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Der beim ersten Fernsehduell gegen Herausforderer Mitt Romney ausser Tritt gekommene US-Präsident Barack Obama greift wieder an: Mit neuer Energie versuchte er gestern bei Wahlkampfauftritten in Denver und Madison, sich im Rennen ums Weisse Haus wieder in Führung zu setzen. Der Amtsinhaber stellte dabei die Aufrichtigkeit seines republikanischen Widersachers bei der TV-Debatte am Vortag infrage.
Er habe bei dem Duell «diesen sehr energischen Typen, der behauptet hat, Mitt Romney zu sein», getroffen, sagte Obama. Es könne sich aber nicht um seinen republikanischen Rivalen gehandelt haben, da sein Gesprächspartner Romneys Positionen zu den Themen Steuern, Bildung und Outsourcing von Arbeitsplätzen anders dargestellt habe. «Ein Gouverneur Romney mag um seine Positionen herumtanzen können, aber wenn man Präsident werden will, schuldet man dem amerikanischen Volk die Wahrheit», erklärte Obama.
Der Republikaner Romney hatte am Vorabend die erste Fernsehdebatte mit einem kämpferischen und selbstsicheren Auftritt überraschend für sich entschieden. In dem 90-minütigen Schlagabtausch einen Monat vor der Wahl leistete er sich anders, als von vielen Beobachtern erwartet, keine nennenswerten Patzer. Stattdessen wirkte er nach Einschätzung vieler Zuschauer und Analysten überzeugender als Obama. Der demokratische Amtsinhaber machte hingegen einen defensiven und streckenweise gar lustlosen Eindruck.
Anpassungen im Wahlkampf angekündigt
Nach einer Umfrage des amerikanischen Fernsehsenders CNN sahen fast zwei Drittel der befragten Zuschauer den Herausforderer als Sieger der Debatte. Nur 25 Prozent hielten den Präsidenten für besser. Und sogar mehrere demokratische Analysten gaben nach dem Rededuell Romney mehr Punkte. Obamas Berater kündigten nach dem Fernsehduell «Anpassungen» im Wahlkampf an.
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat damit mithilfe des TV-Duells gegen Amtsinhaber Barack Obama Boden gut machen können. Dies bestätigte eine gestern veröffentlichte Reuters/Ipsos-Umfrage: Romney wird demnach nun von 51 Prozent der Wähler positiv gesehen. Obamas günstigen Umfragewerten hat sein verhaltener Auftritt indes nicht geschadet: Er verteidigte seine Favoritenrolle und kam unverändert auf 56 Prozent.
Romney reagiert (noch) nicht
Das Obama-Wahlkampflager kontert zudem mit Vorwürfen in einem neuen TV-Spot: «Wenn wir ihm nicht einmal hier trauen können», heisst es darin mit einem Ausblick auf die Debatten-Bühne. «Wie können wir ihm jemals hier trauen?», fragt eine sonore Stimme aus dem Off – während das Oval Office im Weissen Haus zu sehen ist.
Romney hielt sich mit einer Reaktion auf die Anschuldigen Obamas zunächst zurück. Dafür meldete er gewichtigen Sukkurs: Die mächtige Waffenlobby National Rifle Association (NRA) stellt sich hinter ihn. Das teilte der Republikaner auf seiner Webseite mit: «Ich bin stolz über ihre Unterstützung für meine Kandidatur.» «Ich werde alles in meiner Kraft tun, um das Recht aller gesetzestreuen Amerikaner, Waffen zu besitzen und zu tragen, zu verteidigen und zu schützen», erklärte er weiter.
TV-Duell mit mehr Zuschauern
Das erste TV-Duell zwischen den beiden Kontrahenten verfolgten als 67,2 Millionen Menschen in den USA auf elf verschiedenen Sendern. Das waren 28 Prozent mehr als vor vier Jahren mit 52,4 Millionen beim ersten Fernsehduell zwischen Obama und dem damaligen Kontrahenten John McCain. Das Interesse an der Begegnung hat es damit unter die Top 10 der letzten 30 Jahre geschafft. Spitzenreiter seit 1976 ist die Begegnung zwischen Ronald Reagan und Jimmy Carter von Oktober 1980. Damals schalteten 80,6 Millionen Fernsehzuschauer in den USA ein.
Romney nimmt umstrittene Äusserung zurück
Romney hat nun seine umstrittene Äusserung über Anhänger von Amtsinhaber Barack Obama zurückgenommen. «In diesem Fall habe ich etwas völlig Falsches gesagt», erklärte Romney gestern im US-Fernsehen. Romney hatte im Mai bei einer Spendengala geäussert, dass 47 Prozent der US-Wähler von der Regierung abhängig seien und deshalb bei der Wahl am 6. November nicht für ihn stimmen würden.
Der per Video aufgezeichnete Satz wurde im September auf der Internetseite des linksgerichteten Magazins «Mother Jones» veröffentlicht und entwickelte sich zu einem der grössten Handicaps für Romney im Kampf um den Einzug ins Weisse Haus. Nach dem Bekanntwerden hatte Romney seine Äusserungen nur als etwas ungeschickt bezeichnet, sie aber nicht zurückgenommen. Beim jüngsten TV-Duell nutzte Präsident Obama zur Überraschung vieler Anhänger nicht die Gelegenheit, Romneys Wahlkampf-Patzer anzusprechen.
(wid/dapd)
Erstellt: 04.10.2012, 20:02 Uhr
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