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Reif für die Insel: Die neue Freiheit der Guantánamo-Häftlinge

In ihrer Freizeitkleidung sehen die Uiguren wie gewöhnliche Touristen aus. Doch sie beginnen nach jahrelanger, schuldloser Haft in Guantánamo ein ganz neues Leben – auf den Bermudas.

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Ankunft auf dem Flughafen: Am 11. Juni landeten Salahidin Abdulahat, Abdullah Abdul Qadir, Ablikim Turahun, Kheleel Mamut auf den Bermudas.
Bild: Keystone

   

Die vier Männer sind Uiguren, Muslime aus dem unwirtlichen fernen Westen Chinas. Sie waren einst als Terrorverdächtige im US-Gefangenenlager Guantánamo gelandet, doch ihre Unschuld stellte sich bald heraus. Dennoch: Sie blieben Gefangene, denn niemand wollte die Männer aufnehmen und damit die chinesische Regierung verärgern. Erst vor wenigen Tagen nahmen die Bermudas die Uiguren auf.

«Als wir kein Land hatten, das uns annehmen würde, und alle vor uns Angst hatten, da hatten die Bermudas den Mut, uns aufzunehmen», sagt der 30-jährige Abdulla Abdulgadir. Die vier genossen nach Jahren in Haft ihr erstes Wochenende in Freiheit, bei tropischen Temperaturen. Abdulgadir, der jüngste der vier, ist von seiner neuen Heimat angetan: «Wir gehen nirgends mehr hin!», sagt er.

Autofahren, Schnorcheln, Tauchen...

Die Gefangenenuniform haben sie gegen leichte Baumwollhosen und Sommerhemden getauscht. Statt hinter Stacheldrahtzäunen leben sie nun in Strandbungalows. Sie hoffen, schon bald eine Arbeit zu finden und vielleicht auch, Familien zu gründen. «Ich habe ihnen gesagt: ‹eins nach dem anderem›», sagt Glenn Brangman, ein ehemaliger Militärbeamter, der ihnen bei der Wiedereingliederung in der normalen Welt hilft. «Sie beginnen ihr Leben komplett neu.» Zunächst müssten sie praktische Dinge lernen wie Autofahren, Schnorcheln und Tauchen.

...und der erste selbst gefangene Fisch

«Nicht jeder ist froh über das, was die Regierung gemacht hat», sagt Brangman. Die 68'000 Einwohner der Inselgruppe wurden von der Aufnahme der Uiguren genauso überrascht wie die Kolonialmacht Grossbritannien. Die Opposition im Parlament in Hamilton stellte einen Misstrauensantrag gegen die Regierung. Brangman warnt deswegen auch davor, die Uiguren zu schnell unbegleitet ins freie Leben zu entlassen. «Das muss kontrolliert passieren.»

Ihre Übersetzerin Rushan Abbas sagt, die Männer erfreuen sich zunächst an den einfachen Dingen des Lebens. Beim Spaziergang am Strand trafen sie auf einen Fischer und wurden neugierig. Der Mann zeigte ihnen, wie sie den Köder in den Ozean schleudern mussten – und einer der früheren Gefangenen, Khelil Mamut, zog schon bald unter dem Jubeln der übrigen drei einen rund 25 Zentimeter langen Fisch aus dem Wasser.

Wagemutig in das kalte Wasser

Später ging Brangman mit ihnen Schwimmen – Freiheit pur. Er habe ihnen zugesehen, wie sie auf die Felsen kletterten und ins Wasser sprangen. So wie er es als Kind auch immer gemacht habe, erzählt Brangman. «Die Einheimischen testen normalerweise erst die Wassertemperatur. Aber die sind einfach zur Klippe gelaufen und reingesprungen», sagt Brangman. Zwei Gründe leuchten dabei sofort ein: Die Uiguren mussten Jahre auf diesen Moment warten. Und wer aus einer zentralasiatischen Hochebene kommt, ist wohl weniger verfroren als der durchschnittliche Einwohner der Bermudas.

«Wir haben nur einen Feind – die Chinesen»

Für 13 weitere Uiguren aus Guantánamo, von denen ursprünglich auch einige nach Deutschland kommen sollten, ist die Odyssee noch nicht vorbei: Die Angehörigen der chinesischen Minderheit sitzen immer noch in dem US-Gefangenenlager auf Kuba. Aber der pazifische Inselstaat Palau hat eine Aufnahme angeboten. Die Verhandlungen laufen noch. Alle 17 Uiguren wurden in Pakistan oder Afghanistan als mutmassliche Unterstützer von Taliban und al-Qaida festgenommen. Sie haben die Vorwürfe jedoch immer bestritten und erklärt, sie sie seien nur wegen der Unterdrückung in China in die Nachbarländer geflohen.

«Wir haben nur einen Feind – und das sind die Chinesen», sagte Ablikim Turahun 2004 in einem Prozess vor einem US-Militärtribunal, «sie haben uns gefoltert und uns alle getötet: Alte, Junge, Männer, Frauen, kleine Kinder und ungeborene Kinder.» Die Uiguren wurden von den US-Behörden für unschuldig erklärt. Sie nach China zu überstellen, war jedoch nicht möglich, da ihnen dort Strafverfolgung oder Folter drohte.

Erste Uiguren kamen nach Albanien

Albanien hatte 2006 fünf Uiguren aufgenommen, von den 17 übrigen Angehörigen des Turkvolkes wollte es aber nichts mehr wissen. Und die meisten anderen Länder zierten sich vor einer Aufnahme, weil China lautstark grollte – das Regime in Peking sieht in den Uiguren schliesslich Staatsfeinde. (raa/ap/)

Erstellt: 15.06.2009, 10:29 Uhr

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11 Kommentare

Kurt Naef

26.01.2010, 13:55 Uhr
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hallo leute, bleibt doch sachlich in euren kommentaren.dieser uigure wurde von kt. GE aufgenommen. ende. aber warum flogen die amis nicht gleich nach genf? warum muss der mann mit einem superpuma nach genf gebracht werden? warum nicht eine belgeitete fahrt mit der SBB? derjenige der diesen transportweg bewilligt hat müsste die diff. aus eigenem sack bezahlen und nicht schon wieder der steuerzahler Antworten


Martin Schenkel

16.06.2009, 10:10 Uhr
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Herr König, Sie biegen sich das Weltgeschehen immer schön zurecht, damit sie in Ihre einfache schwarz-weiss Optik passt. Bitte Herr König, bevor Sie andere Teilnehmer beleidigen, behalten Sie doch einfach Ihre Stammtisch-"Weisheiten" für sich. Antworten


Leon Hartner

15.06.2009, 18:19 Uhr
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@ Ronnie König: Die Taliban wurden nie von Pakistan oder den USA gefördert. Allerhöchstens die Mudjaheddin. Und die sind zu Teilen in der Al Quaida aufgegangen. Die Taliban bestehen größtenteils aus Paschtunen, und haben mit den Mudjaheddin nicht allzu viel gemeinsam (außer vielleicht den Ursprüngenn) Antworten


Jens Poschet

15.06.2009, 17:50 Uhr
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Herr Koenig, soweit es mir bekannt ist sind sie auf den Bermudas, wo die Shorts herkommen, ganz ganz weit entfernt von Palau. Oder is geography eine Glueckssache, ich dachte die Schweizer sein den Amerikanern geographisch hochhause ueberlegen? Antworten


Ronnie König

15.06.2009, 17:11 Uhr
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@Stefan Studer: Haben sie schon vergessen wer die Taliban gefördert hat? Die USA mit Pakistan zusammen. Und wohin sollen denn die Uiguren, wenn nicht zu ihren Glaubensbrüder vis a vis? Wie gut kennen sie diese Weltecke? Wahrscheinlich wissen sie nicht mal wo das ganze zu finden wäre auf einer Weltkarte. Antworten


Hubert Hassli

15.06.2009, 13:17 Uhr
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Diese Leute sassen jahrelang im Gefängnis, obwohl sie erwiesenermassen unschuldig waren, das ist ein Skandal. Die USA, welche diese Leute in diese Situation gebracht hat, weigert sich weiterhin, diese erwiesenermassen unschuldigen Leute aufzunehmen, das ist ein noch grösserer Skandal. Und dass Europa und die Schweiz dazu schweigen, ist der allergrösste Skandal. Antworten


patrik leimgruber

15.06.2009, 13:14 Uhr
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das T-shirt auf dem 2. Foto nervt mich besonders! The Change? Ich Frage mich wo dieser Wechsel bis jetzt zu sehen ist ausser grosser Sprüche und Versprechungen.. Trotz allem: Amerika bleibt Amerika..! Antworten


Stefan Studer

15.06.2009, 13:01 Uhr
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Vor dem Terror des chinesischen Regimes nach Afghanistan zum Terror der Taliban zu flüchten erscheint mir doch ein wenig seltsam. Aber vermutlich werden diese Männer das Taliban-Regime und deren Grausamkeiten auch heute noch rechtfertigen. "Unschuldig" wie in diesem Artikel gefühlvoll vorgetragen, kann wohl niemand sein, der die Taliban gebilligt hat und sie rechtfertigt. Antworten


Sibylle Weiss

15.06.2009, 12:45 Uhr
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Warum soll eigentlich die CH ein Zeichen setzen?Es gibt totsicher Länder in unmittelbarer Nachbarschaft der USA,welche diese Leute aufnehmen könnten, was bei weitem näher liegen würde. Antworten


Ronnie König

15.06.2009, 11:17 Uhr
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Die Uiguren sind nur kurzfristig auf Palau! Das Inselreich wird bald im Meer verschwinden und die USA haben 200Mio bereitgestellt, aber nicht für die Uiguren, sondern um den Umzug zu finanzieren. Die Frage ist nur wohin? In die USA geht nicht, da das Volk nun auch aus Terroristen besteht! Clever was? Antworten


brian steiner

15.06.2009, 10:14 Uhr
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Unverständlich, dass die Schweiz nicht ein Zeichen setzen kann, über die Anwesenheit der Tibetergemeinde wird China ja wohl auch nicht hocherfreut sein. Antworten



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