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«Sprechen Sie ruhig Englisch»
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Mehrere hundert Soldaten und Freiwillige warten in der gleissenden Sonne, als der Regierungsairbus des Aussenministers am Sonntag auf dem Militärflughafen von Santiago de Chile landet. Sofort beginnen Hilfskräfte, Stromgeneratoren, Wasserbehälter, ein Dialysegerät und andere Hilfsgüter auszuladen.
«Wir wollen zeigen, dass wir unsere Freunde in der Stunde der Not nicht vergessen», sagt Westerwelle, als er dem chilenischen Aussenminister Mariano Fernandez noch auf dem Rollfeld ein Zelt übergibt. «Ich hoffe, dass wir einen kleinen Beitrag leisten können, die Not zu lindern!»
Fernandez bedankt sich in gebrochenem Deutsch, spricht vom bevorstehenden Herbst, der die Not der Menschen im Erdbebengebiet noch vergrössern wird. «Bitte, sprechen Sie ruhig Englisch!» sagt Westerwelle, doch der chilenische Minister müht sich weiter. Dann drängen junge Helfer in Uniform heran. Westerwelle nimmt sich Zeit, plaudert, schüttelt Hände. So viel Sympathie ist dem FDP-Chef in Deutschland seit Wochen nicht entgegengeschlagen.
Präsenz ist wichtig
Kein Wunder: Der Aussenminister ist der erste europäische Spitzenpolitiker, der seit dem verheerenden Erdbeben vom 27. Februar nach Chile gekommen ist. US-Aussenministerin Hillary Clinton war da, UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war da, nur die Europäer hatten sich noch nicht sehen lassen. Dabei hatte es schon nach der Katastrophe von Haiti Kritik an der Zurückhaltung der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton gegeben. Das Erdbeben im Süden von Chile war 50 bis 100 Mal stärker als das in Haiti.
Für Westerwelle war die Gelegenheit günstig. Der FDP-Chef wollte am Sonntag ohnehin eine einwöchige Lateinamerika antreten. Nach dem Erdbeben wurde der Kurzbesuch in Chile kurzfristig vorgeschaltet. Präsenz ist wichtig, das weiss der Aussenminister. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Chiles in der EU. Westerwelle hält Lateinamerika sowieso für einen unterschätzten Kontinent mit enormem Potenzial.
Rückendeckung für UN-Sitz
Der «Solidaritätsbesuch» hatte aber für den FDP-Chef aber auch aus anderen Gründen Gewicht. Wenn der Milliardär Sebastián Pinera am Mittwoch das Präsidentenamt übernimmt, regiert in Chile zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht mehr eine Mitte-Links-Koalition, sondern ein konservatives Bündnis. Als Pinera Westerwelle am Abend in seinem Privathaus empfing, beliess er es nicht bei einfachen Dankesworten. Ausdrücklich sicherte er den Deutschen Unterstützung im Ringen um einen ständigen Sitz um UN-Sicherheitsrat zu - ein Thema, das Westerwelle allerdings deutlich zurükhaltender verfolgt als seine Amtsvorgänger.
Die scheidende Präsidentin Michelle Bachelet liess sich nicht bei Westerwelle blicken. Pinera hatte der Sozialistin zuletzt vorgeworfen, das Militär nach dem Erdbeben viel zu spät angefordert und damit Plünderungen Vorschub geleistet zu haben. Westerwelle wurde trotzdem im Regierungspalast empfangen. Da es im chilenischen Aussenministerium plötzlich Bedenken wegen der Statik gab, wurde das Gespräch mit Aussenminister Fernandez kurzfristig in den prächtigen «Palacio de la Moneda» verlegt, der nur kleinere Schäden davongetragen hat.
Vorwürfe von FDP-Spenden mitreisender Manager
Auch sonst bekam Westerwelle nur wenig von den Folgen des Erdbebens zu spüren, das vor einer Woche Tod und Verwüstung nach Chile gebracht hat. Die Hauptstadt, die mehrere hundert Kilometer vom Epizentrum entfernt lag, ist vergleichweise glimpflich davongekommen. Auf einen Besuch in der schlimmsten betroffenen Stadt Concepción hatte der Aussenminister verzichtet. Schliesslich wolle man helfen und nicht noch zusätzlich Arbeit machen, erklärte er.
Zusätzliche Arbeit respektive weiterer Ärger kam stattdessen aus der Heimat. Westerwelle war noch nicht einmal in Berlin gestartet, da liefen bereits die ersten Meldungen, dass der FDP-Chef Manager auf Auslandsreisen mitnehme, die zuvor an die FDP gespendet hätten. Auch wenn Westewelle dies auf der Reise als «haltlos» zurückwies - die Vorwürfe zeigen doch, wie schwer die Innenpolitik auf den Schultern des Aussenministers lastet. Da dürfte seine einwöchige Lateinamerika-Reise allenfalls für eine Verschnaufpause sorgen. (sam/ddp)
Erstellt: 08.03.2010, 09:46 Uhr
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