Ausland

Ohne Kopf durch die Wand

Aktualisiert am 16.10.2011

Die Protestbewegung Occupy Wall Street verzichtet bewusst auf Chefs und Sprecher. Das hat auch einen gewichtigen Vorteil.

1/43 Polizisten verhaften einen Demonstranten in New York. (15. Oktober 2011)

   

Weltweit gingen Zehntausende gegen die Macht der Finanzinstitute auf die Strassen. (Video: Reuters)

Millionen-Schäden in Rom

Nach den schweren Ausschreitungen bei den Anti-Banken-Protesten in Rom hat der konservative Bürgermeister Gianni Alemanno die Schäden allein für die öffentliche Hand auf eine Million Euro beziffert. Darüber hinaus müssten die Schäden an privatem Vermögen berücksichtigt werden, sagte Alemanno bei einem Ortstermin auf dem Vorplatz zur Lateran-Basilika, wo die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten am Samstag ihren Höhepunkt hatten.

Seit Jahren gab es in Rom keine vergleichbaren gewalttätigen Auseinandersetzungen. «Wir müssen mit angemessener Härte gegen diese Tiere vorgehen», sagte Alemanno. Die Stadtverwaltung werde als Klägerin gegen Festgenommene auftreten. Das gelte für die bereits festgenommenen zwölf Verdächtigen ebenso wie für noch Festzunehmende nach Auswertung von Video-Aufnahmen, fügte Alemanno hinzu. Wer Schaden an Privatvermögen erlitten habe, solle staatliche Entschädigungen erhalten, versprach der Bürgermeister. (AFP)

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Sie sind gekommen, um die Welt zu verändern, das Establishment zu stürzen und die Armen zu befreien. Doch als erstes müssen sie eine Lösung für das Problem mit den Bongo-Trommeln finden. Bei den Protesten der Bewegung Occupy Wall Street in New York zerbrechen sich die Teilnehmer derzeit den Kopf darüber, was sie mit jenen Trommlern machen sollen, die den Ort der Demonstration in eine Art Tanzfläche verwandelt haben. Die Demonstranten haben versucht, den Musikern ein Zeitlimit zu setzen, doch diese lehnten es ab zu gehorchen. «Das ist definitiv ein Problem», seufzt Demonstrantin Kanene Holder.

Man sollte meinen, dass es für eine Bewegung, die kurz davor steht, eine politische Macht zu werden, ein Leichtes sei, ein paar nervende Musiker zu zügeln. Doch auch einen Monat nach dem Aufkommen der Bewegung, die mittlerweile Vorbild für ähnliche Proteste weltweit geworden ist, beharrt Occupy Wall Street darauf, dezentralisiert zu bleiben. Das erschwert so einiges, nicht nur das Durchsetzen von Regeln für das Lager der Demonstranten in Manhattan.

«Als ob es jeden Tag ganz andere Leute seien»

Die Botschaft der Bewegung gegen die Habgier der Konzerne hat den Nerv vieler Amerikaner getroffen, doch viele sind verwundert darüber, dass es in New York und anderen Zentren der Demonstration noch immer an Führungsfiguren mangelt. In Minneapolis trifft sich der Sheriff von Hennepin County, Rick Stanek, jeden Morgen mit einer Delegation von Demonstranten. «Sie sagen dann, dass sie die Organisatoren sind», erzählt Stanek. «Das ist ein bisschen schwierig, weil es so aussieht, als ob es jeden Tag ganz andere Leute seien.»

Die Demonstranten sagen, die Dezentralisierung sei Absicht. Sie weisen auf andere Bewegungen wie die Bürgerrechtsbewegung in den 60er Jahren hin, die ähnlich ungeordnet begonnen habe. Zugleich weckt es Erinnerungen an den Arabischen Frühling, der zwar zahlreiche Teilnehmer, aber – zumindest am Anfang – keine eindeutigen Führer hatte.

Vorteil Identifikationsplattform

Wissenschaftler, die Oppositionsbewegungen untersucht haben, sagen, dass die Führungslosigkeit zwar einige Nachteile, aber zugleich auch grosse Vorteile haben kann. Beispielsweise erlaubt es die Bewegung somit, dass sich in ihr Menschen mit sehr verschiedenen Ansichten sammeln können, wie Gewerkschafter und Anarchisten. Die stehen dann hinter einer deutlichen Botschaft gegen die Macht der Konzerne, ohne wirklich darin übereinzustimmen, in welche Richtung das Land nun gehen sollte.

«Sie haben so grosse Unterstützung um einiges schneller bekommen als die Anti-Kriegs- oder die Bürgerrechtsbewegung, sagt der Politikwissenschaftler Todd Gitlin von der Columbia University.

Vollversammlung statt Führer

Ursprünglich aufgerufen zu den Protesten hatten Mitte Juli die Herausgeber des konsumkritischen Magazins «Adbusters» aus Kanada. Doch seitdem hat sich niemand von dort aktiv in die Organisation oder Führung der Demonstration eingeschaltet. Die grosse Gruppe der Aktivisten, die sich dann tatsächlich trafen und die Besetzung planten, kamen aus den verschiedensten Gruppen. Von Anfang an kam man überein, keine Anführer zu bestimmen, einen Planungsstab auszuwählen oder Personen für die Verhandlungen mit der Polizei und dem Rathaus zu ernennen.

Stattdessen werden die Entscheidungen in Manhattans Zuccotti Park von einer Vollversammlung getroffen, deren Teilnehmerzahl zuweilen in die Tausende geht. Um das Wesentliche, wie die Organisation des Lagers, kümmert sich eine grosse Zahl autonomer Arbeitsgruppen, die ohne zentrale Aufsicht funktionieren. (rub/dapd)

Erstellt: 16.10.2011, 17:00 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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