Seit sechs Monaten völlig isoliert

Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 20.12.2010 30 Kommentare

Soldat Bradley Manning, der mutmassliche Datendieb, sitzt in Einzelhaft. Freunde kritisieren die Bedingungen als grausam und überzogen.

Soll laut Freunden unter den Bedingungen in Einzelhaft leiden: Bradley Manning.

Soll laut Freunden unter den Bedingungen in Einzelhaft leiden: Bradley Manning.
Bild: Keystone

Wikileaks-Gründer Julian Assange lebt in Grossbritannien auf freiem Fuss, sein angeblicher Datenlieferant Bradley Manning hingegen verbrachte seinen 23. Geburtstag am vergangenen Freitag in Einzelhaft hinter Gittern. Nach seiner Festnahme im Mai im Irak hat der wegen Geheimnisverrats angeklagte Gefreite fast sechs Monate völlig isoliert in einem Militärgefängnis in Quantico im Bundesstaat Virginia verbracht.

Freunde und Familie sowie Mannings Anwalt David Coombs befürchten, die Haftbedingungen hinterliessen mittlerweile bei dem Gefangenen psychische Spuren. Coombs spricht gar von einer «gesetzeswidrigen Bestrafung vor Beginn des Prozesses». Zum Geburtstag wünschte sich Manning Bücher, darunter die Memoiren von George W. Bush sowie Immanuel Kants «Kritik der reinen Vernunft».

«Grausam und unmenschlich»

Mannings Freund David House, ein Computerexperte aus Boston, der den Gefreiten regelmässig besucht, ist besorgt: «Ich habe in den vergangenen Wochen gemerkt, dass seine geistige und körperliche Gesundheit nachlässt.» Der Häftling verbringt täglich 23 Stunden in einer kleinen Zelle und darf nur eine Stunde mit Fussschellen zum Freigang. Sein Essen muss er allein einnehmen, eine Stunde pro Tag wird ein Fernseher vor seine Zellentür gerollt, sodass er Nachrichten schauen kann. Ein normales Kopfkissen hat Manning nicht erhalten, auch seine Decken sind aus einem speziellen Material, das nicht zerrissen werden kann.

Seine Haftbedingungen machten Manning zu schaffen, glaubt Jeff Paterson, der einen juristischen Hilfsfonds für den Gefreiten leitet. Nach Gesprächen mit Freunden Mannings sowie einem Interview mit Leutnant Brian Villiard, dem Gefängnissprecher, kam der Kolumnist Glenn Greenwald im Online-Magazin «Salon» zum Schluss, die Haftbedingungen des Gefreiten seien «grausam und unmenschlich».

Freunde werden beschattet

Leutnant Villiard widerspricht dem Vorwurf: Die Häftlinge in Quantico würden «mit Entschlossenheit, Fairness, Würde und Mitgefühl behandelt». Verschärfte Haftbedingungen gälten für jene, «deren Flucht eine Bedrohung von Leben, Eigentum oder nationaler Sicherheit bedeuten könnte», sagt Villiard. Amerikanische und britische Medien werten Mannings Einzelhaft verschiedentlich als Versuch, den Gefreiten zu belastenden Aussagen gegen Julian Assange zu bewegen. Der Australier beteuert jedoch, Manning niemals getroffen zu haben. «Ich habe den Namen Bradley Manning erst gehört, als er in den Medien auftauchte», sagt Assange. Freunde Mannings behaupten unterdessen, sie würden beschattet und kriminalisiert. So wurde David House nach einem Kurzurlaub in Mexiko Anfang November bei der Wiedereinreise in die USA verhört, Handy und Computer wurden ihm abgenommen.

In Washingtoner Regierungskreisen herrscht offenbar keine Einigkeit, ob und in welchem Ausmass der US-Aussenpolitik durch die Wikileaks-Veröffentlichungen teilweise geheimer Depeschen Schaden entstanden ist. So sagte Vizepräsident Joe Biden am vorigen Mittwoch, er glaube nicht, dass Schaden angerichtet worden sei, um einen Tag später genau das Gegenteil zu verkünden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2010, 06:20 Uhr

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30 Kommentare

Keller Gerhard

20.12.2010, 07:28 Uhr
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Eine weitere Lektion in Sachen Menschenrechte. Yes, we can. Antworten


Leo Kress

20.12.2010, 09:17 Uhr
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Der soll wohl weich gekocht werden um eine Anklage gegen Julian Assange zu konstruieren. Mit Beweise konstruieren kennen sich sich die US-Amerikaner ja bestens aus. Antworten



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