrupt und heruntergewirtschaftet! Gesundheitssystem am Boden. Die Einzigen, die profitiert haben sind die Ärmsten von den Armen, weil die sich mit "1 kg Reis und 1 Hähnchen" begnügen. Alle anderen Chavistas sind nur hinter den Dollars her! Ihr Europäer habt keine Ahnung! Antworten



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