Ausland

Prügeleien bei Trump-Veranstaltung

Aktualisiert am 12.03.2016 41 Kommentare

Donald Trump hat eine Kundgebung in Chicago abgesagt. Seine Gegner und Befürworter sind aufeinander losgegangen.

1/10 Aufstand gegen Trump: Die Gegner von Republikaner Donald Trump jubeln, als sie von der Absage der Veranstaltung in der Universität Illinois hören. (11. März 2016)
Bild: AP Photo/Charles Rex Arbogast/Keystone

   

Artikel zum Thema

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Mehrere Tausend Menschen haben in Chicago gegen eine Veranstaltung des umstrittenen republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump protestiert. Fernsehbilder zeigten Polizisten in Kampfmontur, die Demonstranten aus dem Gebäude führten, während sich Trump-Anhänger und -Gegner hitzige Auseinandersetzungen lieferten. Laut dem US-Sender CNN hielten sich etwa 8500 bis 10'000 Menschen in der Halle auf.

Etlichen Demonstranten war es gelungen, in die Veranstaltungshalle einzudringen. Manche von ihnen zerrissen Wahlkampfschilder der Trump-Kampagne. Ein Mann stiess bis zum Rednerpult vor und wurde von Sicherheitsleuten weggeführt. Trump selbst war zu dem Zeitpunkt noch nicht auf der Bühne. Ob es bei den hitzigen Auseinandersetzungen Verletzte gab, war zunächst unklar. Die Polizei führte mehrere Personen ab und löste die Proteste letztlich auf.

Die US-Medien berichten eifrig über die Ausschreitungen. (Youtube.com/CNN)

Jubel über die Absage

In einer Mitteilung seines Wahlkampfteams hiess es, Trump habe sich mit Sicherheitskräften besprochen und entschieden, den Auftritt aus Sicherheitsgründen abzusagen. Dabei gehe es «um die Sicherheit der Zehntausenden Menschen, die in und um die Halle versammelt sind». Auf die Bekanntgabe der Absage reagierten Teile der Menge mit Jubelrufen. Anhänger des republikanischen Bewerbers ums Weisse Haus skandierten hingegen «Wir wollen Trump!». In der Mitteilung hiess es, die Veranstaltung werde an einem anderen Tag stattfinden.

Erstmals schien sich die Zahl der Unterstützer und Protestler bei einer Kundgebung Trumps die Waage zu halten. Im Vorfeld hatten Dutzende College-Mitarbeiter die Verwaltung der Universität zur Absage des Events gedrängt. Es werde befürchtet, dass die Kundgebung eine «feindselige und physisch gefährliche Atmosphäre» für Studenten schaffen würde, argumentierten die Bedenkenträger.

«Trump predigt Hass»

In einem Telefoninterview des Senders MSNBC verteidigte Trump die Verschiebung seines Wahlkampfauftritts. Er wolle nicht erleben, dass dort «Leute verletzt werden oder Schlimmeres», sagte er. «Ich denke, wir haben das Richtige getan.»

Die Proteste wertete der Immobilienmogul indes nicht als Zeichen des Widerstands gegen seine politischen Ideen, sondern als Ausdruck eines allgemeinen Unbehagens in den USA. Dies gelte vor allem für Leute, die aufgebracht seien, weil sie keine Jobs fänden. «Da ist Wut im Land», sagte er. «Ich denke nicht, dass sich das gegen mich richtet. Das ist einfach etwas, das seit Jahren so läuft.»

Doch erklärten viele Protestler am Veranstaltungsort, dass sie gekommen seien, um Trump von seiner Rede abzuhalten. Einer von ihnen war der 37-jährige Jermaine Hodge, der seit Jahren in Chicago lebt und eine Lastwagenfirma besitzt. «Unser Land wird es nicht schaffen, indem es durch die Ansichten von Donald Trump gespalten wird. Unser Land ist schon genug gespalten. Donald Trump predigt Hass. Er predigt Spaltung», sagte Hodge.

Trump lehnt Verantwortung ab

Bereits zuvor war Trump während eines Wahlkampfauftritts in St. Louis mehrmals von wütenden Zwischenrufen von Demonstranten unterbrochen worden. In North Carolina hatte am Mittwoch ein 78-jähriger Anhänger einen schwarzen Demonstranten geschlagen, nachdem Trump sagte, er vermisse die «guten, alten Zeiten», als jemand, der sich aufspiele, auf einer Trage rausgetragen worden wäre.

Trump verteidigte solche Aktionen während einer Rede am Freitagnachmittag. Das Publikum habe zurückgeschlagen, «davon sollten wir noch ein bisschen mehr sehen». Auf die Frage, ob er mit solchen Äusserungen zu den Ausschreitungen in Chicago beigetragen habe, sagte er am Freitagabend: «Ich übernehme keine Verantwortung. Niemand wurde auf unseren Veranstaltungen verletzt.»

Auftritt auch in Ohio abgesagt

Laut einem Medienbericht zufolge hat Trump auch eine Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Ohio aus Sicherheitsgründen abgesagt. Die Webseite «Cincinnati.com» zitierte einen lokalen Sprecher der Trump-Kampagne, wonach die Sicherheitsvorkehrungen in der vorgegebenen Zeit nicht mehr zu schaffen seien. In Ohio und vier anderen Bundesstaaten finden am Dienstag Vorwahlen statt. (afo/sda)

Erstellt: 12.03.2016, 04:19 Uhr

41

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Werbung

41 Kommentare

Regis Schifferle

12.03.2016, 05:45 Uhr
Melden 139 Empfehlung 22

Wie mir vor einigen Minuten von Bekannten in Chicago gesagt wurde, handelt es sich bei den Chaoten um bezahlte, zum Teil "Berufsprotester", welche auf Fragen der Reporter zum Teil nicht einmal wussten, warum und gegen wen sie protestieren! Solche Aktionen gegen "free speach", einem Grundrecht in den USA, wirken kontraproduktiv und werden Donald Trump einen grossen Schritt zum Amt des Potus weiterbringen. Trump hat mit der Absage seines Auftritts, zusammen mit der Polizei, eine gute Entscheidung getroffen und Schlimmeres verhuetet. Antworten


Rolf Rothacher

12.03.2016, 06:09 Uhr
Melden 107 Empfehlung 12

In einem zwei Parteien-System ist ein Zwiespalt in der Bevölkerung automatisch eingebaut. Vergessen wir nicht, dass vier Präsidenten ermordet wurden und mindestens 17 Attentate auf Präsidenten bekannt sind. Dazu passt auch, wenn selbsternannte "Gemässigte" die eigene Demokratie verraten, in dem sie die Redefreiheit von Unliebsamen zu unterbinden/verbieten versuchen.
Insgesamt können die USA jedoch weiterhin Vorbild für die Welt sein, weil 200 Ethnien recht friedlich zusammenleben, während in Afrika, Asien oder im Orient meist schon zwei Gruppierungen ausreichen (z.B. Tutsi/Hutu, Sunniten/Schiiten oder Hindus/Buddhisten/Muslime), um Bürgerkriege oder bürgerkriegsähnliche Zustände oder gar Völkermord auszulösen.
Ob Clinton, Sanders, Trump oder Cruz: keiner der vier ist Brückenbauer.
Antworten