Ausland
Selbsthilfegruppe für die Superreichen
Von Martin Killian. Aktualisiert am 20.10.2011 22 Kommentare
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Nicht nur für amerikanische Arme sind die Zeiten hart. Auch vermögende Amerikaner machen sich Sorgen um ihre pekuniäre Lage und die Zukunft im Allgemeinen. Zumal ihnen der amerikanische Zeitgeist nicht unbedingt wohlgesonnen ist: Wachsende soziale Ungleichheit hat in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten eine bisweilen heftige Gegenreaktion gegen Geldsäcke und insbesondere Bankiers und Financiers an der Wallstreet gezeitigt.
Wohin aber können sich Vermögende vertrauensvoll wenden, wenn sie ganz unter sich und fernab von Neidern und Schleimern über ihre Sorgen und Nöte, über Geld und Investitionen reden wollen? Sie schliessen sich Tiger 21 an, einer Selbsthilfegruppe für Schwerreiche, die 1999 vom New Yorker Immobilieninvestor Michael Sonnenfeldt gegründet wurde und inzwischen nahezu 200 Mitglieder in sieben amerikanischen und vier kanadischen Städten hat. «Wir sind nicht an Zahlen interessiert, sondern an Mitgliedern, die etwas zu einer Gruppe beitragen können», beschreibt Sonnenfeldt das Selbstverständnis der Tiger-Millionäre.
Finanzielle Entblössung
Mindestens zehn Millionen Dollar wert muss sein, wer einen Antrag auf Mitgliedschaft stellt, doch beträgt das Durchschnittsvermögen der Raubkater kühne 75 Millionen Dollar. Einmal im Monat trifft sich eine Städtegruppe zu einem eintägigen Symposium in einem Luxushotel, wo hinter verschlossenen Türen oftmals ein prominenter Redner aus dem Reich der Hochfinanz über Gott, Geld und die Welt spricht. Die Mitglieder der Gruppe können unter sich über ihre Investitionen plaudern oder über ihr Privatleben, über ihre Ängste vor dem Absturz wie auch über die Freuden des Reichtums.
«Der Zauber liegt darin, dass wir voneinander lernen», sagt Ronald Bruder, ein Mitglied der New Yorker Gruppe. Dazu gehört die völlige finanzielle Entblössung einer sogenannten «Portfolio-Verteidigung», wobei ein Tiger seine gesamten Investitionen gegen die Kritik der Gruppe verteidigt. Das sei so, wie wenn man sich vor einem Arzt ausziehe, scherzt Ronald Bruder.
Weder Hochstapler noch Ganoven
Dass eine Hand die andere wäscht und die Tiger untereinander Investitionsmöglichkeiten austauschen, versteht sich von selbst. Wer freilich in den exklusiven Zirkel aufgenommen werden möchte, wird zuvor nach allen Regeln investigativer Kunst durchleuchtet. Schliesslich sollen weder Hochstapler noch Ganoven, die zu unlauteren Zwecken Einblick in die Vermögensverhältnisse der Tiger nehmen wollen, Einlass finden. Referenzen sind erwünscht, penible Befragungen durch den in New York ansässigen Stab unerlässlich. Und je mehr der fortgeschrittene Kapitalismus an seinen Auswüchsen leidet, desto verlockender dürfte es sein, dort Trost zu suchen, wo Verständnis winkt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.10.2011, 20:46 Uhr
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22 Kommentare
«Der Zauber liegt darin, dass wir voneinander lernen»
Zum Beispiel, wie man weiterhin sein Geld unversteuert am Fiskus vorbeischleusen kann.
Ich würde den Damen und Herren aber gerne helfen. Mit einer Vermögenssteuer und einer Erbschaftssteuer zum Beispiel.
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