Ausland

Sein Bericht brachte den General zu Fall

Von Sara Hussein, AFP. Aktualisiert am 24.06.2010

Michael Hastings entlockte Stanley McChrystal seine verächtlichen Äusserungen über die US-Regierung. Der Journalist ist aber schon länger bekannt, mit Kriegsberichten und wegen des tragischen Todes seiner Freundin.

Der Name Michael Hastings wird wohl für immer mit Nato-General Stanley McChrystal verbunden sein: der Journalist entlockte dem Oberbefehlshaber für Afghanistan seine verächtlichen Äusserungen über die US-Regierung, die den Militär womöglich seinen Job kosten. Dabei steht der Name des US-Reporters für so viel mehr: Der junge freie Journalist war bislang vor allem für seine Kriegsberichterstattung im Irak und wegen des tragischen Todes seiner Freundin bekannt, die in Bagdad ums Leben kam. Darüber schrieb er 2008 auch ein Buch.

Ansonsten schrieb Hastings zahlreiche Berichte über die US- Politik, das Militär und das Leben in Kriegsgebieten für renommierte Zeitungen. Der Artikel im Musikmagazin «Rolling Stone» über McChrystal war sein erster überhaupt für das Magazin.

Zwei Jahre im Irak

Hastings wurde in Burlington im US-Bundesstaat Vermont geboren. Zwischen 2005 und 2007 schrieb er aus dem Irak für das US-Magazin «Newsweek», zu einer Zeit verheerender Gewalt in dem Land. Er war damals mit 25 Jahren der jüngste jemals von dem Magazin beschäftigte Kriegsreporter.

Zu seinen Artikeln gehörte etwa die Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen einem irakischen Lehrerpaar sunnitischer und schiitischer Abstammung. Auch den Kampf der US-Armee gegen den Einsatz selbstgebauter Sprengsätze durch Aufständische beleuchtete er.

Liebe in Bagdad verloren

In diese Zeit fällt auch der tragische Tod seiner Freundin Andi Parhamovich. Sie ging im August 2006 nach Bagdad, um bei Hastings zu sein, und arbeitete am Nationalen Institut für Demokratie. Eigentlich wollte Hastings seiner Freundin im Jahr 2007 einen Heiratsantrag machen – doch sie wurde im Januar bei einem Angriff aus dem Hinterhalt getötet.

Die Erlebnisse verarbeitete Hastings in dem Buch «I Lost My Love in Baghdad» (»Ich habe meine Liebe in Bagdad verloren»). Heute ist er Mitglied der in Erinnerung an seine Freundin gegründete Andi- Stiftung, die Stipendien an Studenten vergibt.

Hinter den Kulissen

Als er 2007 in die USA zurückkehrte, arbeitete Hastings für «Newsweek» an einer Hintergrund-Story zur Präsidentschaftswahl. Später beschrieb er seine Erfahrungen so:

«Mein Job war es, die Anwärter in ihren Bussen und Flugzeugen zu begleiten, bei teuren Abendessen dabeizusein, meine Quellen zum Trinken und Singen zu bringen und später Bericht zu erstatten über den Wahlkampf hinter den Kulissen.»

Hastings schrieb auch für die «Washington Post», die «Los Angeles Times» und für das Magazin «Foreign Policy», sowie jüngst für die Online-Magazine «Salon» und «Slate». Sein Artikel über McChrystal im «Rolling Stone» war sein erster überhaupt für das Musikmagazin.

Süchtig nach unangenehmen Ländern

Dass er so nah an den NATO-General herankam, lag vor allem daran, dass er im April mit ihm und seinen Mitarbeitern in Paris war und aufgrund der Aschewolke über Island nicht nach Berlin fliegen konnte.

Deshalb verbrachte er mehrere Tage mit ihnen auf einer Busfahrt in die deutsche Hauptstadt und ging auch abends mit ihnen aus. «Wir waren wirklich dicht dran», sagte der Chef des Magazins, Eric Bates. Alles, was Hastings wiedergegeben habe, seien jedoch offizielle Äusserungen gewesen.

In seinem eigenen Blog beschreibt sich Hastings als «süchtig nach unangenehmen Ländern». Er mag das süsse arabische Gebäck Kadaifi, den britischen Autor James Graham Ballard – und «Schriftsteller, die ihr Leben mit Anstand und ohne Kompromisse leben». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.06.2010, 07:09 Uhr


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